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03/08/2015 09:41 CEST | Aktualisiert 03/08/2016 07:12 CEST

Walvis Bay: Namibias Tiefseehafen

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Walvis Bay liegt knapp 30 Km südlich von Swakopmund und ist durch eine „Traumstraße" direkt am Meer entlang verbunden. Links, bis an die Straße ran, erheben sich die gewaltigen Wanderdünen, die jeder Besucher als erstes versucht, zu erklimmen. Immerhin ragen sie bis zu 200 Meter in die Höhe.

Inzwischen bin ich nicht mehr so begeistert, die Dünen hoch zu klettern, zerstört man doch sehr viele Lebensformen, was mir so nicht bewusst war.

So richtig schlimm sind allerdings die unvernünftigen Fahrer von Quads und Buggys, die mit großer Geschwindigkeit die Dünen rauf und runter rasen und dabei unglaublichen Schaden anrichten.

Tod in der Wüste

Den Mietern von Fahrzeugen wird immer gesagt, „Leave nothing but footprints". Manchmal sind allerdings die Fußspuren schon zu viel.

Das empfindliche Ökosystem wird nur bei näherem Hinsehen sichtbar. Ein einziges Auto abseits der Piste vernichtet unzählige Lebensformen. Bodenbrüter, Echsen, Insekten und jede Menge anderer Tiere, die sich auf ihre Tarnung verlassen, werden getötet. Auch Flechten, die seit Jahrhunderten dort wachsen, werde unwiederbringlich zerstört.

Was ein solcher Fahrer in wenigen Minuten kaputt macht, braucht Jahrhunderte, bis es wieder gedeiht, wenn überhaupt.

Ich bin wirklich kein militanter Ökovertreter, aber beim Anblick solch mutwilliger Zerstörung bekomme ich einen rechten Zorn.

Zoll und Polizeikontrolle, vor dem baden

Bis zur Unabhängigkeit Namibias stand Walvis Bay unter Südafrikanischer Verwaltung. Genau zwischen Swakopmund und Walvis Bay lag eine der schönsten Badebuchten. Das war auch die einzige Stelle, wo der Benguelastrom einige hundert Meter weiter draußen vorbei fließt, wo dann das Wasser nicht 14° oder 15° Grad „warm" ist, sondern sogar bis zu 17° C.

Das verrückte war, dass wir jedes Mal eine Polizei- und Passkontrolle durchlaufen mussten. Die vielen Stempel sind in meinem Pass verewigt. Bei einem Aufenthalt von 10 Tagen hatte ich durchaus bis zu 16 Stempel in meinem Pass. Jeweils einen bei der Ein- und Ausreise.

Walvis Bay ist eigentlich weniger ein Touristenort, als vielmehr ein wirtschaftliches Zentrum. Mit seinen 60.000 Einwohnern ist Walvis Bay eine quirlige kleine Hafenstadt. Hier liegt unter anderem auch der einzige Tiefwasserhafen in ganz Namibia - selbst zwischen Kapstadt und Luanda, gibt es keinen weiteren Tiefwasserhafen.

Einem englisch-südafrikanischen System zufolge tragen die Straßen in Walvis Bay nur Zahlen. Längsstraßen heißen Streets, Querstraße werden als Roads bezeichnet.

Wanderdünen erobern alles

Die Stadt führt einen immerwährenden Kampf gegen den Sand. Die Wanderdünen verschlucken alles, wenn nicht alle Außengrundstücke durch Zäune und Sträucher geschützt werden. Lange währt die Abwehr trotzdem nicht

Neben dem modernen Hafenterminal leben die Menschen von einer florierenden Fischindustrie. Weltbekannt ist Walvis Bay auch durch die Gewinnung von hochwertigem Meersalz. Auf den Salzfeldern werden jährlich ca. 400.000 Tonnen erstklassiger Salze produziert.

Der Hafen Lüderitz im Süden, mit seiner Wassertiefe von etwa acht Metern, ist nur für kleinere Schiffe geeignet, erfahren wir von einem, der aussieht wie ein Seemann - und offensichtlich auch einer ist.

Über 160.000 Vogelarten finden hier Schutz.

In einer Lagune südlich der Stadt Walvis Bay treffen wir dann auf ein international bekanntes Vogelschutzgebiet - angeblich liegt hier einer der bedeutendsten Wattbereiche im ganzen südlichen Afrika.

Über 160.000 Vogelarten finden hier Schutz und ein Zuhause. Für über 200.000 Seeschwalben bietet das Gebiet Nahrung während ihrer Züge von und zu den antarktischen Regionen. Und etwa 70 % aller auf der Welt vorkommenden Rotband-Regenpfeifer leben ebenfalls in dieser Lagune, so wie mehr als drei Viertel aller Flamingos im südlichen Afrika suchen hier nach Nahrung, verrät uns eine Infotafel.

Die Attraktion des heutigen Tages: Mit einem gemieteten Kajak paddeln wir ein Stück durch die Lagune. Das Panorama, das sich uns bietet, ist wirklich unglaublich. Ab und an schrecken wir die Flamingos auf, und wenn sie sich zu sehr durch uns gestört fühlen, was wir tunlichst zu vermeiden suchen, erhebt sich immer wieder eine riesige rosa Wolke in den Himmel. Ein unglaublicher Anblick.

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Später machen wir uns auf die wirklich abenteuerliche Fahrt in das in etwa 40 km südlicher Entfernung liegende Sandwich Harbour. Sandwich Harbour ist eine ehemalige Bucht im Atlantik, die mit der Zeit so versandet ist, dass keine direkte Verbindung mit dem Meer mehr besteht.

Es hat sich eine etwa zehn Kilometer lange Süßwasser Lagune gebildet, die fast genauso beeindruckend ist wie die bei Walvis Bay - auch mit ebenso vielen Tieren. Das hier liegende Feuchtgebiet ist von einem dichten Schilfgürtel umgeben, der sich, wie man uns erzählt, wegen der dauernden Verschiebung der Sandmassen in seiner Lage und Ausdehnung verändert.

Ohne Erfahrung mit dem 4x4 kann man tagelang fest hängen.

Für die Fahrt wird unbedingt ein Allrad Fahrzeug benötigt. Der Verlauf der Piste ist schwer zu erkennen und man braucht viel Erfahrung, um die tiefen Weichsand Stellen zu durchfahren, ohne hängen zu bleiben. Den Rest muss man sowieso zu Fuß gehen. Hier ist es ratsam, so viel Luft aus den Reifen zu lassen, bis diese möglichst breit aufliegen und weniger einsinken. Aber nicht vergessen, sie später wieder aufzupumpen.

Walvis Bay hat eine Menge sehr guter Lokale, Restaurants und Lodges mit hervorragendem Essen. Natürlich ist es angesagt, hier Fisch zu essen. Frischer und vielfältiger geht es nicht.

Das Innere der Lagune bietet etwa einer halben Million Seevögel ein geschütztes Areal und einen idealen Lebensraum. Mit dem Boot geht es wieder hinaus in die Lagune. Heute Nacht werde ich wohl von Meer und Wasser träumen.

Die Namib ist übrigens weltweit die einzige Wüste, die direkt an ein Meer grenzt. Das bedeutet, dass es tagsüber höllisch heiß und nachts elend kalt ist.

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