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10/10/2013 05:11 CEST | Aktualisiert 10/12/2013 06:12 CET

Guten Tag Arbeitsmarktpolitik!

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Einunddreißig Cent entspricht derzeit eine halbe Kugel Eis pro Stunde. Oder ein Brot, ohne Vollkorn - pro Tag.

Welch ein Schachzug so kurz vor der Wahl: der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gibt sich großzügig und spendet den Leih- und Zeitarbeitern 31 Cent Mindeststundenentgelte mehr pro Stunde. Liegt der Schnitt bis zum Neujahrsknall 2014 bei 8,19 Euro, wohlgemerkt brutto im Westen und 7,50 Euro im Osten und Berlin, steigt er nunmehr auf 8,50 Euro im Westen und 7,80 Euro im Osten an.

Der DGB und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) feiern sich. Zwei Parteien, die einander mögen - aber irgendwie doch nicht. So wird der DGB einen Teufel tun, sich mit der Politik anzulegen. Und das BMAS, unter der autoritären Führung von der Leyen, wird mit Sicherheit die eigene Zeitarbeitsmarktpolitik der Gewerkschaften nicht angreifen. Lebt das BMAS unter und mit dem Prekariat in Ruhe weiter, und die eigenen Zeitarbeitsunternehmen der Gewerkschaften haben ihr Überleben gesichert, trifft es die rund 800 000 Mitarbeitern im Niedriglohnsektor. Oftmals sind diese nicht gewerkschaftlich orientiert, so dass eine Mitsprache sozusagen ad absurdum ist.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Einunddreißig Cent entspricht derzeit eine halbe Kugel Eis pro Stunde. Oder ein Brot, ohne Vollkorn - pro Tag. Allerdings lebt der Mensch nicht vom Brot allein. Auch mit 8,50 Euro bleiben die Beschäftigten eine Art Sondermenschen. Im Vergleich zur Stammbelegschaft verdienen diese weniger und stagnieren als sekundäre Mitläufer. Vor nicht allzu langer Zeit gab es mal den Begriff „Equal Pay" - gleicher Lohn für alle innerhalb eines Betriebes. Der DGB marschierte damit noch am 1. Mai des Jahres durch die deutschen Lande. Nun scheint es, als wäre diese Forderung zum Fremdwort mutiert. Was stört mich das Gerede von gestern.

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie durch den prekären Arbeitsmarkt bleibt somit bestehen und der DGB der Schmusebär in der Politik. Und die ganz großen Optimisten in der Arbeitsmarktpolitik, zücken ihren Taschenrechner und sehen durch die rund monatlichen fünfzig Euro brutto zusätzlich eine sinkende Zahl der Aufstocker durch Hartz IV. Bingo! Zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Arbeitslosenstatistik fällt dadurch vielleicht mit 0,2 Prozentpunkten in den tiefen Fall und die Großzügigkeit legalisiert weiterhin eine Branche, die Deutschland ganz groß in Europa macht.

Nun begehren allerdings die Zeitarbeitsverbände auf und sehen sich in den abrutschenden Konkurs. Ein Vulkan bricht über sie aus und es scheint, als würden die Batterien der Taschenrechner den Mehrkosten nicht standhalten.

Das „Dagorbertische-Syndrom"

Ich nenne es das „Dagobertische-Syndrom". Den Keller voller Taler und jeder verschwindende Taler führt scheinbar zum Nervenzusammenbruch. Bereits Donald Duck litt unter dem Geiz seines Onkels. Ganz zu schweigen von Tick, Trick und Track, die Botengänge erledigten und dafür, sofern Onkel Dagobert großzügig war, einen halben Taler bekamen. Walt Disney war eindeutig seiner Zeit voraus - auch ohne Gewerkschaften. Aber wer braucht schon die Gewerkschaften, wenn eingeführt wird, was bestehen bleiben muss. Aus den drei kleinen Neffen wurden in den letzten Jahren fast eine Million Neffen und aus Dagobert wurde der DGB in Verschwisterung mit dem BMAS. Das Jahr 2016 wird neun Euro die Stunde bringen. Zwei kommende Jahre ohne Hoffnung auf positive Veränderung einer Lohngleichheit. Und so kann nur die Hoffnung bestehen, dass die Unternehmen in sich gehen und überlebensfähige Jobs schaffen. Ein Ende mit: Die Hoffnung stirbt zuletzt. In diesem Sinne wünsche ich schöne Tage.