BLOG
11/03/2016 10:25 CET | Aktualisiert 12/03/2017 06:12 CET

Nacken- und Kiefermuskeln sind Stressmuskeln

Rob Gage via Getty Images

Wer kennt das nicht: Nach einem langen, arbeitsreichen Tag schmerzt der Nacken, die Schultern sind verspannt, und leichte Kopfschmerzen kündigen sich an. Eine Nackenmassage wäre jetzt gut. Unwillkürlich bewegen wir den Kopf hin und her und rollen die Schultern - und bei jeder Bewegung spüren wir, wie verhärtet die Muskeln sind.

Das ist kein Wunder, denn die Schulter- und Nackenmuskeln reagieren besonders schnell und stark auf Stress und Anspannung. Und was viele nicht wissen: Auch die Kiefermuskeln antworten mit Verspannungen auf zu viel Stress. Viele landläufige Sprichwörter sagen das aus: Jemand sitzt uns mit einer Forderung im Nacken, wir tragen eine Last auf den Schultern, müssen die Zähne zusammenbeißen oder uns durchbeißen.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Migräne, Gesichtsschmerzen, Schwindel oder Tinnitus

Stress verbinden wir in erster Linie mit zu viel Arbeit: Termindruck, Erfolgsdruck oder die Angst, den Job zu verlieren. Aber auch Ärger mit dem Partner, Sorge um die Kinder, Unzufriedenheit mit sich selbst, der eigenen Lebenssituation oder andere seelische Konflikte erzeugen Stress und Anspannung. Und das schlägt sich besonders häufig auf die Muskeln der Schulter-Nacken-Partie und des Kiefers nieder. Es kommt zu Schmerzen in diesem Bereich, auf lange Sicht können Migräne, Gesichtsschmerzen, Schwindel oder ein Tinnitus entstehen.

Viele Menschen knirschen mit den Zähnen und pressen die Kiefer aufeinander, vor allem nachts - und häufig, ohne dass sie es überhaupt merken. Dann werden die Zähne nicht mehr nur zu ihrem eigentlichen Zweck, der Nahrungsaufnahme, gebraucht, sondern auch zur Stressbewältigung. Das schadet zum einen der Zahnsubstanz, kann aber zusätzlich auch zu schmerzhaften Funktionseinschränkungen im Kieferbereich führen.

INFO

Kiefer unter Spannung: Normalerweise haben die Zähne in den 24 Stunden eines Tages zusammengenommen gerade einmal 30 Minuten (!) direkten Kontakt miteinander - stellen Sie sich vor, unter

welcher Spannung die Muskulatur steht, wenn Sie unbewusst allzu oft die Zähne zusammenbeißen oder nachts mit den Zähnen knirschen.

Aus Gewohnheit verspannt

Die Schulter-, Nacken- und Kaumuskeln verspannen übrigens nicht nur bei Stress, auch Fehlhaltungen, einseitige Belastung oder falsche Gewohnheiten können die Ursache sein. Viele Menschen in unserer Gesellschaft verbringen einen großen Teil des Tages sitzend am Schreibtisch. Wer viel lesen muss oder am Computer arbeitet, beugt sich dabei meist etwas vor. Darunter leidet die Halswirbelsäule mit ihren Gelenken und Muskeln Tag für Tag stundenlang.

Meist spannen wir - besonders wenn wir ein Problem zu lösen haben und uns konzentrieren - zusätzlich die kleinen Gesichtsmuskeln an: Wir kneifen die Augen zusammen, runzeln die Stirn und pressen die Kiefer aufeinander. Andere Menschen machen während ihrer Arbeit immer wieder dieselbe Armbewegung oder arbeiten in einer ungünstigen - unphysiologischen - Haltung. Friseure, Kassiererinnen, Zahnärzte - die Liste der Berufe ist lang und zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten.

Es gibt keine Muskelgruppe, die empfindlicher auf inneren oder äußeren Druck, auf Fehlbelastung und Bewegungsmangel reagiert als die Muskulatur im Nacken, in den Schultern und im Gesicht. Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich, im Gesicht, besonders um Augen und Stirn, Kiefergelenkprobleme und andere damit assoziierte Erkrankungen wie Kopfschmerzen und Migräne, Neuralgien, Schwindel oder Tinnitus - sie alle sind auf dem Vormarsch. Das wissen Allgemeinmediziner ebenso wie Orthopäden, Zahnärzte oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte.

Entspannung lässt sich üben

Die gute Nachricht ist: Sie können selbst etwas tun, um Schulter, Nacken und Kiefergelenke zu lockern, die Muskeln zu lösen und sich wieder wohlzufühlen. Wenn Sie auch zu den bereits geplagten Menschen gehören, dann ist es höchste Zeit, etwas für sich selbst zu tun. Im Akutfall, wenn es schmerzt und der Leidensdruck am größten ist, ist meist auch die Motivation am größten.

Besser allerdings ist es, nicht erst zu warten, bis der Schmerz unerträglich wird. Fangen Sie jetzt an und nehmen Sie sich regelmäßig Zeit. Dann können die Muskeln und Gewebe, aber auch das Nervensystem die Entspannung wieder einüben. Mit der Zeit wird es Ihnen dann immer leichter fallen, in einen entspannten Zustand zurückzufinden.

Für viele Menschen sind der Stress des Alltags, falsche Haltung und einseitige Bewegung bereits zur Gewohnheit geworden - der verspannte Nacken oder ein zusammengepresster Kiefer werden als „normal"

empfunden. Oft ist das Gefühl für Entspannung, für entspannte Muskeln und eine tiefe, gelöste Atmung verloren gegangen. Mit ein paar Übungen ist das leicht erlernbar. Vom Ergebnis werden Sie überrascht sein. Entspannung bewirkt, dass wir uns wohlfühlen.

Wenn wir uns entspannen, dann richten wir unsere Aufmerksamkeit auf unseren Körper, kehren für einen

Moment der hektischen Welt den Rücken und konzentrieren uns auf uns selbst. Das setzt Energie frei, vermittelt uns Selbstvertrauen und Lebensfreude.

Es handelt sich bei diesem Blog um Auszüge aus folgendem Buch: © TRIAS Verlag, Stuttgart.

2016-03-11-1457705345-6551791-Cover_NackenundSchulternentspannen_300dpi_cmyk2.jpg

Nacken & Schultern entspannen

Verlag Thieme 2015

ISBN: 9783830482628

(...)

Anatomie: Ein Blick hinter die Kulissen

Der Mensch bildet anatomisch und funktionell, seelisch und körperlich eine Einheit. Alles gehört zusammen und alles wirkt sich aufeinander aus. Ist die Anatomie verändert, z. B. durch eine Operation oder einen Unfall, wirkt sich das auf die Funktion aus und umgekehrt genauso: Ist die Funktion gestört, kann das Veränderungen in der Anatomie hervorrufen. Unser seelisches Gleichgewicht bewirkt, dass wir uns in unserem Körper wohlfühlen, und körperliche Gesundheit wirkt sich immer auch auf unsere Psyche aus.

Eine besondere Rolle spielt die Wirbelsäule, von der Halswirbelsäule bis hinunter zum Kreuzbein. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Körpers. Daher ist eine aufrechte, entspannte Haltung so ungemein wichtig: Sie verschafft den Lungen Platz für eine tiefe Atmung, Nerven werden nicht eingeklemmt, die Blutbahnen können alle Organe ausreichend mit Nährstoffen versorgen und Abfallprodukte abtransportieren. Und nicht zuletzt sind die Muskeln maximal entspannt. Eine eingesunkene oder krumme Haltung mit Rundrücken hingegen wirkt sich auf das ganze System negativ aus, ebenso eine zu stramme, überstreckte Haltung (Flachrücken).

Achten Sie deshalb zuallererst auf Ihre Haltung und vergegenwärtigen Sie sich immer wieder die gute, lotgerechte Aufrichtung. Unser Hauptaugenmerk liegt im Bereich des Kopfes, des Nackens und der Schultern, denn dieser Bereich ist am häufigsten verspannt. Schädel, Unterkiefer, Schultergürtel, Nacken und Halswirbelsäule bilden eine funktionelle Einheit. Ist einer dieser Teile gestört, wirkt sich dies auf die anderen aus. Und umgekehrt funktioniert es genauso: Entspannen wir einen dieser Teile durch entsprechende Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen, teilen sich diese positiven Erlebnisse auch den anderen Körperteilen mit.

Es handelt sich bei diesem Blog um Auszüge aus folgendem Buch: © TRIAS Verlag, Stuttgart.

2016-03-11-1457705281-494209-Cover_Buch_EntspannungstrainingfrKieferNackenSchultern.jpg

Entspannungstraining für Kiefer, Nacken, Schultern

Verlag Thieme 2010

ISBN: 9783830435419

2016-03-11-1457705887-8164671-Cover_Hrbuch_EntspannungfuerdenKiefer_Digipac_300dpi_cmyk.jpg

Verlag Thieme 2013

Hörbuch mit ausführlichem Booklet: Gesamtlaufzeit: 66:09

ISBN: 9783830469865

2015-10-29-1446111691-9101179-Gluck2.png

Mehr Dinge, die glücklich machen, gibt es hier.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: