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17/04/2016 08:07 CEST | Aktualisiert 18/04/2017 07:12 CEST

'Spiel' als Schlüssel zu unseren Talenten

Thanasis Zovoilis via Getty Images

Viele Eltern machen es sich zur wohlgemeinten Mission, ihren Kindern bei der Entdeckung ihrer wahren Talente zu helfen. Sie suchen 'es' - das Ding, in dem ihre Kinder besonders gut sind. Das, was sie mit Leidenschaft erfüllt, ihnen Spaß macht und einen Vorsprung im späteren Leben verschafft. Kurz, ihre Bestimmung. Ihre Berufung.

"Follow your bliss" hat schon der berühmte amerikanische Mythologe und Philosoph Joseph Campbell zugesagt. "Folge deinem Glück" und du wirst ein glückliches und erfülltes Leben führen. Aber um seinem Glück zu folgen, muss man erst einmal wissen, was das eigentlich ist. Fußball, Ballett, Klavier oder Flöte? Um das herauszufinden, bieten viele Eltern ihren Kindern eine Vielzahl von Aktivitäten an und überfordern damit nicht nur sich selbst, sondern häufig auch ihre Zöglinge.

Dabei könnte es auch viel einfacher sein, findet zumindest der amerikanische Psychologe, Pionier der Spielforschung und Gründer des 'National Institute for Play', Stuart Brown. Er sagt, dass wir auf ganz natürlichem Wege erfahren könnten, wo die angeborenen Talente unserer Kinder lägen.

Wir müssten sie dazu nur beim Spielen beobachten und genau auf die Dinge achten, mit denen sie sich dabei am liebsten beschäftigen. Im Spiel - beziehungsweise in den Dingen, die uns am meisten Freude bereiten - gibt uns das Leben einen Hinweis darauf, wo unsere wahren Talente liegen.

Der ideale Lebensweg

Wie schon Campbell, geht auch Brown davon aus, dass es für jeden Menschen den einen Lebensweg gibt, der seine Seele nährt, ihn tief berührt und glücklich macht. Er sagt "... wenn Sie zurück zu Ihren frühesten [...] Kindheitserinnerungen gehen, zu dem, was Ihnen wirklich Freude bereitet hat, merken Sie, was natürlich für Sie war und wo Ihre Talente liegen." (von mir frei übersetzt.)

Oder Maria Montessori, die mit ihrem Grundsatz "Folge dem Kind" im Grunde genommen den gleichen Vorgang des Beobachtens beschreibt und schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts festgestellt hat, dass jedes Kind eine eigene Individualität und besondere Begabungen besitzt.

Genau wie Brown und Montessori, habe auch ich beobachten können, dass kleine Kinder im Spiel auf natürliche Weise zeigen, wofür sie sich interessieren und worin sie gut sind. Wenn wir ihnen genug Zeit zum Spielen geben und sie dabei genau beobachten, erhalten wir den Schlüssel zu ihren Talenten und Leidenschaften.

Das gleiche gilt auch für Erwachsene.

Wenn auch Sie sich mal wieder an Ihren Schreibtisch gefesselt fühlen und viel lieber durch den Wald rennen, schwimmen oder Fahrrad fahren würden, folgen Sie doch mal Browns Rat: Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit zurück und überlegen Sie, was Sie damals am liebsten getan haben und was Sie am glücklichsten gemacht hat. Vielleicht finden auch Sie den Schlüssel zu Ihren wahren Begabungen.

Eines sollten wir dabei jedoch beachten - und das gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen - ein Leben im Einklang mit unserem Glück bedeutet nicht unbedingt, immer den einfachsten und angenehmsten Weg zu wählen.

An dieser Stelle würde Campbells Rat häufig falsch interpretiert, so Brown. Wir dürften ihn nicht so verstehen, dass wir allem Unangenehmen und Schwierigen aus dem Weg gehen sollten. Auf dem Weg zum Glück gäbe es auch Herausforderungen und Hindernisse und wenn uns 'unser Glück' nur Spaß und Freude verschaffen würde, befänden wir uns möglicherweise auf dem falschen Wege.

Laut Campbell sei Glück manchmal eben auch mit Schmerzen verbunden. (Stuart Brown in seinem Buch Play: How it Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul'. Brown und Campbell haben übrigens über einige Jahre hinweg zusammengearbeitet.) Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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