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11/09/2015 09:14 CEST | Aktualisiert 11/09/2016 07:12 CEST

IAA 2015 - Mehr Schein als Sein!

JULIAN STRATENSCHULTE via Getty Images

Wenn sich Kanzlerin und Wirtschaftsminister auf der Frankfurter Automobilausstellung wieder mit den Vorsitzenden der deutschen Automobilkonzerne ablichten lassen, kann man den Eindruck erlangen es sei alles in Ordnung im Autoland Deutschland. Spritsparende Modelle werden ins Scheinwerferlicht gestellt und zukunftsorientierte Prototypen dienen als Kulisse.

Als 'Leitanbieter der Elektromobilität' sieht man sich und als 'Spitze der technologischen Entwicklung'. Die Konzernchefs werden beteuern, dass sie die effizientesten Motoren bauen und die neuen Modelle wieder leichter geworden sind. Beides Tatsachen, die man nicht von der Hand weisen kann, die aber trotzdem auch näher betrachtet werden müssen.

Effizienzsteigerung der Motoren

Denn Tatsache ist auch, dass die in Deutschland verkauften Fahrzeuge nach wie vor größer, schwerer und leistungsstärker werden und damit die vorhanden Erfolge bei der Effizienzsteigerung der Motoren zu einem großen Teil wieder kompensieren. In den letzten 10 Jahren legten die Fahrzeuge kontinuierlich um durchschnittlich 50 kg und 16 PS zu.

In einer Zeit wo das Thema Klimaschutz auch im Automobilbereich bereits angekommen sein sollte. Neue Modelle werden geplant, mit über 5 Metern Länge und 2,5 Tonnen Leergewicht. Aber auch Kombis und Limousinen legen bei Gewicht und Leistung weiterhin kräftig zu. Immer schwerer und trotzdem noch sportlicher, das lässt sich nur sehr schwer mit wirklicher Effizienz vereinbaren.

Trotzdem ein gutes Gefühl

Aber die Premiumhersteller und Bundesregierung scheinen einen Weg gefunden zu haben, weiterhin große und schwere Fahrzeuge zu verkaufen und den Kundinnen und Kunden trotzdem ein gutes Gefühl zu geben. Das Zauberwort heißt Plug-in-Hybrid. Bevorteilt durch unrealistische Messverfahren suggerieren diese Sparsamkeit und Sportlichkeit in einem.

Und die Bundesregierung unterstützt den Trend, indem sie solche Fahrzeuge als Elektroauto einstuft, wenn sie nach den aktuell gültigen Messmethoden mindestens 30 Kilometer rein elektrisch fahren können. Im Realbetrieb sind mit solchen Fahrzeugen jedoch selten mehr als 20 Kilometer möglich.

Aufpreispolitik

Dabei gab' und gibt es von den deutschen Herstellern auch immer wieder wirklich sparsame und richtungweisende Modelle. Der VW Lupo 3L ist dabei wohl das bekannteste Beispiel. Aber auch der VW XL1, der BMW i3 und der Smart fortwo ed sind einige der Bespiele.

Die Aufpreispolitik vieler Hersteller lässt aber die Vermutung zu, dass solche Fahrzeuge nicht verkauft werden sollen, weil sie aufgrund einer zu wenig ambitionierten CO2-Gesetzgebung nicht verkauft werden mussten und müssen.

Wenn die Bundesregierung ihre eigenen Klimaziele ernst nimmt, braucht es also die Festlegung eines CO2-Grenzwertes für das Jahr 2025, auch um frühzeitig Planungssicherheit für die Autoindustrie zu schaffen. Noch wichtiger ist allerdings die Einführung eines neuen, realistischen Messverfahrens, das CO2 und Schadstoffe bei der realen Nutzung auf der Straße misst.

Unrealistische Verbrauchswerte

Immer unrealistischere Verbrauchswerte, die unter Ausnutzung aller juristischer Grauzonen im Labor ermittelt werden, müssen der Vergangenheit angehören; zum Schutz von Kima, Umwelt und Verbraucher.

Nähere Erläuterungen zu den angesprochenen Aspekten, sowie weitere Erkenntnisse zur Modellpolitik der deutschen Autohersteller finden sie im Gutachten 'Die Modellpolitik in der deutschen Autoindustrie: Gewicht contra Effizienz' - Download unter: www.bund.net/modellpolitik

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