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19/08/2015 11:13 CEST | Aktualisiert 19/08/2016 07:12 CEST

Experten warnen vor diesem neuen Militärvideo aus China

Die Marine der chinesischen Volksbefreiungsarme hat kürzlich ein Video zur Rekrutierung neuer Soldaten veröffentlicht, das wachsende Ängste bezüglich eines mehr und mehr nationalistischen und expansionistischen Chinas kaum mindern dürfte.

Das gekonnt inszenierte, fast viereinhalb Minuten lange Video beginnt mit dem Schriftzug „Unser Traum". Begleitet von überraschend zurückhaltender Musik spricht diese Sequenz besonders Chinas Jugend an. Man sieht junge Chinesen, die ihr Studium abschließen und Sport treiben, wie z.B. Snowboard fahren.

Zusätzlich eingestreute Bilder von der Rückgabe Hong Kongs an China zielen darauf ab, Stolz auf das „neue" China zu entfachen. „Wir wurden in den 1990er Jahren geboren", so lautet ein begleitender Text auf Chinesisch. „Zu dem Zeitpunkt war China bereits emporgestiegen, mit schillernden Träumen wollen wir genauso strahlen, wie das neue Jahrhundert. Wir wollen stark sein."

Es dauert jedoch nicht lange, bis die verhaltenen Töne im Video von bombastischer Musik abgelöst werden, und die Bilder plötzlich von einer ganz anderen Natur sind. Der nationalistische Unterton und die Anspielung auf Chinas Gebietsansprüche kann man kaum missverstehen. Unterstützt wird dieses durch Bilder der Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer.

Sowohl Japan wie auch Taiwan erheben Anspruch auf die Inseln, sowie auch auf diverse andere Gebiete im Südchinesischen Meer. Dieses hat in den letzten Jahren immer wieder zu Spannungen in der Region geführt.

Unmissverständlicher Militarismus

Zwar kommen auch die humanitären Aufgaben der chinesischen Marine zur Sprache, jedoch wird dieses von dem unmissverständlichen Militarismus übertönt: Endlose Bilder von Bombenabwürfen, Raketenabschüssen und Explosionen. Diese beinhalten ein Signalelement und zwar keineswegs ein Beruhigendes.

Nimmt man dazu noch eine Kampagne, die auch ein Video enthielt, das im letzten Monat im chinesischen Fernsehen ausgestrahlt wurde - gezeigt wurde ein simulierter Anschlag auf den Regierungssitz Taiwans - so wird die Intention deutlich: Die Einschüchterung möglicher Gegner und einen Krieg ohne Kampf zu gewinnen.

Passend zu den martialischen Bildern ändern sich auch die Textsequenzen des Videos. „Ruf der Pflicht", so ist der zweite Teil des Videos betitelt. „71 Prozent der Erdoberfläche bestehen aus Wasser" so heißt es im Video weiter. „Und wo Wasser ist, dort sind auch wir zugegen, um die Schifffahrt zu sichern.

Chinas ozeanische Interessen sowie auch die Übersee-Interessen des Landes weiten sich rasch aus. Unser Land ist weit, aber wir werden nicht einen Quadratmeter unseres Gebietes an Fremde abtreten".

Es gehört China und zwar China allein

„300 Millionen Quadratkilometer Ozean fallen in Chinas Jurisdiktion", so heißt es im Text weiter. Ein Gebiet, das gut 6 700 Inseln umfasst. „Der Kampf um unser Seerecht ist noch nicht vorbei. Wir werden nicht den kleinsten Teil unserer Ressourcen abtreten".

Bemerkenswert ist, dass der Text hier von „Ressourcen" spricht, nicht von „Territorium", auch wenn das hier impliziert wird. Mit anderen Worten gehören dieses Gebiet und die darin enthaltenen Ressourcen China. Und zwar China allein.

Laut eines kürzlich von der nachrichtendienstlichen Abteilung der U.S. Navy veröffentlichten Berichtes über die chinesische Volksbefreiungsarmee und ihre Marine, würden die in dem Video erwähnten „300 Millionen Quadratkilometer" beinahe „90 Prozent der Fläche und Wassermasse innerhalb der sogenannten ersten Inselkette umfassen, dazu gehören auch der Golf von Bohai, das Gelbe Meer, das Ostchinesische Meer und das Südchinesische Meer."

Der dritte Abschnitt des Videos trägt den Titel „Das Gen der Ehre". „Tausende Seeschlachten haben uns geformt. In blutigem Kampf, heißblütig und dazu der Geruch des Schießpulvers, so haben wir immer hart gearbeitet und sind gewachsen. Der leidenschaftliche Trainingseinsatz der Jugend hat sie geformt und schließlich den Durchbruch gebracht. Wir sind immer kampfbereit, wir sind auf den Krieg vorbereitet."

Der Traum der großen chinesischen Wiederauferstehung

Der letzte Teil des Videos, „Auf der Suche nach dem blauen Traum", schlägt einen weniger alarmierenden Ton an. „Hier bei uns habt ihr die Möglichkeit, euer außergewöhnliches Talent zu beweisen, wir geben euch die Möglichkeit, eure Flügel auszubreiten. Die Augen der ganzen Welt sind auf uns gerichtet! Ein starkes Vaterland braucht eine starke Marine. Lasst uns den Traum der großen chinesischen Wiederauferstehung zusammen leben."

Tatsächlich aber bestehen Zweifel, ob Peking, die Zentrale Militärkommission oder auch die Marine der Volksbefreiungsarmee wirklich die Absicht haben, die Marine in eine globale Streitmacht zu verwandeln, besonders vor dem Hintergrund des aktuellen geopolitischen Kontexts. Ein solches Bestreben würde größere Spannungen mit U.S. Navy und der Marine anderer westlicher Länder provozieren.

Dieses ist zum Teil einem Mangel an Fähigkeit zu verschulden. Obwohl die Marine der Volksbefreiungsarmee in den letzten Jahren einige Beschussversuche im Westpazifik durchgeführt hat, ist das von einer wirklichen, monatelangen Stationierung in Übersee meilenweit entfernt.

Wahrscheinlich dauert es noch Jahre (die nachrichtendienstliche Abteilung der U.S. Navy spricht von Jahrzehnten), bis die chinesische Marine über das Leistungsvermögen, den Zusammenhalt und die Interoperabilität verfügt, Tiefsee-Missionen durchzuführen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine tiefseetaugliche Marineflotte der Volksbefreiungsarmee also reine Utopie.

Bestenfalls ist die chinesische Marine eine einfache Marineflotte, die sich langsam von ihrem traditionellen Status als litorale Streitkraft entfernt. Ihre Gefechtfähigkeit in weiter entfernten Einsatzgebieten ist noch fragwürdiger.

Es wird noch Jahre dauern, bis sich die chinesische Marine mit besser ausgebildeten und erfahreneren Gegnern wie z.B. der U.S. Navy oder der Meeresselbstverteidigungsstreitkräfte Japans messen kann, von einem Zusammenschluss zweier solcher Streitkräfte ganz zu schweigen.

Bombastische Inszenierung und der Appel an den Nationalismus ergeben in einer Rekrutierungskampagne, die junge Menschen als Zielgruppe hat, durchaus Sinn. Der martialische Ton des Videos kombiniert mit der Anspielung auf Blut und Gene lässt sich jedoch nicht verneinen und wird Chinas Bemühen, wachsende Befürchtungen zu ihren zukünftigen militärischen Absichten zu zerstreuen, kaum zuträglich sein.

Dieser Artikel erschien zunächst in der World Post und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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