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07/03/2016 12:11 CET | Aktualisiert 08/03/2017 06:12 CET

Wie treu war der Adel?

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Gerade zur internationalen Woche gegen Rassismus, stellt sich wieder die Frage einer historischen Aufarbeitung - wie sehr waren bestimmte Gesellschaftsschichten am Dritten Reich involviert? Warum konnte die NS-Propaganda auch die geistigen Eliten Deutschlands begeistern? Welche Rolle spielte hierbei der Deutsche Adel?

"Gemeinsam gegen Rassismus - Für 100 Prozent Menschenwürde!": Unter diesem Motto stehen in diesem Jahr die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die am Freitag, 4. März 2016 beginnen und bis 27. März 2016 das Thema in seiner ganzen Bandbreite behandeln. Von Rassismus als Mechanismus allgemeiner Diskriminierung bis hin zu spezifischen Varianten wie Antisemitismus. Aber auch Widerstandsformen und Methoden werden anhand von speziellen Workshops und Seminaren vorgestellt.

Doch benötigt es vorab immer noch einer intensiven historischen Retrospektive, um ganz besonders die Anfänge des Widerstands gegen Menschenverachtende Regime und deren Handlungen besser nachzuvollziehen. Gerade die prominenteste Verschwörergruppe um Hitler- Attentäter Stauffenberg lehnte sich aktiv gegen die NS-Herrschaft auf und gilt bis heute noch, als die Vorzeigegemeinschaft im Kampf gegen den Nationalsozialismus in Deutschland.

Doch verkörperte Claus Schenk Graf von Stauffenberg wirklich die typische Haltung eines ganz spezifischen Personenkreises, nämlich des Adels im Dritten Reich?

Eins steht fest - Stauffenberg ist für seine Überzeugung gegen den NS- Staat anzukämpfen und den Willen Deutschland vor Hitler zu retten, hingerichtet worden - auch ein großer Anteil der Aristokratie im Kreis der Verschwörer vom 20.Juli 1940 wurden für ihren Mut etwas verändern zu wollen bestraft. Ebenso wie diejenigen die sich offen dem Deutschen Widerstand anschlossen- all diese Menschen haben einen hohen Preis für ihre Zivilcourage gezahlt - seien es Studenten, Christen, Sozialdemokraten oder wie Stauffenberg, hochrangige Militärs.

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Adelige Nazis

Allerdings gab es durchaus eine weitgehend undefinierte Masse des Adels in der NS-Bewegung - an deren Namen sich heute niemand mehr erinnert. Die Zahl der Parteigenossen allein innerhalb des historischen Adels und der Fürstenhauser war beachtlich.

Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre stand der deutsche Adel vor einer massiven internen strukturellen Veränderung, die von den Nationalsozialisten bewusst ausgenutzt wurde. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg endete auch die Monarchie 1918 und somit weitesgehend die Adels Privilegien - ganz besonders betroffen hiervon war der besitzlose Kleinadel meistens in Preußen - der im Gegensatz zum Adel in Süd-und Westdeutschland keine oder nur eine sehr geringe materielle Grundsicherung besaß.

Diese Gesellschaftsschicht war folglich überaus anfällig für die Nazi-Propaganda. Einzig die konfessionellen Barriere zwischen den Nationalsozialisten und dem Adel hatte bestand - so sind NSDAP-Mitglieder gar nicht oder nur selten innerhalb des alten katholischen Adels in Bayern zu finden.

Dennoch waren viele Adelige auch Anfangs daran beteiligt, Hitler überhaupt den Weg zur Machtergreifung zu ebenen. Die Einsicht, dass man vom „Führer“ nur benutzt worden war, kam später. Zunächst blieb die Vorstellung, dass der alte Herrschaftsanspruch wieder hergestellt werden könne. Erst nach dem Menschenverachtenden Russlandfeldzug Hitlers und der rigorosen Wirtschaftsmaßnahmen des NS-Staates ist den involvierten Adeligen klar geworden, dass man auf die falsche Karte gesetzt hatte.

So wurden Widerstandsnetzwerke aufgebaut und geheime Umsturzpläne geschmiedet. Parallel dazu sind bereits viele adelige Familien Opfer umfangreicher Enteignungen durch die Nationalsozialisten geworden und spätestens seit dem Sprengsatz des Grafen Claus Schenk von Stauffenberg auf Adolf Hitler, geriet der Adel definitiv in den Fokus der Nationalsozialisten. Vor Deportation, Sippenhaft und Hinrichtung waren somit auch Adelige im Dritten Reich nicht verschont.

Deutschland im Jahr 2016

Aus den Fehlern der Vergangenheit hat man allerdings gelernt, das Trauma des Nationalsozialismus sitzt tief. Als Konsequenz zieht der Adel ein zurückgezogenes Leben vor und engagiert sich mehr in der freien Wirtschaft, als der Politik. Überzeugte Nationalsozialisten gab es wärhend des Dritten Reiches in Deutschland in jeder Gesellschaftsschicht - die einen waren bis zum Schluss von der NS- Ideologie überzeugt, andere hingegen haben von Beginn an gegen Hitler und seine Helfer gekämpft.

Jetzt gilt es, in Deutschland gerade in Hinblick auf die gegenwärtige Flüchtlingskrise alle potentiellen NS-Strömungen zu unterbinden und zu zeigen, dass wir in einem freien, toleranten und demokratischen Staat leben. Ebenso sollten neue Parteien wie die "Alternative für Deutschland" (AfD) kritisch beobachtet und wenn notwendig eine erneute Entnazifizierung durchgeführt werden - diesmal jedoch innerhalb der Enkelgeneration.

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