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22/04/2015 05:29 CEST | Aktualisiert 22/06/2015 07:12 CEST

Wir zerstören die Grundlagen unserer Existenz schneller als die Natur sie reparieren kann

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Nachhaltigkeit - Wir zerstören die Grundlagen unserer Existenz schneller als die Natur sie reparieren kann. Wenn wir unsere "Business-as-usual"-Behandlung des Planeten fortsetzen, werden künftige Generationen nicht nur dem ökologischen Kollaps, sondern auch großen Herausforderungen in den Bereichen Frieden, Sicherheit und Entwicklung gegenüber stehen.

Es liegt in unserer Verantwortung, einen Paradigmenwechsel von kurz- zu langfristigem Denken herbeizuführen, um zu gewährleisten, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern eine lebenswerte Welt übergeben. Deshalb brauchen wir regionale, nationale und internationale Institutionen, die Nachhaltigkeitsprobleme und zukünftige Bedrohungen erkennen und auf eine nachhaltige Planung und Entscheidungsfindung in der Politik achten.

Die 70. Generalversammlung der Vereinten Nationen im September wird in der Vereinbarung der Sustainable Development Goals (SDGs) gipfeln, die die weltweiten Entwicklungsziele bis zum Jahr 2030 umreißen. Die SDGs sollen sowohl den Rahmen für eine gerechte Entwicklung in nächster Zukunft als auch im Hinblick auf zukünftige Generationen schaffen. Aber Menschen können nicht langfristig denken und handeln, wenn sie täglich um ihre Existenz kämpfen müssen.

Der Klimawandel wirkt sich am stärksten auf die ärmsten Menschen auf unserem Planeten aus, indem er ihr Grundrecht auf Nahrung, Wasser und Schutz bedroht. So wird es einem Großteil der Weltbevölkerung unmöglich gemacht, sich auf eine Art zu entwickeln, die die Rechte künftiger Generationen nicht gefährdet.

Arme und schwache Menschen müssen geschützt werden

In einer Welt, in der kurzfristige Lösungen Vorrang vor den Bedürfnissen der zukünftigen Generationen haben, ist es besonders wichtig, sicherzustellen, dass auch sie eine Stimme haben. Daher müssen wir politische Rahmenbedingungen schaffen, die die gegenwärtig Armen und Schwachen schützen, ohne deren Schutz in der Zukunft zu vernachlässigen.

Dazu ist mehr notwendig als die Umstellung von fossilen zu erneuerbaren Energien. Es erfordert ein Verständnis des Konzepts der Menschenrechte, das für heutige und zukünftige Generationen greift und lokale und globale Teilungen überbrückt. Nur auf dieser Basis können wir widerstandsfähigere und gleichberechtigte Gesellschaften schaffen.

Viele Institutionen denken und arbeiten noch immer in Silos anstatt ihre Lösungen so zu konzipieren, dass sie den Herausforderungen einer zunehmend vernetzten Welt gerecht werden. Vielen Lösungsversuchen fehlen Ganzheitlichkeit und Kohärenz.

Wir müssen Silo-basiertes Denken durchbrechen, sowohl bei Regierungen und den Vereinten Nationen als auch in der Zivilgesellschaft, sodass Herausforderungen in einem größeren inhaltlichen und zeitlichen Rahmen gesehen werden. Wenn wir die existierenden Modelle und Praktiken nicht hinterfragen, laufen wir Gefahr, zukünftigen Generationen eine Welt drastisch verminderter Möglichkeiten zu übergeben.

Die gute Nachricht ist, dass viele politische Lösungen bereits vorhanden sind. Wir müssen also keinesfalls bei Null anfangen. Wir können von diesen zukunftsweisende Strategien lernen und auf vorhandene Erfolgsgeschichten aufbauen.

Eine solche Erfolgsgeschichte wurde z.B. in Ungarn geschrieben, wo die Regierung im Jahr 2008 einen Kommissar für zukünftige Generationen etablierte, um den Schutz der Umwelt zu stärken und Generationengerechtigkeit zu fördern. Als einer der ersten seiner Art hatte der ungarische Kommissar die Aufgabe, das verfassungsrechtlich verankerte Grundrecht auf eine gesunde Umwelt zu gewährleisten.

Als offizieller Mandatsträger, der vom nationalen Parlament ernannt und mit der Vertretung der Interessen der Bürger beauftragt ist, kann der Kommissar die Verpflichtung, die Interessen zukünftiger Generationen zu wahren, effektiv umsetzen.

Ein Gesetz zum „Wohlbefinden zukünftiger Generationen"

Auch in Wales hat die Regierung gerade ein Gesetz zum "Wohlbefinden zukünftiger Generationen" erlassen, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der heute Lebenden erfüllt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen einzuschränken. Enthalten ist u. a. die Schaffung eines Kommissariats für zukünftige Generationen in Wales, das die Aufgabe hat, die Rechte unserer Nachkommen zu schützen.

Während solche Erfolge sehr inspirierend sind, können gute politische Maßnahmen selten einfach als Patentlösung angesehen und kopiert werden - sie müssen an die jeweiligen lokalen Umstände und Bedürfnisse angepasst werden, um wirklich effektiv zu sein. Der Austausch von Erfahrungen ist von entscheidender Bedeutung, um politische Entscheidungsträger in die Lage zu versetzen, eine nachhaltige Zukunft für alle zu gewährleisten.

Ende April wird eine globale Gemeinschaft von politischen Entscheidungsträgern und Institutionen, die daran arbeiten, die Rechte künftiger Generationen zu wahren, in Cardiff zusammenkommen, um den Erlass des walisischen Gesetzes zu würdigen und den laufenden Dialog über beste politische Lösungen fortzusetzen. Teilnehmer und Referenten aus der ganzen Welt, darunter Kanada, Ungarn, Finnland und Deutschland, werden erörtern, welche Rolle subnationale Regierungen bei der Umsetzung der Post-2015-Agenda spielen können.

Solche Initiativen zeigen, dass spezielle Mechanismen wichtige Prozesse wie die Definition und Umsetzung der SDGs und die Stabilisierung des Klimas unterstützen und erleichtern können und deshalb von Zivilgesellschaft und Regierungen gleichermaßen unterstützt werden sollten. Wir können in diesem Jahr die Weichen zur Schaffung von politischen Rahmenbedingungen für eine gerechte und nachhaltige Welt stellen. Wenn wir aber weiterhin nicht handeln, bedrohen wir damit alle unsere Errungenschaften und unsere Hoffnungen für die Zukunft. Die Entscheidung liegt bei uns.


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