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11/12/2015 10:57 CET | Aktualisiert 11/12/2016 06:12 CET

Gemeinsam entscheiden: So funktioniert Politik in Norddeutschland

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Kompromiss zugunsten von Mensch, Umwelt und Wirtschaft gelungen

Als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Celle-Uelzen liegt mir unsere Heimat in Norddeutschland besonders am Herzen. Deswegen bin ich froh, dass es gelungen ist, im Rahmen des Dialogforums Schiene Nord (DSN) einen mit deutlicher Mehrheit akzeptierten Kompromiss für den steigenden Schienengüterverkehr zwischen Hamburg, Bremen und Hannover zu schließen.

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Der erfolgreiche Dialog zwischen den Bürgerinitiativen, kommunalen Vertretern und Verkehrsfachleuten stellt einen Meilenstein bei der Planung von Großprojekten in Deutschland dar und wird als Muster für weitere Großprojekte dienen.

Konstruktive Bürgerinitiativen

Zum Ergebnis haben insbesondere die sehr konstruktiv arbeitenden Bürgerinitiativen innerhalb eines dreiviertel Jahres beigetragen. Zuvor kamen die Planungen für mehr Schienenkapazitäten drei Jahrzehnte nicht voran.

Gegen die ursprünglich geplante Neubaustrecke, die sogenannte „Y-Trasse", die zunächst für den schnellen Personenverkehr gedacht war, regte sich erbitterter Widerstand. Auch mit dem veränderten Fokus auf den wachsenden Bedarf für Güterverkehr wurde er nicht weniger.

Jetzt kam es zu einer fachlich fundierten Einigung auf den Ausbau vorhandener Schienenwege. Das Land Niedersachsen, das das Dialogforum nach Absprache mit dem Bund und der Deutschen Bahn ins Leben gerufen hat, verfolgt jetzt ebenso wie die beiden anderen Beteiligten ausschließlich den gemeinsam erarbeiteten, von der Deutschen Bahn als erweiterte Alpha-Variante bezeichneten Ausbau.

Dies bedeutet eine Kehrtwende gegenüber bisherigen Planungen. Im Kern ist eine Verteilung der Verkehre schon bei den Seehäfen vorgesehen, denn diese Häfen stellen als Einfallstore des internationalen Warenaustauschs die Wachstumsmotoren des Gütertransports dar. So geht die Verkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums für das Jahr 2030 von einem Anwachsen des Schienengüterverkehrs um ca. 43 Prozent aus, im Hafenhinterland liegt er weit höher.

Engpässe müssen entlastet werden

Die Bürgerinitiativen haben erkannt, dass insbesondere die Engpässe wie der Raum Hannover/Lehrte und Bremen entlastet werden müssen, um dem künftigen Bedarf gerecht zu werden. Dabei ist eine Ableitung des Schienengüterfernverkehrs Richtung Südosteuropa bereits bei Hamburg oder über die sogenannte „Amerikalinie" Uelzen-Stendal von zentraler Bedeutung.

Um aber auch Wilhelmshafen und Bremerhaven anzubinden, wird die westliche Amerikalinie zwischen Langwedel bei Bremen und Uelzen ebenfalls stärker genutzt. Sie wird elektrifiziert und es werden Begegnungsabschnitte eingerichtet.

Zwischen Nienburg und Neustadt am Rübenberge wird eine sogenannte „Blockverdichtung" eine schnellere Zugtaktung erlauben. Zwischen Bremen, Osnabrück und Münster sind noch Kapazitäten frei. Dennoch gehört zu dem Konzept, dass auch einige Abschnitte ausgebaut werden: Zwischen Lüneburg und Uelzen ist ein drittes Gleis erforderlich, ein zweites Gleis zwischen Uelzen und Stendal sowie zwischen Rotenburg/W. und Verden.

Die Kommunen haben zugestimmt

Der geplante Ausbau der Bahntrassen in Norddeutschland ist wirtschaftlich und abschnittsweise durchführbar. Gerade der zweite Punkt unterscheidet ihn von jeglichem Neubau. Zudem wird die Landschaft - Natur- und Kulturräume - nicht neu zerschnitten.

Selbst die Kommunen an den zukünftig stärker genutzten Trassen haben in der Mehrzahl diesem Konzept zugestimmt. Allerdings ist der bestmögliche Lärmschutz eine Voraussetzung. Damit soll die Belastung trotz erhöhten Verkehrs auch gegenüber dem aktuellen Stand vermindert werden.

Ich bin den Bürgerinitiativen für ihr großes Engagement sehr dankbar. Sie haben sich nicht nur ebenso wie ich für den Schutz unserer Heimat und einer gerechten Lastenverteilung eingesetzt, sondern auch eine ausgezeichnete, konstruktive Arbeit geleistet.

Jetzt müssen die entsprechenden Zusagen von Vertretern der Bahn, des Landes und des Bundes umgesetzt werden. Diesen Prozess werden Vertreter der Initiativen in einem Beirat aktiv begleiten. Ich werde weiterhin meinen politischen Beitrag dazu leisten.

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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