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07/11/2013 06:46 CET | Aktualisiert 07/11/2013 06:46 CET

Vertrauen schafft Vertrauen - Misstrauen sät Misstrauen

Wir Deutsche haben den Vereinigten Staaten von Amerika und den Amerikanern viel zu verdanken. Sie haben Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Chance gegeben, haben zum Wiederaufbau beigetragen, unser Land in Frieden und Freiheit stark werden lassen. Sie sprachen sich nach der friedlichen Revolution in der damaligen DDR ohne Wenn und Aber für die Wiedervereinigung Deutschlands aus.

Sie haben uns vertraut - und wir ihnen. Die amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und Barak Obama genossen in Deutschland mehr Zuspruch als zu Hause. Und dann das: Der US-Geheimdienst NSA hört das Handy Angela Merkels ab. Auch der Gutwilligste kann das nicht mehr mit dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus oder die organisierte Kriminalität begründen.

Ausflüchte, Entschuldigungen, Beschwichtigungen helfen nicht mehr. Notwendig ist das Bekenntnis, dass auch in freiheitlichen Demokratien und durch demokratisch legitimierte Regierungen und bei funktionierender Gewaltenteilung Fehler, ja schwerwiegende Fehler passieren können.

Ob Deutschland und die USA nun Freunde oder Partner oder - was ich mir wünschen würde - beides zusammen sind, ändert nichts an der Richtigkeit der Aussage: Freunde hört man nicht ab, Partner übrigens auch nicht. Vertrauen schafft Vertrauen und Misstrauen sät Misstrauen. Das Ausspähen der deutschen Kanzlerin irritiert vor allem die amerikafreundlichen Deutschen. Es schadet letztlich vor allem amerikanischen Interessen und dem Ansehen des amerikanischen Präsidenten.

Drei von vier Deutschen (72 Prozent laut INSA-Meinungstrend) nehmen Barak Obama nicht ab, dass er nichts davon gewusst hat, als sein Geheimdienst das Handy der deutschen Kanzlerin abhörte. Über alle Parteigrenzen hinweg, unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen, meint eine sehr große Mehrheit der Deutschen, der amerikanische Präsident habe hier nicht die Wahrheit gesagt.

Aber auch die Mehrheit kann irren. Vielleicht hat Obama die Wahrheit gesagt und wirklich nichts von der Abhöraktion gewusst? Doch was würde die Welt andererseits von einem Präsidenten halten, der nicht erfährt, dass sein Geheimdienst das Handy einer befreundeten Regierungschefin abhört? Ob er nun gelogen hat oder nicht. Von einem solch dramatischen Imageschaden wird sich wahrscheinlich auch ein Barak Obama nicht mehr erholen. Enttäuschung wirkt nachhaltig.

INSA-CONSULERE