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22/08/2015 15:45 CEST | Aktualisiert 22/08/2016 07:12 CEST

Vom Anglerparadies bis zur Mondlandschaft

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Auf unserem Weg nach Norden in Richtung Cape cross und zur Skelettküste, fällt auf, dass uns sehr viele Geländewagen mit Halterungen an den vorderen Stoßstangen, entgegenkommen. Die Halterungen sind für die mehrere Meter langen Angelrutengedacht, mit denen man die Schnur bis weit in den Atlantik werfen kann.

Um die Angelruten nicht in der Hand halten zu müssen, werden sie in den Halterungen an den Geländewagen fixiert, die wiederum bis dicht an das Wasser gefahren werden. Bei großen Fischen, und nur um die geht es hier, ist ganz schön viel Zug am Haken.

Nach etwa 70 Km entlang der Atlantikküste erreichen wir Hentiesbaai oder, im englischen Henties Bay genannte.

Vom Feriendomizil zur Anglerhochburg

Major Hentie van der Merwe aus Kalkfeld entdeckte 1929 eine Frischwasserquelle und verbrachte fortan hier seine Ferien. Freunde gesellten sich in den Folgejahren zu ihm. Das es hier ein Anglerparadies gab, sprach sich schnell herum und von der anfänglichen Bretterbude wurde über einen Campingplatz allmählich der Ferienort Hentiesbaai.

Heute leben hier ständig ca. 4.000 Einwohner und der Ort verfügt über alles, was eine Kleinstadt ausmacht. Sogar einen Leuchtturm gibt es hier.

Um Weihnachten und Neujahr können es auch schon mal 10.000 Menschen sein, die den Ort bevölkern. Es hat sich unter den Menschen, die der Anglerleidenschaft frönen herumgesprochen, dass sie hier ein nahezu ideales Anglerparadies vorfinden.

Die Petri Jünger waren so verwöhnt, dass sie Kabeljau oder Rotbrasse, die weniger als 20 Kg wiegen, ins Meer zurückwerfen haben. Was weniger schön ist, ab und zu werden auch Haie aus dem Wasser gezogen.

Der Amtsschimmel lässt grüßen

Inzwischen hat die neue Regierung unter anderem Gesetzesänderungen auch auf dem Angelsektor erlassen. Inzwischen sind Fische mit 20 Kg und mehr kaum noch zu fangen.

Alle Fische, unter 50cm Länge, müssen auch wieder in die See geschmissen werden und dürfen noch eine Runde wachsen. Auch wie viel Fisch man am Tag angeln darf, ist strikt begrenzt worden und pro Angel Permit ist nur 1 Angel erlaubt. Diese Reglementierung ist notwendig geworden, seit russische Trawler mit Fabrikschiffen bis direkt an die Skeleton-Küste fahren und sich einen Sch..... um die 12 Meilen Zone scheren.

Es werden derzeit vielmehr "Untermass" Fische gefischt, wobei der Naturschutz zumindest in der Saison wirklich täglich stramme und konsequente Kontrollen entlang der Küste durchführt und alle „Sünder" zahlen hohe Strafen.

Das ganze Jahr über reisen etliche Angler, auch aus Südafrika, an ja es gibt Liebhaber, die aus der ganzen Welt anreisen, besonders um die Weihnachtszeit, wenn die großen Angelwettbewerbe stattfinden.

Freunde von mir wurden selbst weit im Norden, mehr als 500 km von Swakop entfernt, immer wieder kontrolliert auf Permit, Anzahl der Angeln und Größe der Fische die in der Wanne lagen. Das geht soweit, dass es sogar verboten ist, Köpfe und Schwanz abzuschneiden, damit der Beamte immer nachmessen kann.

Ein Wüsten-Golfplatz

Im Jahre 2010 wurde bei Henties Bay ein 2 x 9 Loch Wüstengolfplatz eröffnet. Ein eigenartiger Anblick. In der gelben Wüste auf einem Par 70 Platz ein im Jahre 2011 auf vollgrüne neun Löcher umgebauter Parcours mit einer Länge von ca. 4.800 Metern.

