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02/12/2015 03:07 CET | Aktualisiert 02/12/2016 06:12 CET

Der Dschihad - der Ausweg aus Sinn- und Bedeutungslosigkeit

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Menschen müssen Sinn und Bedeutung in ihrem (Da)Sein und für ihr Leben erkennen, um nicht in Depression zu verfallen. Fehlt es daran, dann betäuben nicht wenige ihre Hoffnungslosigkeit mit Drogenkonsum und werden auf ganz unterschiedliche Art süchtig. Anderen scheint der Suizid als einziger Ausweg aus all dem Elend.

Es ist nichts Neues, dass Menschen andere Menschen im Namen ihres Glaubens abschlachten. Als Kreuzritter und/oder Eroberer fremder Kontinente haben Europäer im Nahen Osten, in Afrika und Amerika schon vor Jahrhunderten im Namen des Christentums gemordet. Heute muss Allah für diesen Missbrauch herhalten.

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Es ist ihr unzureichendes Selbstwertgefühl, das (narzisstisch gekränkte) Menschen - überall auf der Welt und auch in unserem Land - nötigt, sich Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bedeutung mit Hilfe einer Rolle zu verdienen.

Üblicherweise bietet sich dafür im Westen eine berufliche Karriere an. Macht, Geld und Ansehen ermöglichen das Selbstbewusstsein, das sich zwar nicht seiner selbst bewusst ist, dafür aber dank des damit gewonnenen Images ermöglicht, entsprechend dieser Einbildung aufzutreten.

IS schenkt Anerkennung


Menschen ohne erkennbare Perspektive in einer derart leistungsorientierten Gesellschaft bietet der Dschihad eine scheinbar großartige Möglichkeit. Als Anhänger des selbsternannten IS bekommen sie auf einen Schlag die Anerkennung und Bedeutung, die ihnen bisher versagt geblieben sind. Sie sind „Wer", man fürchtet sie, mit ihnen muss gerechnet werden. Sie haben Macht über Leben und Tod, und der mögliche Verlust des eigenen Lebens wird versüßt mit der Vorstellung, direkt bei Allah zu landen und großartig belohnt zu werden.

Außerdem bietet die Brüderschaft der selbsternannten „Gotteskrieger" - die von uns nur „Teufelskrieger" genannt werden sollten - die Gemeinschaft, in der sie sich in ihrem pervertierten Islam-Verständnis eingebunden und zugehörig fühlen können. Ganz nebenbei können in dieser Rolle auch all die erlittenen (narzisstischen) Kränkungen gerächt werden. Endlich!

Diesbezüglich gefährdet sind insbesondere junge Männer aus patriarchalischen Familienstrukturen. Schon mit der Muttermilch haben sie verinnerlicht, dass ihre Bedeutung vorrangig durch ihr Geschlecht gesichert ist. Sie waren der ersehnte Sohn, der Stolz der Eltern, als Stammhalter gewürdigt und ganz offensichtlich mehr wert als die weiblichen Familienmitglieder.

Diese frühe Anerkennung und Würdigung stellt die unbewusste Basis ihres Selbstwertgefühls. Ein dürftiges Fundament, das sich mit der Zeugung von Söhnen beweisen kann und muss, doch in der heutigen westlichen Gesellschaft keinerlei Bedeutung mehr garantiert.

Im Westen hat Männlichkeit keinen Wert


Seit der weiblichen Emanzipation gilt Männlichkeit in der westlichen Welt nicht mehr als Wert an sich. Jede/r muss sich hier ihre/seine gesellschaftliche Bedeutung mit Verhalten und Leistungen verdienen, so mit keinen bedeutenden und anerkannten Talente gepunktet werden kann. Ausgenommen sind vielleicht die Kinder, die in eine besonders privilegierte Familie mit anerkanntem Status hineingeboren wurden.

Doch so oder so, immer nehmen Sprösslinge schon während der Prägezeit (durchschnittlich die ersten 21 Monate) die Einstellung ihrer Bezugsperson/en auf und richten sich danach aus. Entweder mit Unterordnung unter die Vorgaben, oder aber mit Protest. Und begründen damit ihr unbewusstes Selbstbild und Selbstwertgefühl mit entsprechend schmaler Basis.

Die ständige Beweislast erzeugt einen ungeheuren Druck - „Burnouts" sind dadurch fast vorprogrammiert. Der Verlust des Arbeitsplatzes oder auch die Verrentung sind für Viele nicht nur ein finanzielles, sondern auch seelisches Desaster - das gewohnte Selbstwertgefühl verliert seine Begründung.

Es wäre also mehr als überfällig, allen Kindern ein sicheres Selbstwertgefühl zu ermöglichen. Nur ein Selbstwertgefühl, das seiner Bezeichnung gerecht wird, weil es im menschlichen „Selbst" begründet ist, ermöglicht die Freiheit zur Entscheidung unter Berücksichtigung der Realitäten und minimiert die Anfälligkeit für „Rattenfänger" jeder Couleur.

Islam-Prediger und NPD-Anführer


Denn es sind ja nicht nur die Prediger eines pervertierten Islams, es sind auch Anführer der NPD und anderer rechter Gruppierungen, es sind Imane, die gläubige Schiiten gegen Sunniten aufhetzen (wie das auch im mittelalterlichen Europa die Priester der katholischen Kirchen praktizierten), es sind die jüdischen Fundamentalisten oder andere religiös oder ideologisch Besessene, die die Unsicherheit junger Menschen für das eigene Macht- und Bedeutungsstreben nutzen, indem sie ihnen Partizipation versprechen und ermöglichen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar - heißt es im 1. Artikel des deutschen Grundgesetzes. Um das wirklich und möglichst von Lebensbeginn an zu verinnerlichen, braucht es entsprechende Erfahrungen. Dafür müssten Eltern/Bezugspersonen während der Prägezeit das Mensch-Sein ihres Kindes beachten, würdigen und durch „Spiegelung" bestätigen.

Nur mit ihrer Empathie = ihrem Mitgefühl kann sich ein Säugling/Kleinkind bestätigt und als Mensch mit ALLEN menschlichen Emotionen richtig und rundherum (an)erkannt erleben.

An dieser unbedingt notwendigen seelischen Entwicklungshilfe aber mangelt es weiterhin weltweit, und mit den Folgen der daraus resultierenden narzisstischen Kränkungen und ungenügender Menschlichkeit bis hin zur Unmenschlichkeit haben wir nicht nur in Paris und Syrien, sondern überall und in allen Bereichen (Ausbeutung von Menschen, Tieren, Umwelt) zu tun.

Für Eltern gibt es umfassende Lektüre zur Spiegelung- sie sollten sie nutzen. (z.B. „Hallo Mami! - Erkenne und spiegle mich! - Leseproben dazu können angefordert werden bei

heide-jurczek@freenet.de) Insbesondere Mütter haben es in der Hand, ihren Nachwuchs auf Menschlichkeit zu prägen und damit etwas wirklich Bedeutendes für die Weiterentwicklung der Menschheit zu leisten. Worauf sie dann mit Recht stolz sein können.

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