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09/12/2015 02:11 CET | Aktualisiert 09/12/2016 06:12 CET

Mein Brief an Mutti Merkel

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Liebe Mutti!

Erfrischend anders wäre mein jährlicher Brief an Dich ausgefallen, liebe Mutti, wären da nicht so viele Sorgen, die Deine Kinder haben. Im letzten Jahr habe ich keine Antwort von Dir bekommen, liebe Mutti.

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Das liegt vielleicht daran, dass Du so weit oben wohnst und von dort aus alles klein und unbedeutend erscheinen mag. Aber das ist es ganz bestimmt nicht, liebe Mutti. Hier unten ist nämlich wieder einmal viel passiert. Es ist ein Jammer, dass Du so schlecht hörst und siehst. Aber das wird schon wieder.

Kriege, Terror, Rechtsextremismus


Im Fernsehen wurde ganz viel über komische Menschen berichtet. Es gibt Kriege, Terror, Rechtsextremismus, Altersarmut, Hartz IV, Flüchtlinge, Skandale, Pflegenotstand, Umweltkatastrophen, Hungersnöte und so vieles mehr, liebe Mutti.

Im Fernsehen sind auch ganz viele Frauen und Männer in einem großen Gebäude mit einem Adler drauf, die komische Sachen reden, die keiner versteht. Ich sehe auch viele Männer mit Glatzen und lustigen Schnurrbärten im Fernsehen. Sind die krank, liebe Mutti?

Ansonsten ist es toll hier. Die Menschen hauen sich zwar die ganze Zeit, vertragen sich aber danach wieder - und die, die sich vorher gehauen haben, spielen jetzt zusammen. Hier ist das ganze Jahr über Karneval und Silvester. Wir haben ganz schön große Kracher und viele Raketen.

Eine tolle Sache mit der Demokratie


Es ist schon eine tolle Sache mit der Demokratie, denn wir haben ganz viel Geld, das wir auch verschenken. Allerdings war bei mir noch niemand, aber Onkel Wolfgang sagt immer, ich müsse ganz viel Geduld haben, mindestens so lange, bis ich ganz alt bin. Jetzt kann ich es kaum erwarten. Toll, was Onkel Wolfgang so alles weiß.

Ganz viele schreckliche Sachen habe ich erst gar nicht aufgeschrieben, liebe Mutti. Ach ja, Onkel Sepp sagte, er hätte nie Fußball gespielt. Darüber bin ich sehr traurig! Da war auch ein Mann mit Haus und Hof am See im Fernsehen, aber der konnte auch nicht viel zur Aufklärung beitragen, aber er bleibt dran. Viel geredet hat er. Jo mei, wenn's schee macht!

Wenn Du alles wüsstest, Du würdest Dich erschrecken und es ist besser, wenn Du nichts davon weißt. Ach Mutti, ich kann gar nicht so viel essen, wie ich (.....) möchte. Aber ich bin satt, sehr satt sogar! Du brauchst Dich also nicht zu sorgen, die Vorräte reichen für den Rest meines Lebens. Alles gut!

Stell Dir vor, liebe Mutti. Wir haben hier bei mir ganz viele Politiker, wovon einer ganz oft nach Berlin fährt. Ich sehe ihn immer in der Tageszeitung mit einer Schaufel in der Hand. Ihr müsst aber viele Schaufeln in Berlin haben. Nach was grabt ihr denn da? Ein ganz komischer Mann hat mir gesagt, in den Löchern wäre nur heiße Luft aus dem Erdinneren drin. Stimmt das?

Vielleicht komme ich ja auch bald einmal nach Berlin und schaue nach, denn ich finde es sehr spannend, wenn Leute mit so viel heißer Luft ein so großes Gebäude spielend heizen können. Du weißt ja, ich hatte ja die Gelegenheit auch einmal mitzuspielen, aber die Regeln waren so komisch. Ich sollte immer nur das sagen, was die anderen hören wollen. Ein blödes Spiel, ihr solltet die Regeln ändern!

Mir fehlt die souveräne Kaltschnäuzigkeit


Du glaubst nicht, was für komische Leute ich getroffen habe. Gut ist, dass die alle ganz toll zusammenhalten. Der Mann, der hier ganz viel Politik macht, meinte, mir fehle die souveräne Kaltschnäuzigkeit.

Das stimmt liebe Mutti, kaltschnäuzig bin ich nicht, weil ich doch so gerne Menschen helfe. Das ist ihm wohl zu sozial und nun spielt er lieber mit anderen Leuten, ist ganz böse auf mich und hat keine Zeit mehr, aber eine Schaufel hat er - und das ist toll!

Er spielt auch mit einem Mann, der mich gar nicht mag. Der verwaltet ganz viel Geld, will aber nichts davon abgeben. Er ist auch böse auf mich, weil ich souverän bin, aber nicht kaltschnäuzig. Ist das ist doof?

Vielleicht kommt Onkel Barack


Im nächsten Jahr will ich aber wieder mitspielen und hoffe, ich kann Dir vorher alles persönlich sagen, liebe Mutti. Vorher muss ich aber noch ganz schnell gesund werden. Vielleicht kommt Onkel Barack ja im nächsten Jahr auch wieder.

Er ist so ein toller Umweltschützer, weil er immer sein eigenes Auto mitbringt und auf die Fliegerei verzichtet. Onkel Wladimir ist da ganz anders, der hat ganz viele Flugzeuge. Haben wir ja auch, aber die funktionieren nicht - sagt zumindest Tante Uschi!

So, liebe Mutti, nun muss ich aber los, denn ich will mir noch „Planet der Affen" im TV ansehen. Vielleicht wohnst Du im nächsten Jahr ja wieder ein paar Stockwerke tiefer. Die Aussichten sind zwar trübe, aber dafür hört man hier viel besser.

Ich schreibe Dir im Dezember 2016 wieder, liebe Mutti.

Wir schaffen das!

Dein Hans

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