Für Golfliebhaber gibt es erstaunlich viele Plätze, die auch sehr gut frequentiert sind.

Wir fahren zurück Richtung Swakopmund, jedoch nicht, bevor wir einen Abstecher zur Mondlandschaft gemacht haben.

Rössing Uranmine

Vom Inland kommend sieht man auf der rechten Seite die Rössing Uranminen. Ich hatte einmal eine beeindruckende Rundfahrt durch die Uranmine gemacht, die im Tagebau bis zu 300 Metern tief über ca. 25 Sohlen abgebaut wird. Hier sieht man Maschinen einer Größe die man nicht einmal als Sonderausstellung auf der Baumaschinenmesse in München zu sehen bekommt.

Mit welcher Sorglosigkeit allerdings mit der Umwelt umgegangen wird, ist erschreckend. Der Abbau erfolgt in unmittelbarer Nähe des Khan-Reviers und gehört zu den größten Uranminen der Welt.

Ich konnte einmal sehen, wie ein Schlammbecken mit Hunderttausenden von Kubikmetern belastetem Schlamm gebrochen ist und sich über viele Kilometer in Richtung Swakopmund verteilt hatte. Auch Jahre später wurden keinerlei Anstrengungen unternommen, diese Belastung zu beseitigen. Ein weiteres Problem entsteht dadurch, dass das Uran durch Sprengungen gewonnen wird. Hier werden große Mengen Staub frei, die, wenn auch nur schwach, radioaktiv sind. Zur Staubbekämpfung und für die Verarbeitung des Materials werden Unmengen an Wasser benötigt. Diese Mengen, die dem Verbrauch von Windhoek entsprechen, werden aus dem Grundwasser entnommen. Natürlich hat das weitreichende Auswirkungen auf Flora und Fauna. Allen Protesten zum Trotz unternimmt die Namibische Regierung nichts dagegen.

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Ein paar Kilometer weiter, schon fast in Sichtweite von Swakopmund, liegt auf der linken Seite die Einfahrt zur sogenannten Mondlandschaft.

Die Mondlandschaft ist vor etwa 450 Millionen Jahren entstanden, als sich der Swakop in die weichen Gesteinsschichten gegraben hatte. Dieses nahezu vegetationslose Gebiet vermittelt den Eindruck, sich auf einem fremden Planeten zu befinden. Hier lassen sich, vor allem am Nachmittag, wenn die Sonne tiefer steht, ganz hervorragende Fotos machen.

Von oben betrachtet bekommt man einen faszinierenden Ausblick auf die im Swakop Rivier gelegene Mondlandschaft. Einen Stopp rechtfertigen auch die „klingenden Steine" auf dem Weg zur Sohle. Hier handelt es sich um Steine oder Felsen, die einen extrem hohen Eisenanteil haben und, wenn man mit einem Stein dagegen schlägt, einen unterschiedlich hohen sauberen Ton erzeugen. Je nach Größe unterschiedlich. Eine schöne Geschichte.

Überleben in der Wüste dank einer kleinen Pflanze

Überall im Tal begegnet man der Nara. Die Narafrucht oder Nara-Melone, gehört zu den Kürbisgewächsen. Die Nara wächst vorwiegend in der Nähe von Trockenflüssen, wo die Wurzeln in großer Tiefe noch Wasser erreichen können. Die Früchte erreichen eine Größe von bis zu 10 Cm Durchmesser und sind bei fast allen Tieren der Wüste sehr beliebt. Die Früchte haben einen hohen Wasseranteil und ersetzen die Wasserlöcher.

Die unverdaulichen Kerne werden von den Tieren, hauptsächlich von Elefanten, ausgeschieden und können sich so verbreiten.

Eine Reise, die sich lohnt. Hier weitere Tipps.

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