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17/12/2016 09:08 CET | Aktualisiert 18/12/2017 06:12 CET

Interview mit Juan Pablo Escobar, der Sohn von Drogenboss

Enrique Marcarian / Reuters

Juan Pablo Escobar oder besser gesagt Sebastián Marroquín ist der Sohn Pablo Escobar Gavirias', einem der bekanntesten Drogendealer aus Kolumbien und vielleicht sogar der Welt.

Er berichtet von seinen Erfahrungen in Deutschland, seinem aktuellem Buch "Pablo Escobar - In fraganti", seiner Kindheit, dem Drogenhandel, der Drogenbekämpfung und dem Drogenkrieg, den Vorwürfen von dem ehemaligen Auftragskiller des Medellinkartells „Popeye", den Friedensabkommen in seinem Land und der "Kolumbianisierung" des Konfliktes in Venezuela.

© Familie Marroquín Santos

1 - Wie viele Male warst Du in Deutschland?

R: Mehrfach! Im Jahr 1993, als die Deutschen uns abgeschoben haben wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft, also wegen gar nichts. Wir hatten als Bürger ohne Vorstrafenregister und Auflagen in unserem Herkunfsland Einreiserecht und das Recht uns frei zu bewegen.

Aber ganz offensichtlich gab die Deutsche Regierung dem Druck der Regierungen der Vereinigten Staaten und Kolumbiens nach, und hat uns sowie zwei Minderjährige und zwei Frauen, wortwörtlich unter Anwendung von Gewalt in ein Flugzeug der Lufthansa verfrachtet und uns zur Rückkehr gezwungen.

Wir warnten sie davor, dass dies den sicheren Tod für uns bedeuten würde, was für sie keine Bedeutung zu haben schien. Wir flehten um die Möglichkeit, in ein anderes Land reisen zu dürfen, aber sie haben aktiv dazu beigetragen, dass die Familie Pablo Escobars' sich dazu genötigt sah das Land zu verlassen und an einen Ort zurückzukehren, an dem uns die schlimmsten Killer der kolumbianischen Geschichte erwarten sollten.

2 - Hast Du gemischte Gefühle bezüglich des deutschen Volkes?

R: Absolut! Wir haben uns mit Deutschland auf dem Filmfestival von München versöhnt. Bei dieser Gelegenheit hat der Direktor des Festivals mit dem Mikrophon in seiner Hand, nach der Vorführung von "Los Pecados de mi Padre" vor dem Publikum im Namen des deutschen Volkes um Verzeihung gebeten, dass wir den "Wölfen zum Fraß vorgeworfen" wurden. Daraufhin ist ein lang gehegter Groll gewichen. Besser gesagt: Ich hege gegen Niemanden mehr persönlichen Groll.

Es ist weitgehend bekannt, dass ich die Konsequenzen der fehlerhaften Entscheidungen meines Vaters tragen musste und natürlich hat mein Vater viele Gesetze verletzt. Aber das gab nicht allen Ländern das Recht, die Familie Pablo Escobars' aller rechte zu enthaben. Und dies war es, was uns vorenthalten und verweigert wurde. Sie haben uns alle Rechte verweigert. Das Asylsrecht, Schutzgesuche, nichts blieb übrig.

Ich hege keinen Groll, weil ich eine friedliche Person bin. Ich habe daher gelernt, dass Versöhnung etwas wahrhaft naturgemäßes ist. Es ist etwas reales. Es ist eine Erfahrung, die ich mit vielen Familien geteilt habe, die Opfer meines Vaters geworden sind, aber auch mit denjenigen Schickaneuren, die uns Schaden zugefügt haben.

Ich stehe für Versöhnung, Verzeihung und Dialog und bin mir dem treu, weil ich es an der eigenen Haut erfahren habe. Ich hege dem deutschen Volk gegenüber keinen Groll, im Gegenteil, wir sind dazu bestimmt unsere Geschichten miteinander zu teilen und hierzu lade ich nicht nur die Jugendlichen Lateinamerikas, sondern auch Europas ein, die sicherlich Netflix schauen und nicht abwarten können sich in den nächsten Pablo Escobar zu verwandeln.

