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15/03/2014 08:24 CET | Aktualisiert 14/05/2014 07:12 CEST

Teilzeit für Frauen - Honigspur in die Karrierefalle

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, leider immer noch ein Thema! Equal Pay Day (EPD) heißt der Tag, zu dem Deutschlands Frauen (und hoffentlich auch immer mehr Männer) am 21. März 2014 aufrufen. Feiern können wir diesen Tag leider nicht, denn er brandmarkt jedes Jahr den Preisunterschied in der Arbeit von Männern und Frauen. Entgeltungleichheit heißt das sperrige Wort dafür. Der EPD markiert symbolisch den Zeitraum im Jahr, in dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer bereits verdienen. 22% des Jahres entsprechen 80 Tagen Das ergibt den 21. März. Nochmal ganz klar: Deutschlands Frauen hinken um rund 22 Prozent hinter den Männern her.

In diesem Jahr hat der BPW Germany (Business and Professional Women) für den Equal Pay Day, der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wird, und an dem viele andere Organisationen mit Aktionen auf das Thema aufmerksam machen, das Motto „...und raus bist du? Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen" gewählt.

„Erwerbspause" - das ist der Berufs-Knick, der allzu oft für Frauen mit der Geburt des ersten Kindes kommt. Bis dahin galt: Mädchen haben durchschnittlich bessere Noten in der Schule, machen gute Abschlüsse, auch an den Universitäten. Einer der schönsten Sätze, den ich in einem Arbeitszeugnis las, hieß: „Sie war nie so gut wie ein Mann. Sie war fast immer besser." Das Besondere an all den guten Frauen: Sie stehen nicht gegen die Männer, sie wollen mit ihnen zusammen Lohn- und Gehaltsgerechtigkeit erreichen.

Teilzeitarbeit und Minijobs werden als Zusatzverdienst gern genommen von jungen Müttern, aber die Verlockung wird allzu leicht zu einer süßen Honigspur in eine böse Falle. Berufsrückkehrerinnen finden selten genug wieder einen Aufstiegsweg im Arbeitsmarkt, weil er ihnen schwer gemacht wird. Teilzeitarbeit oder Minijob werden für sie auf Dauer zur beruflichen Sackgasse. Das zieht sich dann hinein bis in die Rente - bewusst scharf formuliert bedeutet das: Babys machen Mütter im Alter arm.

Das lässt und muss sich ändern, gemeinsam mit den Männern und dem Staat. Er kann es sich auf Sicht nicht leisten, die Klugheit so vieler Köpfe ungenutzt zu lassen. Schließlich belegen Studien, dass „Mixed Leadership", die Ergänzung von Mann und Frau in Teams, ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, dass solche Betriebe innovativer sind und mehr Gewinne erwirtschaften. Das ist wie Yin und Yang. Equal Pay ist also auch für die Männer von großem Vorteil, im Betrieb und zuhause. Denn da könnte sich die Verantwortung für die finanzielle Absicherung der Familie auf zwei möglichst starke Schultern verteilen. In der heutigen Zeit mit ihren häufigen Jobwechseln ist das noch wichtiger als in den alten Zeiten, in denen man vom Schulabschluss bis zur Rente treu in einer Firma arbeiten konnte.

Emotional, aber trotzdem sachlich, bringt es auch die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles auf unserer Homepage auf den Punkt: „Für meine Tochter muss es selbstverständlich sein, so viel zu verdienen wie ein Mann, wenn sie erwachsen ist und im Beruf steht. Wir als Gesetzgeber müssen mit einem Entgeltgleichheitsgesetz dafür sorgen, dass die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern endlich auch in der Praxis durchgesetzt wird."

Eine große Unterstützung erwarte ich auch von unserer neuen Bundesministerin Manuela Schwesig. Mit ihr hoffen wir die politisch starke Partnerin zu haben, die wir brauchen, denn sie hat explizit gleiche Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für Männer und Frauen eingefordert und die Beseitigung der Lohnungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zur Chefsache gemacht.

Außerdem erklärte zum diesjährigen Weltfrauentag am 8. März Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, dass er den verfassungsrechtlichen Auftrag der tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern schnell in die Tat umsetzen will: „Wir machen gesellschaftlich und volkswirtschaftlich einen großen Fehler, wenn wir hoch qualifizierten Frauen den Weg nach ganz oben versperren!"