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10/06/2015 10:37 CEST | Aktualisiert 10/06/2016 07:12 CEST

Future of Work: Begrenzte Work-Life-Balance und die komplette Computerisierung?

Nach einer aktuellen neuen Studie im Auftrag des Bundesministeriums ist jede achte Tätigkeit in Deutschland von Automatisierung bedroht, was bedeuten würde, dass in den nächsten 10 bis 20 Jahren sehr viele Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Thinkstock

Die Meldung, das Israel mit der Integration von Robotern im Militär beginnen wird, sorgte weltweit für Aufsehen. Die Robotersoldaten sollen in die bestehenden Bodentruppen integriert werden.

Auch sind ähnliche Meldungen über die vermeintliche bevorstehenden Ablösungen von menschlichen Arbeitskräften durch robotische Maschinen keine Rarität - die „Bedrohung" scheint real und unausweichlich. „Industrie 4.0" ist in aller Munde.

Fertigungsprozesse sollen sich nun weitestgehend selbst organisieren, und dies ohne menschliche Eingriffe.

Nach einer aktuellen neuen Studie im Auftrag des Bundesministeriums ist jede achte Tätigkeit in Deutschland von Automatisierung bedroht, was bedeuten würde, dass in den nächsten 10 bis 20 Jahren sehr viele Arbeitsplätze wegfallen könnten - die Automatisierungswahrscheinlichkeit steigt bei den meisten Stellen.

Fallen also in naher Zukunft die meisten Arbeitsplätze weg, da die Arbeit von Robotern, Maschinen und digitalen Wunderanlagen verrichtet werden?

Mitnichten. Selbst die israelische Armeeführung betonte schnell, dass die Robotersoldaten keineswegs menschliche Bodenkräfte ersetzen könnten, sondern nur als unterstützende Kraft fungieren sollen um eventuelle militärische Hinterhalte als Vorhut zu enttarnen. Die ureigenen menschlichen Eigenschaften können aller Voraussicht nach zumindest noch nicht ersetzt werden: wegen Kreativität, Urteils- und Entscheidungskraft beispielsweise.

Mit der Industrie 4.0 soll maßgeblich die Produktionskraft erhöht werden und es herrscht Einigkeit darüber, dass die 4. große wirtschaftliche Revolution kommen wird. Die Frage ist wann - Probleme wie das der Datensicherheit werden länger brauchen um gelöst zu werden.

Auch steht nicht zur Frage, das 4.0 den Mensch als Arbeitskraft nicht abschaffen wird, sondern lediglich höher qualifiziertes Fachpersonal gebraucht werden wird, um diese hochtechnologisierten digitalen Systeme strategisch zu bedienen.

Hier kann man auch Googles „Self-driving-Car" eingliedern - schon ab dem Sommer darf dieses selbstoperierende Gefährt auf den Straßen fahren, dennoch aber erst einmal nur mit Auflagen. Die Frage wird erst einmal sein, wie sich das Auto in den bestehenden Verkehr anpassen wird, und wie es dann um die Sicherheit bestellt ist.

Das hochautomatisierte Fahren wird einen weiteren Meilenstein in der Technik darstellen - und wird sich auch in die Arbeitswelt der Zukunft auswirken.

Zwei Aspekte wirken jedenfalls schon heute auf die Automobilhersteller ein: Immer mehr wird das Auto zum fahrenden Computer. Hard- und Software nehmen einen erheblichen Anteil an der Wertschöpfungskette ein.

Selbst einen der letzten Domänen der Fahrzeughersteller - der Motorenbau - bekommt mit der E-Mobility Konkurrenz von „außen". Motorenbauer für das Fahrzeug heißen heute auch z.B. Siemens.

Und komplett andere Branchen drängen in den Fahrzeugbau, wie eben Google, oder auch Apple im Bereich der autonom fahrenden Autos der Zukunft. Aber auch die klassischen OEM bleiben am Ball. Daimler etwa testet in den USA schon selbstfahrende (Fracht-)LKWs auf Nevadas öffentlichen Straßen.

Für die Zukunft der Arbeitswelt wird auch die Frage der Mitarbeitererhaltung entscheidend sein.

