BLOG
07/05/2014 05:58 CEST | Aktualisiert 07/07/2014 07:12 CEST

Social Trademark als gestaltete Persönlichkeit im Netz

Sergey Nivens - Fotolia.com

Die Vorstellung vom Bild unserer Identität, wie es durch die Informationen, die wir im Netz hinterlassen, gezeichnet wird, hat bisweilen etwas Unheimliches. Dieser Eindruck verstärkt sich, je weniger Kontrolle wir über solche Vorgänge haben. Nimmt man das Unheimliche beim Wort und begreift es als das, was nicht im eigenen Heim stattfindet, dann erschreckt es uns vor allem deswegen, weil etwas nicht im geschützten Raum des Privaten, sondern vor den Augen vieler in aller Öffentlichkeit geschieht.

Versteht man Social Trademarks in diesem Zusammenhang als eine Gegenstrategie, die zielgerichtet das formt, was unserer Identität im Netz entsprechen soll, muss man sie im Verhältnis von öffentlich und privat verorten und verstehen. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob es sich um eine Einzelperson oder große Korporation handelt. Social Trademarks bedeutet demnach das bewusste, ganzheitliche Design des Webauftritts einer Persönlichkeit in all ihren Facetten. Ein Art Lebensstil im Lebensraum Social Media.

Die Rückkehr des Öffentlichen.

Im Besonderen Soziale Netzwerke und das Netz ganz allgemein erzeugen durch ihre Vernetzungsstruktur stets eine mehr oder weniger große Öffentlichkeit. Viele Missverständnisse in den Debatten rund um Datenschutz, Persönlichkeitsrechte oder geistiges Eigentum werden mit Begriffen geführt, die an der eigentlichen Problematik vorbeizielen. Oder sie beruhen auf einer Verwechslung von privater und öffentlicher Sphäre.

Dabei reicht die Geschichte dieser Verwechslung weit über die des Internets hinaus und weist bis ins 19. Jahrhundert zurück. Im Rahmen des damaligen Verständnisses von Öffentlichkeit begriff man die eigene Person in der Öffentlichkeit nicht als Privatperson. Man verkörperte vielmehr eine soziale Rolle und spielte gewissermaßen ähnlich wie ein Schauspieler in einem sozialen Spiel mit, das bestimmten Regeln folgt.

Was sich heutzutage in den sozialen Netzwerken beobachten lässt, kann man als eine massive Rückkehr eines so gearteten öffentlichen Raumes verstehen. Was bislang noch fehlt, ist die Reaktivierung des verloren gegangenen Verständnisses von uns selbst, wenn wir uns in diesem Raum bewegen. Die "Social Trademark" kann nun genau diese Funktion übernehmen, indem sie einen bewussten Gestaltungsprozess an eine Stelle setzt, die bislang weitestgehend unbesetzt blieb. Ein Rückblick in die Vergangenheit zeigt also die Chancen von Social Trademarks auf, wenn man mit Begrifflichkeiten des Spiels bzw. Schauspiels, des Künstlerischen, Kreativen und Gestalterischen arbeitet, um eine adäquate Vorstellung und Konzeption von Social Trademarks zu bekommen.

Soziale Persönlichkeit als Repräsentation.

Die Repräsentation bzw. die Avatare unserer Identitäten stehen also in einem bestimmten Abbildungsverhältnis zur Wirklichkeit. Das Verfahren dieser Abbildung ist vom ersten Moment an eines, das einer gestaltenden, verwandelnden Umformung unterliegt und in keinem 1:1 Verhältnis zur Wirklichkeit steht. Die richtige Auswahl ist bei diesem Vorgang entscheidend. Genau hierin besteht der Ansatzpunkt für die Social Trademarks, denn auch das Authentische ist beispielsweise etwas, das hergestellt und gepflegt werden muss, um eine Wirkung zu entfalten. Erst in der kontinuierlichen Gestaltung kann eine Persönlichkeit eine feste Form annehmen und zu einem Wert werden.

Social Trademark als Wert.

Begreift man die Social Trademark als eine Marke mit einem bestimmten Wert, dann ist die Rede vom Wert hier mehrdeutig: Einerseits besitzt der Wert eine ökonomische Dimension. Wie eine Aktie versinnbildlicht die Social Trademark etwas Wertvolles, das im sozialen Netz zirkulieren und an Wert gewinnen kann. Werte sind aber auf der anderen Seite auch ethischer Natur und bauen somit auf Verantwortlichkeit, Vertrauen und Respekt. Die Kombination dieser Bereiche macht die Social Trademarks zu einem wert(e)schöpfenden Prozess, der zu souveränem, selbstbestimmten, freien Handeln ermächtigt.

Jeder Mensch ist ein Künstler.

Konkret bedeutet diese Feststellung, dass mit dem neu entstehenden Bewusstsein durch den Umgang mit der digitalen Welt ein ebenso bewusster Gestaltungsprozess in Gang gesetzt werden muss. Erst so werden all die neuen Tools, die Erweiterungen der Ausdrucksmöglichkeiten darstellen, richtig zum Einsatz gebracht. Insofern können wir alle zu Künstlern werden, oder zu Designern unserer Avatare. Blogs, öffentliche Diskussionen und Statements in Social Media, via Microblogging bzw. -vlogging oder Wikis stellen wie Pinsel und Leinwand die Werkzeuge und das Medium dar, mit deren Hilfe wir zu Online-Künstlern werden.

Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile.

Der Gedanke, dass wir uns selbst gewiss als mehr begreifen würden, als die Summe aller verstreuten Informationen, die es über uns im Netz gibt, verweist auf eine Notwendigkeit von Social Trademarks: Man erhält ein Werkzeug mit Handlungsspielraum, dass uns die Möglichkeit, ein Stück Macht über das Wissen über uns selbst zu gewinnen, erlaubt. Darüber hinaus könnte man sich auf den Markenschutz berufen, wenn es um die Frage nach der Verfügbarkeit von Informationen über uns geht. Gerade entgegengesetzt zu der landläufigen Meinung, dass in der Anonymität das Maß der Freiheit gemessen wird, soll hier behauptet werden, dass das Erlangen der Deutungshoheit darüber, wie wir wahrgenommen werden, zu mehr Freiheit führt. Denn begreift man das Internet und die sozialen Netzwerke als öffentlichen Raum, der uns zum kreativen Spiel und zur künstlerischen Gestaltung unserer Persönlichkeiten auffordert, muss eben ein Mehr an Identifizierbarkeit eingefordert werden.

Könnte es schließlich eine größere Freiheit geben, als diejenige selbst zu bestimmen, wer man ist?