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21/04/2016 11:18 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 07:12 CEST

"Musik geht ins Ohr - und nicht vorbei"

Steve Prezant via Getty Images

Peter Maffay als Chefredakteur - Glückwunsch!

Auch wenn dabei natürlich eines seiner Lieblingsthemen wieder mal aufgewärmt wird: "Das Radio - und die Musik..." Warum spielen alle dasselbe? Warum werden Titel oft wiederholt? Warum hat der Nachwuchs im Radio kaum eine Chance? Was ist mit einer Quote für deutsche Musik?

Ich schätze den Maffay sehr. Straight und schnörkellos, kritisch und engagiert. Und ich glaube, er hat so viele Bewunderer, weil er seinen Fans "verlässliche" Musik bietet. Maffay eben. Nie langweilig, aber eben Maffay.

Nichts anderes machen wir Radios auch: Wir bieten unseren Hörern einen verlässlichen Musik-Mix, den sie von ihrem Sender erwarten - und nicht Kraut und Rüben durcheinander. Und ganz ehrlich: Wer geht jeden Abend immer wieder in ein anderes Restaurant und bestellt immer wieder ein anderes Gericht?

Eher ist es doch so: Wir alle haben (beispielsweise) unseren Lieblings-Italiener und ertappen uns dabei, oft unser Lieblings-Gericht zu ordern. Nicht weil wir so träge sind, sondern weil wir uns dabei gut fühlen...vertraut und kuschelig.

Das Musik-Angebot muss den Hörern "schmecken"

Von der Treue unserer Hörer leben auch die Radios, vor allem die Privatradios wie unser HIT RADIO FFH, mit 2,6 Millionen Hörern pro Tag und seit 25 Jahren der Radio-Marktführer in Hessen. Wir spielen einige hundert Titel zeitgleich, ja es gibt maximal drei Wiederholungen am Tag - und ja, wir neigen bei der Musikauswahl eher zu den bekannten Künstlern.

Weil: Wir privaten Radios müssen unser Geld zu 100 Prozent selbst über den Erfolg verdienen - während die öffentlich-rechtlichen Radio-Kollegen zu 96 Prozent ihr Einkommen sicher haben, über die Gebühren, neuerdings "Haushaltsabgabe" genannt. Wir Privaten würden den ganzen Tag tibetanische Mönchsgesänge und isländische Walrufe senden, wenn wir damit Erfolg hätten.

Unser Musik-Angebot muss nicht uns oder den Künstlern - sondern den Hörern "schmecken". Und deshalb gibt es öfter bekannte Titel als unbekannte. Und deutsche Musik je nach Angebot im Markt. Philipp Dittberner, Martika, Cro, Joris, Bourani oder DJs wie Felix Jaehn oder Robin Schulz sind auch dank Radio sehr erfolgreich geworden.

An unserem Unternehmen sind auch Künstler beteiligt. Wir sind unseren Gesellschaftern dankbar dafür, dass sie nicht ihre Lieblingstitel versuchen zu pushen - sondern wir aufgrund der Erfahrung der Radio-Macher, viel Hörer-Feedback und wöchentlicher Marktforschung "unsere" verlässliche, aber nie langweilige Musik spielen dürfen. Ohne Quote, wie früher im Osten.

Musikalische Verlässlichkeit

Wir machen uns die Musik-Auswahl nicht leicht und schieben Gegen-Argumente nicht einfach vom Tisch. Wir versuchen musikalische Verlässlichkeit "unseres Musik-Feelings" im Tagesprogramm, bieten aber auch andere Musik on air und off air: "FFH spielt alles", heißt es stets am Sonntagmittag - von Helene Fischer über AC/DC bis Namika.

In den nächsten sechs Wochen (unter anderem beim "Hessentag") präsentiert unser Sender bei Live-Konzerten so unterschiedliche Genres wie Mickie Krause, Culture Beat, DJ Felix Jaehn, Rednex und Rihanna. Und "Du" von Peter Maffay ist kürzlich auch gelaufen: bei unserem "harmony.fm" auf Platz 173 unserer (von den Hörern gewählten) „TOP 777".

Neuer Webkanal bei FFH: "FFH Brandneu" - mit nur ganz aktuellen, nie anderswo gespielten Titeln. Wir fördern Nachwuchs-Bands, bringen Künstler in die Schulen, veranstalten intime Konzerte mit Musikern, zahlen jedes Jahr Millionen an Gema und GVL für gespielte Musik...aber wir sind keine "Musik-Missionare" und können es auch durch unsere Finanzierungs-Grundlage nicht sein - siehe oben.

Ich will nicht den öffentlich-rechtlichen Kollegen Quote und Nachwuchs-Förderung alleine in die Schuhe schieben. Aber sie jagen oft noch mehr der Einschaltquote hinterher als die Privaten. Obwohl sie doch gerade unser aller Gebührengeld (immerhin gut acht Milliarden pro Jahr für Radio und TV) dafür bekommen, dass sie damit auch musikalische Dinge tun, die wir Privaten nicht finanzieren können... darüber sollten die ARD-Kollegen und die Medienpolitiker mal nachdenken.

Warum müssen von sechs hr-Radioprogrammen vier privater sein, als die Quote erlaubt?

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Für die Huffington Post Deutschland ist der 21. April ein besonderer Tag: Peter Maffay ist heute unser Chefredakteur. Er gibt Impulse, lässt Texte schreiben und wird Interviews führen.

Ein Schwerpunkt ist auch die Zukunft des Radios in Deutschland. Mit Blogs, Interviews und Kommentaren wollen wir uns dem Nebenbei-Medium kritisch auseinandersetzen.