© Familie Marroquín Santos

3 - Vor etwa 23 Jahren starb Dein Vater. Trotzdem, spricht man weiter über ihn und es wird weiterhin im Zusammenhang von ihm vieles publiziert. Da gibt es einmal die TV Serien und die Veröffentlichung deines aktuellen Buches "Pablo Escobar - In fraganti - lo que mi padre nunca me contó". Warum ist diese Geschichte weiterhin so von Interesse?

Ganz einfach deswegen, weil sich traurigerweise die Gestalt meines Vaters in etwas vermeintich sehr wichtiges verwandelt hat. So etwas wie ein Referenzpunkt, was man nicht tun sollte, aber die Medien haben es ganz klar verstanden, dass die Figur Pablo Escobar auf einige Sektoren der Öffentlichkeit eine bestimmt Faszination ausübt.

Sie fühlen sich angesprochen von seinen Geschichten, den Serien, die um ihn gesponnen wurden, den Büchern, die über ihn geschrieben wurden - auch das, auf welches du anspielst. Die Veröffentlichung dieses Buch hat einen wahren Sturm ausgelöst mit einer solchen Fixierung auf jemandem der in der Unterwelt zu Gange war. Ohne Gleichen.

Ohne Zweifel hat ihn dies auf gewisse Weise zum Hauptdarsteller vieler Geschichten machen lassen, deren Teil er nicht war und mehr noch wurden um ihn herum Mythen konstruiert, was nicht zur Aufklärung und Erhellung beiträgt.

4 - Viele fragen sich nach dem Geld, den Strohmännern, den Besitztümern, den Saves

Was ist damit passiert? Wie kann es sein, dass eine der mächtigsten und reichsten Personen dieses nicht voraussehen konnte?

R: Nein, er hat daran gedacht. All jenes war so auch da. In meinem Buch, Pablo Escobar, mi Padre, kläre ich über all dies in einem Kapitel auf, welches just Deine Frage als Titel trägt: Wo ist das Geld? Um eine Antwort auf diese Ungewissheit zu finden, die mich ebenso aufwühlte , muss man ein Bewusstsein für die Extreme des Lebens entwickeln, zwischen denen sich mein Vater bewegte.

Es macht einen darauf aufmerksam, das Geld effektiv ausgeht. Die Tatsache, dass mein Vater dieses Vermögen hatte, führte dazu, dass er schnell das Zeitliche segnete. Er blieb mit den Banditen zurück, deren Untaten er bezahlte und in deren Taschen das Geld landete.

Er stand der Korruption der institutionalisierten Politik Kolumbiens gegenüber. Sie wurden mit Unsummen bestochen, nicht weniger als beim Verfassungswechsel im Jahr 1999. Mein Vater schmierte die Abgeordneten mit mehr als fünf Millionen Dollar.

Daher konnten aus dieser Perspektive gesehen die Geldmengen über die mein Vater in dieser Zeit verfügte jede staatliche Institution penetrieren und infiltrieren. Mit Gusto nahmen sie das Geld an und forderten nicht wenig. Also bahnte sich ein Krieg an und es zeichnete sich ab, dass dieser Mensch seine Tätigkeit als Drogenhändler aufgab, weil er sich in einen Krieg gegen den Staat verwickelte, wodurch sie mit seiner 'mythischen Fortuna' aufräumten.

© Familie Marroquín Santos

5 - Glaubst Du, dass der Drogenhandel der 80er und 90er mit der aktuellen Situation vergleichbar ist?

Schau, traurigerweise ist er nicht vergleichbar, aber nicht weil er sich gebessert hätte, sondern weil er sich im Gegenteil verschlimmert hat. Die Prohibition diente lediglich als Garant, um die Situation zu verschlimmern, den Anstieg der Gewalt, die Korruption, den Waffenhandel und alle illegalen Geschäfte, wie zum Beispiel die Geldwäsche und des weiteren was hierbei geschieht.

