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08/02/2016 12:40 CET | Aktualisiert 08/02/2017 06:12 CET

Satire: Wie und warum die bayrische Landesregierung Wladimir Putin retten und die Welt von Angela Merkel befreien will

Alexei Nikolsky via Getty Images

Die heile Welt in Münster- Süd

Ferdinand wälzte sich im Bett hin und her. Es war 2 Uhr in der Früh und gerne hätte er geschlafen. Doch von draußen drang helles Licht durch die dunklen Gardinen in sein Schlafzimmer. Sein Vermieter, Helmut Hottrecke, hatte zum Schutz seiner Zwergen-Kolonie im Garten den Lichtschutz verstärkt. Taghell war der Garten erleuchtet und wurde von Kameras bewacht.

Helmut Hottrecke wachte argwöhnisch über sein Zwergen-Volk aus Steingut und Gips, über sein Haus und sein Stadt-Viertel, die Südstadt. Er kokettierte mit dem Gedanken, sich von seinem Rechtsanwalt für das Bundesverdienst Kreuz vorschlagen zu lassen. Sein Verdienst, die erfolgreiche Bürgerwehr auf heimischem Grund.

Die Bedrohung Deutschlands, des Gartens und der Bierhumpen-Sammlung

Seinen Mietern hatte Hottrecke erklärt, Deutschland sei von außen bedroht und insbesondere sein Garten. Außerdem gehörten Haus und Garten ihm und hier schalte und walte er nach seinem Gutdünken. Sein Rechtsanwalt, Graf Theodor von Torff, hatte aufmüpfigen Mietern geschrieben, ein Aufstand sei nicht an dem, das Recht auf Beleuchtung sei Ausdruck der Gestaltungsfreiheit des Vermieters.

Der Designer über Ferdinand hatte gemeint, das könne er gut verstehen, er wolle mit seiner Bierhumpen- Sammlung auch nach Belieben umgehen können. So sei nun mal das Leben und ein Fürst oder Hausherr seien souverän. Der eine herrsche über sein Volk, der anderen über Gartenzwerge und er über seine Humpen-Sammlung.

Ferdinand hatte das alles nicht verstanden, bis zu dem Moment, wo er den Auftritt der bayrischen Delegation im Kreml in den Nachrichten gesehen hatte.

Wenn der Ede und der Wladi kuscheln

Gerührt hatte Ferdinand die Kuschel-Szene zwischen Männern betrachtet, als Ede Stoiber, vormals Bayern-Präsident, Putin beim Empfang im Kreml um den Hals gefallen war, ihm die Wangen hatte küssen wollen und dabei seitlich am Hals abgeglitten war. War das nun ein muskuläres Stottern des Ede gewesen oder ein Kontrollverlust, hervorgerufen durch Putins Luxuskörper in Miniatur, gestählt durch Eishockey, Bären Jagd und Schwulen Klatschen. Horst Seehofer hatte die Szene mit seitlich geneigten Kopf verfolgt und war sichtlich gerührt gewesen.

Vor der Presse hatte Seehofer anschließend erklärt, der Mensch zeige wahre Größe im Vergeben und Vergessen und so müsse dem Wladimir der nationale Eifer nachgesehen werden, mit der er die Krim heim ins russische Reich geführt habe. Dahoam is dahoam hatte die Schar bayrischer Wirtschaftsführer im Hintergrund gejodelt und der Ede hatte gemeint, mancher Zug führe nach Moskau und dieser habe dabei eben die Krim mitgenommen. Dieser Satz war gleich in den Ede-Edel-Wertekatalog bayrischen Lebens aufgenommen worden, verfügte er doch über viel Metapher und war völlig sinnfrei.

Bayrische Weltpolitik und der Merkel Pit-Bull-Biss

Nun sei genug gebüßt worden hatte Seehofer mit Tränen erstickter Stimme in die Kreml-Säle gerufen. Die Merkel habe sich in den russischen Bären, einem Pit-Bull gleich, verbissen und lasse nicht locker. Sie habe sich da in einen Freiheitsbegriff hineingesteigert, der direkt undemokratisch sei, wolle doch die Mehrzahl der deutschen Wirtschaft wieder gute Geschäfte mit Russland machen. Er habe nun oft genug versucht, ihr mit scharfer Stimme Einhalt zu gebieten und gefordert, den schmerzhaften Pit-Bull-Biss zu lockern. Ein bayrischer Jagdfreund habe ihm nun zum Kolben oder Schuss geraten.

Seehofer fordert die Politik mit Herz und Weltblick

Horst Seehofer war auf der Pressekonferenz danach zu Weltniveau aufgelaufen. Seine Blicke waren in die Ferne geschweift und er hatte erklärt, es zeige den Menschen mit Herz, wenn er auch mal verzeihen könne. Bomben auf Menschen in Syrien, Bomben auf Menschen in der Ukraine, ein Staatsmann müsse das einem anderen Staatsmann nachsehen können. Schließlich sei Russland eine Weltmacht und da seien eben andere Maßstäbe anzulegen. Eine Supermacht brauche superflexible Regeln. Ein evanglisches Gesangbuch helfe da nicht weiter.

Ferdinand versteht die Welt wieder

Mit großer Dankbarkeit hatte Ferdinand den Worten bayrischer Weisheit gelauscht. Er hatte verstanden, dass die Rechte eines mächtigen Staates, wie Russland, umfangreicher waren als die eines kleinen Staates oder gar eines Menschen. Er hatte begriffen, dass Staatschefs großer Staaten mit dem Maßstabe des Fürsten Machiavelli zu messen waren, also ohne jedes moralische Kalkül.

Dankbar hatte Ferdinand zu Schlaftabletten und Schlafmaske gegriffen. Jetzt machte auch der Satz des Rechtsanwaltes Sinn. Es war nicht an dem, Entscheidungen höheren Ortes verstehen zu wollen. Ferdinand seufzte und hoffte auf baldigen Schlaf oder alternativ auf das Ableben seines Vermieters.

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