Der Standort ist hier entscheidend - früher wurde dieser nicht unbedingt geplant, und heute ist dieser Status Quo leider noch immer präsent.

Unternehmen entstanden oft in dem Ort, aus dem der Gründer stammte, also nicht zwingend in einem Ballungsgebiet sondern in weniger besiedelten, eher ländlicheren Regionen, dies besonders (aber nicht nur) bei mittelständischen Firmen.

Die Personalbeschaffung und Mitarbeitererhaltung hier gestaltet sich immer mehr zu einer schweren bis unlösbaren Aufgabe. Gehalt, Herausforderung und Unternehmen sind nicht immer genug, um Fach- und Führungskräfte anzulocken oder weiter zu begeistern. Die Verlagerung des Lebensmittelpunktes ist fast immer keine Option - Pendeln am Wochenende, gerade mit Familie, kann nur eine Übergangslösung sein.

In Sachen Mitarbeitergewinnung und damit auch Vorstellungsgesprächen kommt eine weitere Neuheit immer stärker ins Rollen: eine Software, die von einem Unternehmen namens Psyware entwickelt wurde, soll in Zukunft maßgeblich bei der Auswahl und Einschätzung von Bewerbern helfen.

Bei einer Sprachaufzeichnung wird ein genaues Persönlichkeitsdiagramm und -profil erstellt, was noch dazu sehr akkurat ist und die Arbeit von Psychologen und Linguisten sehr viel schneller erledigt. Objektive Messergebnisse werden so von der Software geliefert - Accor und IBM nutzen sie schon. Für Privatleute wird sie nicht zu kaufen sein.

Kreative Lösungsansätze sind also gefragt, um in Zukunft nicht ins Hintertreffen zu geraten und ausreichend Fachkräfte für das Unternehmen zu bekommen. Themen wie Work-Life-Balance stehen heute mehr im Vordergrund.

Ein echter Pionier in diesem Gebiet ist das innovative Google. Der Arbeitsplatz wird fast zum eigenen Wohnzimmer: Bequeme, bunte Inneneinrichtung, Massagesessel, Snacks, außerdem Shuttle Services und ergonomische Bürogerätschaften gehören für die Mitarbeiter zum Standard - auch deswegen wurde Google von Forbes zu den weltweit besten Unternehmen für die Work-Life-Balance ernannt.

Auch das Home Office ist ein beliebter Punkt - vor allem in den letzten 5 Jahren hat sich das Home Office zu einer viel angebotenen Alternative entwickelt. Auch die Yahoo Entscheidung, das Home Office für die Mitarbeiter abzuschaffen, wird den Siegeszug wohl kaum aufhalten. Besonders die großen Unternehmen bieten das Home Office verstärkt an.

In den Führungsetagen der Unternehmen nahm und nimmt mit der zunehmenden Technologisierung das Burn-Out-Syndrom mehr und mehr zu.

Durch die ständige Erreichbarkeit durch etwa das Diensthandy das nie stillsteht und einen stetigen Emailfluss auch nach regulären Arbeitszeiten verwundert dies wenig - hier muss und wird ein Umdenken stattfinden, um die Zukunft der Arbeitswelt gesundheitlich besser zu gestalten.

Auch und besonders die Führungskräfte sind nur so produktiv! Kreative, neue und moderne Lösungsansätze und Modelle sind also gefordert.

Die führenden Konzerne und Unternehmen weltweit haben hier schon entscheidende und große Schritte gemacht.

Eigentlich liegen mögliche Modelle und Auswege auf der Hand - von Arbeitskonten (der flexiblen Ansammlung von Arbeitsstunden), Sabbaticals, Kinderstätten im Betrieb bis hin zu Wellness und Gesundheitsprogrammen am Arbeitsplatz müssen Durchbrüche stattfinden.

Solche Modelle werden für die Zukunft der Arbeitswelt überlebenswichtig sein, um das Privatleben und die Familie mit dem Job in Einklang zu bringen, wo momentan oft noch Dissonanz herrscht. Auch für die Mitarbeiterwerbung und -erhaltung ist dies essentiell.


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