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15/04/2016 05:10 CEST | Aktualisiert 16/04/2017 07:12 CEST

5 Vorurteile über Kaiserschnitt-Mütter, die so nicht stimmen!

Unsere Tochter kam per Kaiserschnitt zur Welt. Nach zwei Tagen im Kreißsaal und 16 Stunden künstlich eingeleiteter Wehen ging es einfach nicht vorwärts. Das Baby musste raus.

Hier sind 5 Vorurteile, die jede Kaiserschnitt-Mutter kennt:

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"Das hast du dir bestimmt anders vorgestellt!"

Zuvor habe auch ich sie mir gewünscht: Die perfekte Geburt. Eine, wie man sie aus Hollywood-Filmen kennt: Schnell ins Krankenhaus, einmal niesen - "Hatschi" - und das Kind liegt frisch gebadet und gewickelt auf Mamas Brust. Dass die Realität im Kreißsaal anders aussieht, habe ich schnell kapiert...

Das letzte was wir Mütter nach so einer Erfahrung brauchen, ist Mitleid! Warum werden wir bedauert? Man kann eben nicht alles beeinflussen. Wenn es auf normalem Weg klappt, wunderbar. Wenn nicht, sollten wir einfach froh sein, dass wir die medizinischen Mittel haben, eine Geburt trotzdem gesund durchzustehen.

Leider wird der folgende Weg aber oft als der einzig richtige idealisiert: Eine natürliche Geburt, am besten ohne PDA und Schmerzmittel.

Und damit wären wir bei Vorurteil Nummer zwei:

"Nur auf natürliche Weise kann die Erfahrung für eine Frau und ihr Kind beglückend sein."

Ach ja? Falsch.

Auch ein Kaiserschnitt kann eine tolle Geburtserfahrung mit sich bringen. Für mich war der Eingriff nach zwei Tagen Strapazen die pure Erlösung. Ich habe keinen Schmerz mehr gespürt, war aber trotzdem bewusst dabei als unsere Tochter zur Welt kam.

Ich durfte ihre zarten Wangen unmittelbar nach der OP an meinem Gesicht spüren. Ich durfte mit ihr kuscheln und ihre kleinen Händchen halten. Es war der bis dahin schönste und emotionalste Moment in meinem Leben. Trotz Kaiserschnitt.

"Beim Kaiserschnitt erwarten dich die Schmerzen danach"

Das kann bei einigen Frauen tatsächlich so sein. Ebenso kann dieses Szenario aber auch bei einer natürlichen Geburt eintreten.

Hier ein Beispiel: Eine junge Mutter auf meiner Station konnte nach ihrer natürlichen Geburt vier Tage lang nicht aufstehen, geschweige denn zur Toilette gehen. Sie hatte furchtbare Schmerzen. Auch bei ihr verlief eben nicht alles wie im Film.

Ich dagegen habe nach 24 Stunden meinen ersten kurzen Spaziergang gewagt, trotz OP. Auch ich hatte Schmerzen, aber angefühlt haben die sich eher wie ein schlimmer Bauchmuskelkater nach intensivem Sport. Alles halb so wild.

Ich hatte einfach Glück. Das große Glück eines schmerzfreien Kaiserschnitts ohne negative Folgen. Ebenso wie andere Mütter das Glück haben, ihr Kind in kürzester Zeit und schmerzfrei auf natürliche Weise zu entbinden. Und dafür bin ich dankbar.

"Du wirst ewig mit einer Narbe herumlaufen."

Ja, das stimmt. Allerdings sieht diese Narbe dank moderner Geburtsmedizin niemand außer mir selbst. Sie ist so klein, dass man sich kaum vorstellen kann, dass an dieser Stelle ein 3010g schweres Baby raus kam.

Und wenn ich sie mir anschaue, sehe ich keine hässlichen OP-Narbe. Im Gegenteil. Ich sehe den Moment vor mir, in dem mir meine Tochter geschenkt wurde. Und ich trage diese Erinnerung voller Stolz und mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Jeden Tag. Für den Rest meines Lebens.

"Du warst einfach nicht stark genug für eine natürliche Geburt."

Übersteht man eine Knie-OP, regnet es Beistand und Zuspruch. Wenn eine Mutter, gewollt oder nicht, per Kaiserschnitt entbindet, wird dieser Wunsch häufig belächelt. Warum?

Auch eine Geburt per Kaiserschnitt verlangt einer Mutter seelische und körperliche Höchstleistungen ab. Wisst ihr eigentlich wie es sich anfühlt, wach auf einem OP-Tisch zu liegen mit dem Wissen, dass hinter dem Vorhang der eigene Körper aufgeschnitten und wieder zugenäht wird?

Manche Frauen müssen aus medizinischen Gründen währenddessen sogar in Vollnarkose versetzt werden. Sie bekommen den ersten Schrei ihres Babys gar nicht mit. Glaubt nicht, sie hätte es sich nicht anders gewünscht.

Ob auf natürlichem Weg oder per Kaiserschnitt: Alle Mamas haben eine Tapferkeitsmedaille verdient! Denn egal wie, eine Geburt ist alles andere als "bequem".

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