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16/10/2015 05:14 CEST | Aktualisiert 16/10/2016 07:12 CEST

So erkennt ihr, ob gerade ein Kernwaffentest auf der Welt stattgefunden hat

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Haben Sie sich schon mal gefragt, wie es möglich ist eine Atomexplosion zu bestimmen, wenn sie gerade nicht überirdisch gezündet wird? Schließlich können Kernwaffen ja auch in der Atmosphäre, unter Wasser oder in der Erde selbst detonieren...

Die internationale Staatengemeinschaft hat Mitte der neunziger Jahre einen Umfassenden Kernwaffen-Teststopvertrag (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty, CTBT) ins Leben gerufen. 183 Staaten haben diesen bereits unterschrieben oder ratifiziert. Selbst wenn immer noch wichtige Länder, wie zum Beispiel Indien oder Pakistan fehlen, setzt sich diese Organisation aktiv dafür ein, dass es in Zukunft nirgends mehr auf der Welt Kernwaffentests gibt. Hierzu hat die CTBT drei Kontrollmethoden entwickelt:

1. Es gibt ein Internationales Überwachungssystem, welches aus einem Netz von 337 Einrichtungen besteht. Rund 90 Prozent hiervon sind bereits in Betrieb. Mit Hilfe von vier Technologien, können sogar kleinste Anzeichen von Atomtests registriert werden:

Seismik: 50 primäre und 120 Hilfsstationen überwachen Schockwellen in der Erdkruste. Deren überwiegende Mehrzahl - viele Tausende pro Jahr - stammen von Erdbeben. Aber auch Explosionen menschlichen Ursprungs, wie die nordkoreanischen Atomtest von 2006, 2009 und 2013 konnten damit entdeckt werden.

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Hydroakustik: 11 hydroakustische Stationen "lauschen" Schallwellen in den Weltmeeren - diese verbreiten sich nach Explosionen unter Wasser extrem schnell.

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Infraschall: 60 Stationen auf der Erdoberfläche messen Schallwellen im Ultra- Niederfrequenzbereich (für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar), die von großen Explosionen erzeugt werden.

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Radionuklid: 80 Stationen messen radioaktive Partikel in der Luft; 40 davon können darüber hinaus radioaktive Edelgase erkennen. Nur durch diese Messungen lässt sich eine durch die drei anderen Technologien ( siehe oben) identifizierte Explosion eindeutig als nuklear klassifizieren. Diese Stationen werden von 16 Radionuklidlabors unterstützt.

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2. In Wien ist das Internationale Datenzentrum der Organisation zum Umfassenden Kernwaffen-Teststopvertrag (The Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization- CTBTO ) ansässig. Hier werden die Daten der diversen Stationen des Internationalen Überwachungssystems empfangen. Nach einer gründlichen Analyse der Daten, werden diese an die Mitgliedstaaten, welche den Vertrag gezeichnet haben, weitergeleitet.

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Bei den nordkoreanischen Atomtests von 2006, 2009 und 2013 erhielten sämtliche Mitgliedsstaaten innerhalb von nur zwei Stunden erste Angaben zu Koordinaten, Intensität, Zeitpunkt und Tiefe der Explosionen.

Auch gezielte Vorort Inspektionen machen es möglich, Atomexplosionen zu bestätigen. Dabei sucht ein Inspektionsteam vor Ort nach Hinweisen auf eine nukleare Detonation. Die letzte große Feldübung fand Ende 2014 in Jordanien statt.

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