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11/11/2015 07:43 CET | Aktualisiert 11/11/2016 06:12 CET

Ostukraine: Separatisten werden von russischen Spezialeinheiten unterstützt

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Das folgende Interview ist ein exklusiver Auszug aus dem Buch "Separatismus und Geostrategie: Der Protostaat als Werkzeug" von Henning Lindhoff.

Jürgen Roth, Jahrgang 1945, veröffentlicht seit 1971 Bücher und Fernsehdokumentationen über die organisierte Kriminalität mit Schwerpunkt Osteuropa, Deutschland und den internationalen Terrorismus.

Lindhoff: Herr Roth, in Ihrem aktuellen Buch „Verschlusssache S." berichten Sie über den verheerenden Flugzeugabsturz von Smolensk und wie dieser aktiv von der russischen Regierung Präsident Putins herbeigeführt worden ist. Haben Sie Anlass zur Vermutung, dass sich Putin genauso in die Angelegenheiten anderer westlich orientierter Staaten einmischt?

Roth: Wladimir Putin wird sich nur in Ausnahmefällen direkt in die Angelegenheiten anderer westlich orientierter Staaten einmischen. Er hat dazu seine Freunde im FSB oder GRU. Sie kennen die Feinde von Putin sehr genau und exekutieren dann das, was ihrer Meinung nach im Interesse von Putin sei. Dafür gibt es in der Vergangenheit genügend konkrete Vorfälle. Und seine Strohleute versuchen natürlich, insbesondere über die Medien und Geschäftskontakte, die Stimme Putins zu verstärken. Das zeigt sich in Bulgarien genauso wie in Deutschland oder Österreich.

Lindhoff: Erkennen Sie bestimmte Muster im außenpolitischen Vorgehen? Welche russischen Institutionen und Persönlichkeiten sind involviert?

Roth: Das Muster ist klassisch. FSB, Steuerbehörde und GRU koordinieren ihr Vorgehen wenn es um die Durchsetzung strategischer Interessen von Putin geht, der ja gerne die alte Sowjetunion zu neuem Leben verhelfen will.

Lindhoff: Können Sie im aktuellen Fall des Ukraine-Konflikts ein Eingreifen durch den russischen Staat erkennen? Sehen Sie auch hier die oben beschriebenen Muster?

Roth: Natürlich, wenn nichts erkennbar ist, dann ist es die Intervention russischer Institutionen, insbesondere des FSB in dem Krieg gegen die ukrainische Unabhängigkeit. Verdeckte militärische Operationen, personelle und logistische Unterstützung der prorussischen Separatisten und ein Propagandakrieg, der bislang einmalig ist. Das zeigt sich jetzt im Zusammenhang mit dem Absturz der MH17 im Sommer 2014. Ohne logistische Unterstützung russischer Experten hätten die prorussischen Rebellen niemals die Raketen abfeuern können.

Lindhoff: Was halten Sie von der These, die anscheinend friedfertigen Sezessionisten in der Ostukraine würden aktiv von russischen Behörden unterstützt? Wo sehen sie den Beginn der Unterstützung? Gäbe es den ostukrainischen Separatismus womöglich gar nicht ohne russischen Einfluss?

Roth: Dass sie von russischen Spezialeinheiten unterstützt wurden und werden, von der Besetzung der Krim bis zur Eroberung großer Teile der Ostukraine, ist inzwischen gesichert. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ohne russische militärische und personelle Unterstützung die Eroberung der Ostukraine nicht möglich gewesen wäre. Immerhin darf man ja nicht vergessen, dass der abgesetzte Präsident Janukowitsch aus der Ostukraine kommt, ebenso die mächtigsten Oligarchen. Sie haben die Ostukraine ausgebeutet und keinerlei soziale Infrastrukturmaßnahmen getätigt.

Lindhoff: Welche Rolle spielt die Migrationspolitik der Sowjets während des Kalten Krieges? Wurden womöglich ganz gezielt Russen in der Ostukraine angesiedelt, um Jahre später sezessionistische Bewegungen initiieren zu können? Ist dies Teil einer Langzeitstrategie?

Roth: Nein, das glaube ich nicht. Tatsache ist, dass die meisten ukrainischen Präsidenten, mit einer einzigen Ausnahme, ihren Ursprung in der Ostukraine hatten und dort mit teilweise kriminellen Methoden ihre Macht gesichert hatten. Da spielte Russland keine große Rolle, außer als Absatzmarkt.

Lindhoff: Herr Roth, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch.

Waffen für die IRA +++ Unterstützung der ETA +++ Bürgerkrieg in der Ostukraine +++ Haben russische Geheimdienste ihre Hände im Spiel?

Inklusive Interviews mit Jeffrey Richard Nyquist, Boris Chykulay, Boris Reitschuster, Jürgen Roth und Torsten Mann.

„Ein Autor, der sauber recherchiert, einleuchtend argumentiert und flott schreibt. Man wird sich Henning Lindhoff merken müssen."

- Bruno Bandulet, ehem. Chef vom Dienst bei „Die Welt" -

Das Buch „Separatismus und Geostrategie: Der Protostaat als Werkzeug" ist hier erhältlich.

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