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10/12/2016 08:58 CET | Aktualisiert 11/12/2017 06:12 CET

Warum der Globale Süden in Zukunft auf nachhaltiges Kochen setzen muss

Kochen mit regenerativer Energie - das schien auf der Südhalbkugel lange unmöglich. Er galt als zu teuer, zu kompliziert und zu abweichend von der traditionellen Kochweise mit Holzbrennstoff. Die Voraussetzungen haben sich nun aber grundlegend geändert, denn der Energiegewinn über Wind- und Solarstromanlagen ermöglicht schon jetzt den breiten Einsatz elektrischer Kochfelder.

Gerade in ländlichen Regionen Afrikas, Asiens und Südamerikas würde die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen für elektrisches Kochen nicht nur Millionen Leben retten, sondern gleichzeitig auch dazu beitragen, die globale Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.

Derzeit sind etwa 4,3 Millionen frühzeitige Todesfälle auf das Kochen mit fossilen Brennstoffen zurückzuführen, da diese Methode eine erhebliche Luftverschmutzung in den Haushalten verursacht.

Die Verwendung von ineffizienten Brennstoffen und Technologien wirkt sich besonders auf Frauen und Kinder aus, die dem giftigen Rauch am meisten ausgesetzt sind. Weltweit setzen mehr als 3 Milliarden Menschen auf Biomasse als Brennstoff: Feuerholz, Holzkohle und Tierdung werden dabei häufig im Haushalt zum Kochen verwendet, was jedoch ernsthafte, negative Folgen für die Umwelt, die Gesundheit und die Wirtschaftsentwicklung dieser Bevölkerung mit sich bringt.

Wenn elektrisches Kochen zu einer erschwinglichen und technisch realisierbaren Option würde, könnte diese Herausforderungen angegangen werden.

Die Ergebnisse eines neuen Berichtes, der kürzlich von den Organisationen World Future Council und Hivos auf der Klimakonferenz COP22 in Marokko vorgestellt wurde, zeigen, dass die Kosten erneuerbarer Energieträger immer weiter sinken werden, wodurch die Chancen für sauberere und modernere Technologien deutlich steigen.

Der Bericht erschien pünktlich zum Treffen der Vereinten Nationen in Marrakech, auf dem Strategien entwickelt wurden, um den Klimawandel zu stoppen und nachhaltige Energien für alle hervorzubringen.

In vielen Entwicklungsländern ist der Energieverbrauch beim Kochen viel höher als beispielsweise bei Strom oder Transport. Daher würden bei einem Wechsel zu Erneuerbaren gleich mehrere, komplementäre Ziele erreicht: Umweltschutz, die Erweiterung des Stromzugangs und die Förderung der Wirtschaftsentwicklung.

Die aktuellsten Kostenkalkulationen verschiedener Kochtechnologien zeigen, dass Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bereits umsetzbar ist. Der Bericht hat die Kosten für die Produktion einer Einheit von Wärmeenergie (in GJ) für jede der Kochoptionen berechnet. Kernpunkt dieser Kalkulation ist, dass die Menge an tatsächlich genutzter Energie pro Person schätzungsweise 1GJ im Jahr beträgt.

Die Kosten, um den Bedarf an Kochenergie mit sauberen und moderneren Energiequellen zu decken, bewegen sich zwischen 0,90 Euro/pro Person/ pro Tag und unter 0,20 Euro.

Bisher versuchen viele Regierungen und internationale Geldgeber vermehrt die gesundheitsgefährdende Verwendung von Holz und Kohle beim Kochen durch eine Effizienzsteigerung der Holzöfen zu lösen.

Diese Technologien sind durchaus wichtig, um die Herausforderung des nachhaltigen Kochens anzugehen. Aber bestenfalls sind das nur vorläufige Lösungen. Die Holzernte und die Kohleproduktion haben weiterhin negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit. Die hohe Bevölkerungszahl wird riesige Mengen beanspruchen, die inkompatibel mit nachhaltigeren Produktionsalternativen sind.

Allein in der afrikanischen Subsahara wird die Bevölkerung der Prognose nach bis 2060 um ein Drittel ansteigen und etwa eine Zahl von 2,7 Milliarden erreichen.

Es ist schlichtweg keine Option mehr, sondern ein Muss, die Energiequelle zum Kochen für alle einheitlich umzustellen. Wir brauchen einen Durchbruch im Übergang zu wirklich nachhaltigen und langfristigen Lösungen, die niemanden zurücklassen.

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