Wenn man die Zahlen vergleicht in Bezug der Drogenmengen - genauer Kokain. In Bezug auf die Menge, die heutzutage im Umlauf ist, wird klar, dass der Handel seit dem Verbot kontinuierlich wächst. Das Verbot ist der Garant für das Gedeihen des Drogenhandels und des Anstiegs von Gewalt.

6 - Angenommen man legalisiert die illegalen Drogen. Glaubst Du, dass eine völlige Legalisierung aller Drogen möglich ist, nicht nur der weichen?

R: Es ist eine Tatsache, dass ich kein politischer Fahnenträger der Entkriminalisierung von Drogen bin. Ich prangere die gesellschaftlichen Zusammenhänge an und führe unsere eigene Geschichte ans Licht und lade alle dazu ein über diese politischen Inhalte zu reflektieren und zusammen andere Wege zu finden, die es uns erlauben in Frieden zu leben.

Es ist diese essentielle Suche, nach der man streben sollte. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass es weiche oder starke Drogen geben sollte, denn wenn wir über starke Drogen sprechen wollen, so müssen wir Alkohol und Tabak mit einrechnen, wodurch heutzutage die meisten Menschen getötet werden.

Nach der Weltgesundheitsorganisation sind es viel mehr Menschen, die an den Folgen von Alkohol und Tabak sterben. Es wurden 200 000 Todesopfer in Folge von illegalen Rauschmitteln verzeichnet. Es sind aber immerhin 3.800.000 Todesopfer, die an den Folgen von des Alkohol- und Tabakkonsum sterben. Tabak und Alkohol sind legal und bringen Steuern ein.

Ich würde einem Verbot von Alkohol und Tabak als Lösung keinen Glauben schenken. Wer würde gern wieder mitansehen, wie Lucky Luciano und Al Capone in den Straßen von Chicago um sich schießen und Alkohol verteilen? Ich denke nicht, dass wir wieder in den 30ern des vorherigen Jahrhunderts leben sollten. Ich glaube, dass wir in der Realität ankommen sollten während wir unserer wichtigstes Instrument nicht außer Acht lassen: Bildung.

Wenn wir unseren Kindern keine Bildung bieten und ihnen nicht die Gefahren aufzeigen und ihnen keinen Beistand leisten einen korrekten Weg einzuschlagen, wie können wir dann von den Jugendlichen fordern, wenn sie erwachsen sind, dass sie sich der Situation entsprechend verhalten.

Ja, wir haben alles bislang tabuisiert. Wie etwas Verbotenes über das man nicht debattieren darf. Ich bin viel gereist. Ich war in Schulen unterwegs. Ich weiß nicht wie die Situation in Deutschland aussieht, aber durchweg in allen Schulen Lateinamerikas wird die Realität von Drogen ignoriert. Darüber hinaus wird in den Hinterhöfen der Schulen mit Drogen gedealt und den Kindern wird kein Bewusstsein diesbezüglich vermittelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wenn wir ihnen keine Bildung bieten, wir ihnen die Möglichkeit verwehren , dass sie einen alternativen Weg wählen, so wie ich es getan habe, da mir mein Vater Bildung bot und das bereits im frühen Alter. Mit sieben oder acht sensibilisierte er mich darauf über Drogen zu sprechen. Er half mir dabei sie zu unterscheiden. Sie wiederzuerkennen. Ihre Gefahren einzuschätzen.

Doch ich habe mich wacker geschlagen, weil ich bei vollem Bewusstsein war und informiert war, was es bedeutet in dieser Welt hineingeboren zu werden und welche Gefahren damit einhergehen. Also wenn man Vater mich nicht darüber aufgeklärt hätte, bin ich sicher, dass ich in den Teufelskreis geraten wäre und nicht überlebt hätte.

