BLOG
26/11/2015 14:56 CET | Aktualisiert 26/11/2016 06:12 CET

Ken Follett Romanautor und Computerspieler

Getty

Normalerweise kommt der britische Autor Ken Follett regelmäßig zur Frankfurter Buchmesse um ein neues Buch vorzustellen. In diesem Jahr hatte er etwas anderes im Gepäck. Der Erfolgsautor aus England, dessen Markenzeichen feiner Anzug und Seidenkrawatte sind, hat ein Computerspiel seines Bestsellers „die Säulen der Erde" mitgebracht.

Auch wenn sein Outfit untypisch für die Computer-Community ist, so passen seine Geschichten gut in die Welt der Computergamer. "Die Säulen der Erde" ist ein bekannter Roman des Autors Ken Follett. Er spielt in der Zeit des düsteren Mittelalters. Diese Welt wird in einem Computerspiel in Comiczeichnungen wiedererweckt.

Der Spieler wandert durch düstere Wälder und mittelalterliche Dörfer. Der Gamer ist aber nicht bloß ein Baumeister, der seine eigene Kathedrale nachbaut. Er ist Teil von vielen, kleinen Geschichten. Die Handlung spielt in einer Welt der Gewalt. Doch inmitten einer Welt von Elend und Gewalt gibt es Menschen, die an ein Ziel glauben: dem Bau einer mittelalterlichen Kathedrale. Sie ist in diesem Roman das Symbol für Glaube und Hoffnung.

Dieses Projekt freut nicht jeden in der Grafschaft. Die Grafenfamilie möchte den Bau mit allen Mitteln verhindern. Während viele Menschen zu Mittelalterfesten pilgern, ist Follett kein Anhänger dieser Epoche. Er ist froh heute und nicht im Mittelalter zu leben. Doch es ist eine wichtige Epoche der Geschichte.

Doch ist das noch Kultur? Diese Frage geht mir durch den Kopf, da ich mich hier auf der Buchmesse in einer Stätte der Hochkultur bewege. Während viele Kulturredakteure bei Computerspielen die Nase rümpfen würden, hat Ken Follett hier keine Berührungsängste. Lassen sich doch mit einem Computerspiel durchaus neue Zielgruppen erschließen. Schließlich gibt es viele Leute die seine Geschichten eigentlich spannend finden, doch aufgrund ständigen Spielens an der Playstation nicht zum Lesen kommen. Er hat sich für dieses mit dem Spielentwickler Daedelic zusammengetan.

Wie lange arbeitet ein Autor an einem Roman?

Ken Follett arbeitet sich gemeinsam mit seinen Mitarbeitern intensiv in seine Themen ein. Vor der eigentlichen Schreibarbeit steht ein langer Rechercheprozess So hat sich Ken Follett viele Kathedralen in Frankreich angesehen und deren Bauweise genau studiert. Die Vorbereitung dauert über ein Jahr.

Durch den Roman lernt man einiges über die Architektur des Mittelalters. Während heute Architekten die Leitung eines Bauwerks in der Hand haben, waren es im Mittelalter Laien wie Tom Builder, die das Handwerk durch „learning by doing" erlernt haben. Eine besondere Rolle kam dem Steinmetz zu, der als wahrer Künstler Skulpturen und Ornamente entwarf.

Seit ich die Säulen der Erde gelesen habe, sehe ich Kathedralen mit etwas anderen Augen. Doch habe ich meine Zweifel, ob man das alles im Spiel wiederfindet. Schließlich fließen nur 15 % der Handlung in das 2017 erscheinende Spiel ein. Ken Follett sieht es so: Computerspiele haben eine eigene Bildsprache.

Das ist für einen Autor eine große Herausforderung. Genauso wie bei einer Verfilmung, verlangt auch ein Computerspiel ein Storytelling.

Wieder habe ich einen Begriff aus der Autorenwelt gelernt. Storytelling erzählt die Geschichte in kleinen, abwechslungsreichen Geschichten. So kann sich eine Geschichte in viele kleine Stories aufspalten, die sich am Ende der Geschichte wieder vereinen.

Nach dem Gespräch ist mir die Gamerwelt etwas vertrauter geworden. Spiel, Film oder Buch Ken Follett ist voll in der multimedialen Welt angekommen. Vielleicht werde ich auch einmal eine Playstation in die Hand nehmen.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite