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28/08/2015 08:05 CEST | Aktualisiert 28/08/2016 07:12 CEST

Flüchtlingsdebatte - Füllt endlich den ungenutzten Raum!

Thinkstock

Heute sah ich erneut Bilder. Bilder mit zahlreichen Flüchtlingen, die die grausame Flucht überlebten und nun zuhauf auf der Straße mitten in Europa kampieren, ja... vegetieren. Teils ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Essen, mit nur ganz wenig Wasser.

Mütter, die auf der Flucht ihre Kinder verloren haben, Frauen und Männer, die dankbar reagierten, wenn man ihnen eine helfende Hand entgegen streckte, Kinder, die trotz der zurück liegenden Horror-Flucht lächeln konnten, weil sie es in die Freiheit geschafft haben.

Ich sah NUR die Bilder, also nichts real und hautnah, und trotzdem wurde mir ganz flau im Magen. Ein heftiges Gefühl der Anteilnahme durchzog mich. Nicht nur Anteilnahme und Mitgefühl, nein.... auch fühlte ich unsagbare Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Und dann sah ich die Bilder all der Demonstranten, ich höre und sehe Worte, wie „Dreckspack", und ich frage mich, wie weit der Mensch nur sinken kann.

Dabei könnte doch alles so einfach sein.

Eine Woche ist es nun her, als ich nach fast zehn Jahren meine Familie besuchte. Mitten in Mecklenburg Vorpommern, ja, mitten in einer Stadt, wenn auch nur einem Stadtviertel. Schier erschlagen hat mich die Stille und Leere.

Was vor 10 Jahren noch voller Leben und Bewegung war, ist nun ausgestorben. Ein ganzes Einkaufscenter wirkt gespenstisch und geisterhaft, da sich ab und zu nur ein oder zwei Menschen darin verirren. Viele Verkaufsräume stehen leer.

Auf einer einst stark befahrbaren Hauptstraße fahren heute alle halbe Stunde eins/zwei Autos entlang. Ganze Wohnblöcke werden abgerissen, obwohl die Wohnungen in einem durchaus guten Zustand sind. Mieten wurden stark reduziert, um Menschen von auswärts anzulocken. Vergeblich!

Einst wohnten in diesem Stadtviertel über 10.000 Menschen. Heute nicht mal 1000.

Vielleicht spricht aus mir die Naivität, wenn ich mich frage, warum in unserem Land so ungemein viel Raum und Platz ungenutzt ist, während unzählige Menschen auf der Straße oder in engen, überfüllten Unterkünften kampieren?

Natürlich kann man den 1000 Einheimischen nicht von heute auf morgen 5000 Flüchtlinge vor die Nase setzen, ganz nach dem Motto: Friss oder Stirb! Auch muss man Mentalitäten, Religionen und die Entstehung ganzer Subkulturen im Auge behalten.

Man müsste viel Geld in Bildung und Aufklärung investieren, - auch bei den Einheimischen, die mit Sicherheit ablehnend reagieren werden. Das ist sogar verständlich, solange keine Häuser brennen und man den Hass nicht polternd hinaus schreit!

Natürlich kann es eine Zumutung sein, wenn man im heimischen Wohnbereich plötzlich selber fremd wird. Aber genau darum muss die Integration koordiniert und gut organisiert verlaufen.

Was passiert stattdessen?

Täglich kommen massenhaft Flüchtlinge nach Europa und sind zumeist sich selbst überlassen. Sie haben keine Bleibe, keine Mittel zur Verpflegung, keine Perspektive. Irgendwelche Nazis und Mitläufer randalieren herum wie King Kong im Verteidigungswahn, - ohne Sinn und Verstand. Und die Politiker tun... nichts!

Es wird Zeit zum Umdenken.

Es ist völlig egal, wie viele auf die Straße gehen, wer welche Parolen kräht, und wie trotzig man mit dem Fuß aufstampft. Wir haben es hier nicht mehr nur mit einem Flüchtlingsstrom zu tun, sondern werden Zeugen ganzer Völkerwanderungen, die man durch nichts aufhalten wird.

Darum wird es Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Und sei es auch noch so naiv, - ich kann mich nicht mit dem Gedanken arrangieren, dass im Osten Deutschlands ganze Viertel und weite Teile aussterben, während Tausende Menschen auf der Straße und in engen Räumen schlafen müssen.

Meine Bitte an die Politiker unseres Landes:

Nutzt den Raum, der da ist und beginnt zu koordinieren. Nutzt den Reichtum, um hilfreich und organisatorisch zu unterstützen. Auch die Einheimischen, die nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden dürfen. Redet mit den Menschen! Kommt endlich Eurer Verantwortung nach. Ihr habt schon viel zu lange gezögert, viel zu lange geschwiegen, viel zu lange gehadert.

Fangt auch an zu sanktionieren.

Ich bin wahrlich ein Verfechter der Demokratie und Meinungsfreiheit, aber das, was die Nazis und Mitläufer tun, überschreitet lange schon die Grenzen eben dieser Freiheit! Mit jeder einzelnen Demo, auf der es zu hetzenden Parolen kommt, werden die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten, - also werdet auch da endlich aktiv!

Oder wollt ihr eine Wiederholung dessen, was niemals wieder passieren darf? Wollt ihr die deutsche Vergangenheit, die bis heute nicht aufgearbeitet ist, neu auferstehen lassen? Seid euch nicht ZU sicher, dass das niemals wieder passieren wird. Wenn ihr noch länger zögert, werdet ihr die Wut und den Hass, der um sich greift, nicht mehr stoppen können.

Es kann doch nicht sein, dass in unserem demokratischen, freien und reichem Land so unendlich viele Menschen bestialisch angefeindet werden und so armselig kampieren müssen!

Es ist eine Schande für Deutschland, und die Verantwortung dafür tragt IHR!

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Video: In diesem traurigen Video lesen Flüchtlinge vor, was die Deutschen über Flüchtlinge denken