7 - Was denkst Du über die Friedensverträge und die Ergebnisse der Volksabstimmung

R: Also zunächst einmal schätze ich sehr diese Bemühungen und ich unterstütze die Bestrebungen hin zu Frieden, welche seitens Präsident Santos verwirklicht wurden. Es ist eine dringende Maßnahme für Kolumbien und alle Kolumbianer haben das Recht in Frieden zu Leben wie jeder Mensch. Die Frage klingt mir aber ein wenig komisch.

Wie kann man Kolumbien fragen ob, es Krieg oder Frieden will? So etwas fragt man nicht! Man macht Frieden! Aus und Schluss! Man fragt nicht jemanden danach, ob es zufrieden ist mit Frieden oder ob es ihm gefallen hat. Hier sprechen wir von der Beendigung eines Konfliktes von 50 Jahren unaufhörlicher Gewalt. Es geht darum den Kolumbianern Luft und Raum zu verschaffen.

Über Generationen hinweg kannten wir keinen Tag des Friedens. Er scheint, dass uns Frieden Angst macht. Traurigerweise war die Differenz zwischen denen die für das 'Nein' oder das 'Ja' abstimmten minimal und so fiel die Entscheidung auf all jene die sich der Wahl enthielten.

Damit gaben sie uns ihre Teilnahmslosigkeit zu verstehen und dass sie trotz Frieden oder Krieg arbeiten und auf der Suche nach dem Leben sind. Trotzdem glaube ich, dass man definitiv die letzte Vereinbarung unterstützen sollte und somit einen guten Weg für den Frieden ebnet.

Das kommende Abkommen, findet meine Wertschätzung und ich glaube, dass es besser ist, als das vorherige. Ich hoffe, dass es jene befriedigt, die zuvor abgeneigt waren und ich hoffe für diejenigen die für das 'Nein' anstimmten, dass es ihnen mitunter die Eingebung gibt den Frieden zu begrüßen. Und ich glaube, dass es wichtiger ist als jegliche persönliche Streiterei oder Politik.

Dies muss man im Hinterkopf behalten. Dies wäre der beste Daseinzustand für uns Kolumbianer und für die Zukunft unseres Landes. Also muss man all diese Schritte hin zum Frieden unterstützen und zwar mit der Absicht, damit die Geschichte des Krieges in Kolumbien definitiv abgeschlossen ist und sich nicht wiederholt.

8 - Was ist Deine Meinung zu Venezuela? Einige Experten befürchten eine Kolumbianisierung des Konfliktes im Nachbarland. Es gibt das „Cartel de los Soles", die Infiltration der FARC-EP, den Paramilitarismus oder dass das Volk zu den Waffen greift.

Mir bleibt dazu nichts zu sagen außer, dass ich absoluten Respekt vor den inneren Angelegenheiten eines Landes habe, wobei ich friedlich gesinnt bin. Drum lade ich sie ein unsere Geschichte, die der Kolumbianer, zu betrachten, die ihrem Volk als Beispiel dienen kann, um gleiche Fehler zu vermeiden, unter deren Konsequenzen wir noch heute bitter leiden.

Nun glaube ich, kommen auch Fragen auf, bei denen Venezuela nicht die ausschließliche Schuld trifft. Daher sage ich Dir, dass die Prohibition der Garant dafür ist, dass all diese Probleme sich grenzübergreifend ausbreiten. Die Prohibition unterscheidet nicht nach Nation oder dergleichen.

Ich erinnere mich, dass in der Vergangenheit Bolivien einer der Vorläuferstaaten war und am meisten Kokain exportierte, doch schlussendlich war Bolivien frei von Drogen. Ohne Ankündigung wurden Peru und Kolumbien überrannt.. An dem Tag an dem sie Kolumbien frei von Drogen erklären, wird Venezuela, Panama, Ecuador oder Brasilien überrannt werden.

Das heißt, dass wir uns nicht falscher Illusionen hingeben sollten, wie diejenigen die daherkommen und sagen: „Wir machen Fortschritte in der Bekämpfung des Drogenhandels", da es um uns jeden Tag schlechter steht.

Die Liste der großen Drogendealer ist vom Tisch, ob sie nun niedergestreckt, zerstückelt, mit Gewalt aufgelesen oder in die Gefängnisse eingebuchtet wurden. Alle Kartelle sind zerschlagen, aber die Droge kommt weiterhin beim Konsumenten an. Ich kann mir das nicht erklären!

Wie ist es möglich, dass wir den Krieg mit den Kartellen gewonnen haben, wobei die Droge weiterhin an ihrem Ziel ankommt und genau so viel wert ist, weil ihr Preis nicht gestiegen ist! Das einzige wozu das Verbot beigetragen hat, ist dem guten Gedeihen der Geschäfte. An jenem Tag, an dem die Prohibitionisten verstehen werden, dass sie mit dem Verbot den Drogenhändlern nur einen Gefallen tun, werden sie ihre Meinung ändern.

9 - Was geht eigentlich in den Köpfen von Politikern wie Cesar Gaviria, Barack Obama, Jimmy Carter, Fernando Henrique Cardoso vor, die während des Wahlkampfes leere Versprechungen machen, wie die Ankündigungen von Reformen?

Also mein Freund, was diesen fehlt ist Courage! Daher werde ich persönlich niemals als Präsident kandidieren und mische mich nicht in die Politik ein. Ich glaube, dass sie offensichtlich von mehreren Maschinerien eingekapselt werden, die dem Verbot dienlich sind und mehr noch aufgrund der Lust an Gewalt die hierbei generiert wird und all den Waffen, die dabei verkauft werden. Man muss Gewalt generieren , um mehr Waffen verkaufen zu können. Wir wissen allzu gut, wem es am meisten daran liegt Waffen zu verkaufen, worauf wir nicht mehr einzugehen brauchen.

Es ist, als würde man es mit einem Monstrum aufnehmen. Wenn sie ihre Machtposition aufgeben, bleiben sie weiterhin Führungspersönlichkeiten, aber tatsächlich üben sie keine spezifische Macht mehr aus. Ich denke, dass es ihnen ganz einfach an Courage und Hingabe mangelt. Sie einen sich alle, wenn sie keine Macht mehr inne haben. Also, warum nun?

Die Idee wäre gewesen, dass sie sich einen, wenn sie hier und dort abgekapselt seien. Als Kandidaten wollen sie die Legalisierung. Als Abgeordnete streben sie die Bekämpfung an. Wem wollen wir Glauben schenken? Daher brauchen wir uns auch nicht über unser Schicksal zu beschweren, da wir die falschen Entscheidungen treffen.

10 - Da gibt es noch jemanden namens Jhon Jairo Velásquez alias Popeye, der Teil des Medellín Kartells war. Er teilt auch die Kritik an der Frage zum Volksentscheid in Kolumbien. In gleicher Weise unterstützte er das "Ja" in der Hoffnung sich mit diesem Abkommen schützen zu können. Glaubst Du, dass eine Person wie Popeye für sich einen Nutzen aus den Friedensabkommen schlagen kann oder besser gesagt, dass sie ihm zu gute kommen in Form eines Aktes der Gerechtigkeit oder wäre es eher als eine Beleidigung gegen die Opfer anzusehen?

R: Weißt Du, inwiefern Abkommen für Dritte, die eine Verbindung zu meinem Vater aufrecht hielten, förderlich sind, ist meiner Meinung nach sekundär. Wenn man diesen Zusammenhang mit der Tatsache vergleicht, dass es gelungen ist fast 10 000 kampfbereite, bewaffnete und gefährliche Guerilleros zur Aufgabe der Wälder ihres Mediums, der Wälder, zu bewegen und in Erscheinung zu treten...

