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06/09/2015 09:10 CEST | Aktualisiert 06/09/2016 07:12 CEST

Was ich beim Interview mit Bernd Lucke gelernt habe

Getty

Das Gespräch mit dem Ex-AfD-Chef Bernd Lucke ist schon ein paar Tage her. Aber mich musste erst eine heftige Erkältung aufs Sofa zwingen, damit ich die Gelegenheit hatte, darauf zurückzublicken. Viel kann ich von hier aus nicht tun, aber ein bisschen Schreiben tut zur Ablenkung mal ganz gut. Also, auf die Schnelle ...

Das habe ich gelernt:

  1. Dass Lucke aus der Partei geschmissen wurde, die er selbst aufgebaut hat, war eine extreme Erfahrung für ihn. Das sagt er ja auch im Interview. Und jeder, der mal etwas Eigenes aufgebaut hat, kann sich vorstellen, wie hart es ist, wenn jemand anderes langsam, aber sicher die Kontrolle darüber übernimmt.
  2. Was er nur andeutet, ist, wie er seitdem auf seine Konkurrenten - man könnte auch Feinde sagen - zu sprechen ist, vor allem auf Frauke Petry. Aber da ist tiefe Verbitterung, wahrscheinlich sogar Hass.
  3. Lucke ist Professor, er argumentiert ausführlich und gewissenhaft. Und er prüft genauer als andere. Bei ihm gibt es in der autorisierten Version des Interviews keine falschen Bezüge oder Zusammenhänge, jedes "aber", "also" oder "denn" ist ihm wichtig - und wird im Zweifel gestrichen.
  4. Lucke gibt den, der die AfD vor den rechten "Demagogen" (Lucke) retten wollte - und das ist er ja auch. Dass Lucke aber nur ein handzahmer Eurokritiker ist, wäre die falsche Schlussfolgerung. Oder ist es etwa nicht populistisch, wenn Lucke verkündet dass die Zahl der "zu uns Kommenden" in Zukunft "auf etwa ein Drittel" reduziert werden müsse?
  5. Lucke arbeitet gegen den Vorwurf an, er habe viel zu beklagen, aber keine Lösungsideen. Es ist ihm wichtig, seinen Vorschlag eines EU-Abkommens mit Drittstaaten zur vorläufigen Aufnahme von Asylbewerbern zu präsentieren. Man muss die Idee nicht gut finden - aber es ist immerhin eine neue Idee.
  6. Etwas sauer ist Lucke noch immer auf die HuffPost, weil wir zu den ersten Medien gehörten, die die AfD kritisiert haben, und zwar ordentlich. Er fand das unfair und er findet es nach wie vor unfair. Aber letztlich lagen wir ja richtig mit unserem Gefühl, dass der Laden nach rechts abdriftet. Und eigentlich weiß Lucke auch, dass wir recht hatten.
  7. Damals hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass Lucke uns jemals ein 43 Minuten langes Interview geben würde. Aber die Zeiten ändern sich eben.

In meinem Blog "Was ich beim Interview mit ... gelernt habe" möchte ich zeigen, was von Interviews jenseits des autorisierten Teils übrig geblieben ist. Was für einen Eindruck sie bei mir persönlich hinterlassen haben. Das Format hat nicht den Anspruch, den Gesprächspartner vollständig zu beschreiben. Es handelt sich immer nur um eine Momentaufnahme.

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