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11/04/2016 08:31 CEST | Aktualisiert 12/04/2017 07:12 CEST

Ich habe mit der AfD abgeschlossen

dpa

Ich bin in zwei Phasen aus der AfD ausgestiegen. Als ich den stellvertretenden Vorsitz niedergelegt habe, war das vor allem ein innerparteilicher Warnschuss. Ich wollte unseren Mitgliedern klar machen, von welchen Leuten die Partei geführt wird - zum Beispiel von Leuten wie Marcus Pretzell und Frauke Petry.

Deren Gebaren war für mich ein klares Signal, dass sich Personen der Partei bemächtigen, die nicht davor zurückschreckten, ihre gegenseitige Abhängigkeit vor den Mitgliedern zu verschleiern und für ihre eigenen Zwecke einzusetzen.

Mein zweiter Ausstieg fand noch während des Parteitages in Essen statt. Bernd Lucke hatte vorher den "Weckruf "als Reaktion auf Björn Höckes "Patriotischer Plattform" gegründet. Wenn Lucke gewählt worden wäre, wären nicht wir, sondern die Rechten und Verwirrten aus der Partei ausgetreten.

Ich sehe mindestens drei Probleme in der AfD:

1. Den massiven Rechtsrutsch, der sich nach den Austritten der Moderaten und Vernünftigen verschärft hat. Vergessen wir nicht: Viele Rechtsaussen sind erst, und teilweise auch nur eingetreten, weil wir ausgetreten sind.

2. Die Partei hat viele gescheiterte Existenzen angezogen, die jetzt in entscheidenden Positionen sitzen. Wegen Pretzells prekärer finanzieller Lage kam die Steuerbehörde in unser Parteibüro, offensichtlich musste er sowas wie einen Offenbarungseid leisten.

Petry fuhr ihr Unternehmen an die Wand und ist jetzt auf ihr Mandat angewiesen. Gegen Poggenburg lagen laut F.A.Z. insgesamt sieben Haftbefehle vor, was ihn jetzt als Fraktionsvorsitzenden der AfD in Sachsen-Anhalt bestens qualifiziert.

3. Die Partei zog immer mehr Wirrköpfe und Anhänger wilder Verschwörungstheorien an. Die glauben etwa, die U.S.A. seien an allem Ungemach in der Welt Schuld, Alexander Gauland bezeichnete Putins Vorgehen in der Ukraine beschönigend als "Einsammeln russischer Erde", Beatrix von Storch wettert mit grotesken Argumenten gegen Freihandelsabkommen.

Insgesamt vier führende AfD-Funktionäre forderten den Einsatz von Schusswaffen gegenüber Flüchtlingen als "ultima ratio", von Storch sogar auch auf Frauen und Kinder bevor sie das Recht, auch auf grenzübertretende Kinder schießen zu dürfen, zurücknahm.

Zielscheibe von Rechtsaussen

Ich bin persönliche Angriffe, Beleidigungen und Drohungen meist von linker Seite seit Jahrzehnten gewöhnt, aber seit ich erst innerhalb und dann außerhalb der AfD auf Fehlentwicklungen in dieser Partei aufmerksam machte, wurde ich auch zur Zielscheibe von Rechtsaussen.

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Die Erfahrungen die ich dabei machte, sprengten alles, was ich bis dahin erlebt habe. Später wurden es dann auch Morddrohungen gegen meine Familie und mich ausgesprochen.

Ich habe keinen Kontakt mehr zu den genannten Personen und auch nicht zu anderen führenden AfDlern. Ich habe mit dem Kapitel abgeschlossen.

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