Es sind Menschen die für eine bewaffnete Auseinandersetzung, Entführungen, für das spurlose Verschwindenlassen von Menschen und die Bombardierung ganz Kolumbiens bereit sind. In anderen Worten glaube ich, dass die Leistung Kolumbiens diese kriegsbereiten Menschen zur Niederlegung ihrer Waffen wichtiger ist.

Also denke ich, dass es wichtiger ist als die Art und Weise ob Dritte wie er daraus Nutzen ziehen können oder nicht. Ich glaube aufrichtig daran, dass wir alle ein Recht auf eine zweite Chance haben, wie ich es Dir heute dargestellt habe. All jene, welche die Waffen hinlegen tun dies, weil sie einen wahrhaftigen Verzicht darauf tätigen. Sie kämpfen weiterhin für ihre Ideale, doch nun durch das Medium der Politik.

In diesem Sinn liegt mir nicht viel daran, Worte zu verschwenden. Es wäre sehr gut für die Kolumbianer, wenn wir es Schaffen würden, die Waffen der Guerilla auszutauschen. Es geht um das Bestreben und die Herbeiführung einer politischen Debatte, die mit Argumenten gefüllt wird, und zwar mit dem Worten mit Hinblick auf die Guerilla und die Gewalt, um die Ideen aller Teile der Gesellschaft zu verteidigen.

Ich glaube definitiv daran, dass man hiermit dem kolumbianischen Volk das Recht zur Wahl zurückgeben würde, wer die Kammern und den Kongress repräsentieren dürfe, so wie die Präsidentschaft inne haben dürfte und die Befugnisse im Zusammenhang der Volksabstimmungen. Gerade hier wird sich zeigen , wen die Kolumbianer verurteilen oder freisprechen in Bezug auf Kandidaten die Verbindungen zu Gruppierungen außerhalb des Gesetzes aufrechterhalten.

© Familie Marroquín Santos

11 - Was war die unangenehmste Frage, die man Dir im Zusammenhang deines Vaters stellte?

Just beim Beantworten der Frage bricht plötzlich die Verbindung ab. Einige Augenblicke später wird die Verbindung wieder aufgebaut. Es folgte ein ehrlicher Austausch von Lachern und er klärt mich kurz über die Hintergründe des Zusammenbruchs der Verbindung auf: „Glück gehabt". Er geht wieder auf die Frage ein und sagt...

Wenn ich ehrlich an heikle Fragen denke, glaube ich, dass es diese gegeben hat, doch lediglich in der Vergangenheit. Damit meine ich als uns als Familie die Geschichte meines Vaters nicht klar war und wir im Angstzustand versetzt waren, dass jede Antwort in diesem Zusammenhang uns mitschuldig machen könnte.

Diese unangenehmen Fragen sind wirklich verschwunden, da ich aus der Deckung gegangen bin und mit offenen Karten spiele. Ich habe es eingesehen und stehe dazu, dass mein Vater ein Drogendealer war. Er hat den Drogenterrorismus in Kolumbien nicht angezettelt, da in Wahrheit der Drogenterrorismus sich gegen die Familie Escobar richtete, wofür die Bombendetonation des 13 Januars 1988 im Mónaco Gebäude steht. Ich habe aber ein Bewusstsein dafür, dass an meinen Vater auf tausend und mehr Weisen erinnert wird. Jede hat das legitime Recht darauf.

Also glaube ich, dass diese unangenehmen Fragen der Vergangenheit angehören, als wir distanzierter und abgeneigter waren Fragen zu beantworten und uns unserer Geschichte gegenüberzustellen.

Ich lade dich aber dazu ein, mir eine unangenehme Frage zu stellen. Stell' mich auf die Probe! Der bewusste Umgang und das Erzählen meiner Geschichten ist ein wahrer Befreiungsschlag. Es war auch etwas, was uns erlaubte zu sagen: Mann, diese Familie ist unsere Bestimmung oder so ist unser Leben geschrieben.

