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22/04/2016 08:13 CEST | Aktualisiert 23/04/2017 07:12 CEST

Ratschläge zum Selbstfindungsabenteuer Leben

Hiroshi Watanabe via Getty Images

Cheryl Strayed, geboren 1968, landete mit ihrem autobiografischen Buch "Wild - Der große Trip" einen riesigen Erfolg, der von und mit Reese Witherspoon verfilmt wurde. Mit Der große Trip zu dir selbst (Kailash Verlag, München 2016) liegt nun eine Sammlung ihrer Ratgeberkolumnen vor, in denen sie Fragen beantwortet "zu Liebe und Sex, zu Geld und Verlust, zu Eltern und Kindererziehung, darüber, wie man schlechte Gewohnheiten ablegt, Traumata und Suchtverhalten überwindet, sich von einem gebrochenen Herzen und einer verkorksten Kindheit erholt."

Wie kommt eine zweiundvierzigjährige, geschiedene, wiederverheiratete Mutter von zwei kleinen Kindern, die von sich selber sagt, dass sie keine Ratgeberkolumnen liest, dazu, eine solche zu schreiben? Nun ja, ein Bekannter und Schriftstellerkollege hatte sie angefragt. Ja gesagt hatte sie nicht zuletzt, weil es dabei wie bei der Schriftstellerei auch darum geht, "von Grund auf auszuloten, was es heißt, ein Mensch zu sein."

Als Online-Ratgeberin sah sie ihre Aufgabe darin, den Leuten "aus der Sicht von jemandem beizustehen, der das alles selbst schon mitgemacht hat - beziehungsweise, in manchen Fällen, immer noch mitmacht." Da redet und schreibt also keine Besserwisserin oder einschlägig diplomierte Expertin, sondern eine Frau, die über viel reflektierte Erfahrung verfügt.

"Jedem meiner Beiträge lag meine feste Überzeugung zugrunde, dass die Wahrheit zwar manchmal wehtut, uns aber niemals umbringt. Genau genommen kann nur sie allein uns Erlösung bringen." Da ich das genauso sehe, habe ich Cheryl Strayeds Ausführungen mit Sympathie und Interesse gelesen.

Der große Trip zu dir selbst ist weit entfernt von der Art Ratgeber, der einem sagt, was man tun soll, damit alles auch garantiert gut werden wird. Stattdessen erzählt Cheryl Strayed Geschichten von sich, erläutert, wie sie selber mit bedrängenden Fragen umgegangen ist und bietet so die Möglichkeit zur Identifikation.

"Vertrau auf dich. Das ist Cheryls goldene Regel. Auf sich vertrauen bedeutet, das zu leben, was man als richtig erkannt hat." Und wenn man das noch nicht weiß? Dann muss man darum kämpfen. Mit Mut. "Und 'Wenn dein Mut sich dir verweigert', wie Emily Dickinson schreibt, 'geh über deinen Mut hinweg.'"

Einer Scheidungsgeschädigten (ihre Eltern haben sich scheiden lassen) rät sie, nicht ihren Emotionen nachzugeben, sondern ihr logisches Denken zu gebrauchen. "Ich glaube, es wäre hilfreich, wenn du dich im Augenblick ganz stark auf die rationale Seite stützt. Nicht, um deine Trauer auszublenden, sondern um die rechte Perspektive wiederherzustellen."

Einem Alkoholiker empfiehlt sie: "Hör auf mit dem Alkohol. Im Privaten. In Gesellschaft. Morgens. Mittags. Nachts. Und am besten für immer." Sie lässt keinen Zweifel daran, dass dies gelingen kann. Falls man dazu bereit ist, sein Leben zu ändern.

Cheryl Strayed überzeugt als Ratgeberin, weil sie aufrichtig und freimütig ist. Und ohne weiteres zugibt, viele Jahre gebraucht zu haben, um zu erkennen, dass eine Frage wie 'Was zur Hölle soll der Scheiß?' manchmal "einfach so stehen bleiben muss, wie ein einsamer Kaktus in der Wüste." Weil nämlich manche Dinge ganz einfach "durch und durch schlimm, falsch und unerklärlich sind."

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