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23/11/2015 10:43 CET | Aktualisiert 23/11/2016 06:12 CET

Das Tao des Reisens

thinkstock

Paul Theroux, geboren 1941 in Medford, Massachusetts/USA, ist vor allem durch seine Reisebücher bekannt geworden. Reisegeschichten, schreibt er im Vorwort zu Das Tao des Reisens (Atlantik bei Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2015), seien "die ältesten Geschichten der Welt, sie sind das, was der Wanderer nach seiner Heimkehr am Lagerfeuer erzählt."

Solche Geschichten sind meist "anekdotisch, amüsant, lehrreich, absurd, prahlerisch, komisch heldenhaft" und gelegentlich haarsträubend. "Im besten Fall sind sie Beispiele für das Menschlich-Allzumenschliche in unserem Leben."

Zu Beginn jeder Reise stellt sich die Frage, wohin man will und wie, also mit welchem Verkehrsmittel. Paul Theroux ist ein Eisenbahn-Fan. "Flugreisen sind immer gleich, eine Zugfahrt immer anders." Wie Prinz Charles einmal die Frage eines kanadischen Reporters, der wissen wollte, wie des Prinzen Flug nach Kanada gewesen sei, beantwortete: Sind Sie schon einmal geflogen? Als der Reporter bejahte, sagte Charles: Genau so war's.

Eisenbahnfahren ist was anderes. Ich war letzthin mit einem thailändischen Zug unterwegs und kann bestätigen, was Theroux behauptet. "Die vorüberziehende Landschaft hinterlässt bein beruhigenden Dahinrattern ebenso tiefe Eindrücke wie der Zug an sich."

Theroux berichtet in Das Tao des Reisens nicht nur von seinen eigenen Erfahrungen, er zitiert auch ausgiebig aus den Werken von anderen Autoren (von Somerset Maugham über Vladimir Nabokov zu Jan Morris). Besonders amüsant fand ich Evelyn Waughs Schilderung aus Kenia. "Doch während der Zug von der Küste ins Hochland emporschnaufte und dabei gelegentlich (genauer gesagt dreimal zwischen Mombasa und Nairobi) aus dem Gleis sprang, legte sich allmählich meine schlechte Laune."

Das Tao des Reisens bietet höchst anregende und sehr unterschiedliche Auszüge aus Reiseerzählungen von Schriftstellern. "Eine Anthologie wie die hier vorgestellte spiegelt die Lektüre und die Reisen eines ganzen Lebens wider."

Es ist dies eine ausgesprochen faszinierende Anthologie. Vor allem ist es eine, die neugierig macht. Hier ein paar Kapitelüberschriften: "Im Gehen findet sich die Lösung", "Autoren und Orte, die sie nie besuchten"; "Verheissungsvoller Name, enttäuschender Ort"; "Ängste, Neurosen und andere Zustände"; "Fünf Erleuchtungen".

Reisen ist für viele eine Leidenschaft. Und für einige ist es auch eine lebensbejahende Notwendigkeit. So schrieb etwa Anton Tschechow vor seiner Abreise nach Sibirien, 1889 war das, an einen Freund: "Ich reise nicht wegen der Eindrücke oder Beobachtungen, sondern einfach, um sechs Monate anders zu leben als bisher." Und an einen anderen Freund: "Ich muss etwas tun, um mich aufzuwecken."

Genau so geht es auch mir.

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