Wir bestimmen nicht die Gewalt im inneren unserer Familie, sondern mein Vater. Und wir müssen weiterhin für die Konsequenzen seiner Entscheidungen geradestehen und mehr noch glaube ich, dass wir heute eine gewisse Haltung angenommen haben.

Wir tragen die Last der moralischen Verantwortung der kriminellen Vergehen meines Vaters und wir nähern uns mit höchstem Respekt den Opfern an und bitten sie um Verzeihung für den Schaden, den ihnen mein Vater zugefügt hat. Also glaube ich aufrichtig, dass die unangenehmen Fragen gewichen sind.

12 - Manchmal fällt es schwer zu glauben, dass so eine vereinte Familie auf die eine oder andere Art und Weise nicht Komplizen der Verbrechen seien. Nichtsdestoweniger glaube ich dass die Strafbeamten alles veranlassten, um dich zu beschuldigen.

R: Hab keinen Zweifel daran, dass die Strafbeamten all ihre Bemühungen darauf investierten und mehr noch. Nicht nur mit Hartnäckigkeit, sondern auch dort wo sie nicht konnten, kamen sie mit Anschuldigungen. Wir mussten ins Gefängnis und das nicht nur einmal.

Ich war zwei oder drei Mal im Gefängnis aufgrund der Vergehen meines Vaters. Ich kam nicht ins Gefängnis aufgrund eigener Vergehen. Klar, da versuchte man an uns das eine oder andere Exempel zu statuieren um die Funktionstüchtigkeit der Justiz herauszukehren - in Wirklichkeit allerdings blieb dadurch der gegen gesetzte Eindruck.

13 - Warum hat er dich darin verwickelt und warum unterscheidet er zwischen Juan Pablo Escobar und Sebastián Marroquín?

Im Gegenteil, wenn du die Aussagen durchschaust, bin ich nicht dermaßen involviert. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Mir scheint, dass wenn du dich von einer Person berieseln lässt, dass der Himmel sich blau oder grün färbt. Es wäre besser zu glauben, dass er weder blau noch grün ist. Du musst auf Nummer sicher gehen und Deine eigene Meinung bilden.

Es ist doch ganz klar, dass wenn jemand daherkommt und zuerst dieses und dann jenes über mich behauptet, er ein Problem mit der Wahrheit hat und es steht mir nicht zu darüber zu richten. Das stand der kolumbianischen Justiz zu und sie fällte ihr Urteil nach Gesetz. Während ein Zeuge mich an einem Ort gesehen haben soll, haben mich 25 weitere woanders gesehen.

Ich gerate durch Anschuldigung gegen mich nicht in Besorgnis, weil die Justiz bereits alles in meiner Sache veranlasst hat ohne etwas Unhinterfragbares zu erreichen. Es gab einen tiefsitzenden Hass gegen Pablo Escobar, was in unserem Falle zur Folge hatte, dass wir beim Richter oder Staatsanwalt keinen guten Eindruck hinterließen. Die unzähligen Fälle in die man uns verwickeln wollten zeigen, dass das Thema gegessen war, da die Justiz die Möglichkeit hatte uns zu richten und sie versucht es "100.000 mal".

Schlussendlich wurden wir freigesprochen vom Obersten Gerichtshof in Argentinien, der uns nicht nur wegen unseres Aufenthaltes in Argentinien unter die Lupe nahm, sondern auch die Rechtmäßigkeit unserer Eigentümer. Wir konnten jeden Dollar offenlegen. Also glaube, dass diese Dinge und Schreckgespenster der Vergangenheit angehören.

14 - Planst du Europa zu besuchen?

Ja, es ist eine Tour gemeinsam mit den verschiedenen Verlagen geplant, die sich die Rechte des Buches gesichert haben und sie haben gemeinsam dafür organisiert mich auf dieser Tour zu begleiten. Zugesagt haben bereits unter anderem Griechenland, die Türkei, Polen, Norwegen und England. Die Tour wird eventuell auf den März kommenden Jahres gelegt.

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