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06/05/2014 07:36 CEST | Aktualisiert 06/07/2014 07:12 CEST

Wie ich in meinem Wohnzimmer berühmt wurde

Es war ein Abend in den Sommerferien, im August 2007. Ich saß an meinem Schreibtisch und hatte - als Lehrerin - eigentlich ganz andere Dinge zu tun. Ich konnte damals noch nicht wissen, dass eine kleine Info mein Leben für immer verändern würde.

Es war ein Abend in den Sommerferien, im August 2007. Ich saß an meinem Schreibtisch und hatte - als Lehrerin - eigentlich ganz andere Dinge zu tun. Stattdessen surfte ich auf der Webseite des Gitarristen Bryan May. Ich bin großer Fan seiner Lieder mit Queen, aber es waren die wundervollen Bilder des Universums auf seiner Seite, die an jenem Abend mein Interesse erregten.

Er erklärte, dass er sie auf einer Webseite namens "Galaxy Zoo" gefunden hatte: ein neues Projekt der Bürgerwissenschaft. Ich konnte damals noch nicht wissen, dass diese kleine Info mein Leben für immer verändern würde.

Niemand hat die Bilder je zuvor gesehen

Astronomen, die schnell den Spitznamen "Zoowärter" bekamen, baten die Öffentlichkeit im Juli jenes Jahres darum, sich auf der Seite anzumelden, einige dieser hübschen Galaxien anzuschauen und sie zu klassifizieren - nach einem kurzen und einfachen Tutorial. Die Wissenschaftler erforschten die Bildung von Galaxien. Das Sloan Digital Sky Survey Teleskop hat die Fotos automatisch gemacht.

Niemand hat sie je zuvor gesehen. Eine Million Bilder sind einfach zuviel für ein paar Astronomen und es gibt keine Computer-Programme, die diese Arbeit so gut erledigen können wie ein Mensch. Sie müssen dafür übrigens kein Experte in Astronomie sein. Es reicht ein neugieriger Geist und ein bißchen Freizeit.

"Moment mal, was war das?"

Wissenschaftlern helfen, Spaß haben und gleichzeitig lernen? Ich meldete mich sofort an. Nach meiner ersten Woche erschien eine spiralförmige Galaxie auf meinem Bildschirm, die ich schnell als eine erkannte, die sich gegen den Uhrzeigersinn dreht. Damals wusste ich noch nicht, dass sie "IC 2497" heißt.

Wenn man sich entschieden hat, erscheint sofort das nächste Bild (und Sie werden immer wissen wollen, was noch kommt!) Aber dann dachte ich: "Moment mal, was war das?" Und klickte zurück. Ich bemerkte eine Art "Fleck" unter der Galaxie, der zu keinem der Beispiel-Fälle passte, die vorgegeben waren. Einen Moment überlegte ich, was ich tun sollte. Ich dachte nicht daran, dass es etwas besonderes sein könnte, aber ich war neugierig.

Niemand hatte eine Antwort

Also lud ich ein Foto ins Forum hoch, in dem Nutzer die tausenden Fragen diskutierten, die den "Zoowärtern" zugesendet wurden. Dazu schrieb ich einfach: "Was ist das blaue Zeug unten?" Vielleicht könnte ein anderer der Freiwilligen das erklären. Jemand, der länger als eine Woche lang Hobby-Astronom ist. Ich schrieb auch an Chris Lintott, der Astronom, der das Projekt gestartet hatte.

Nur hatte niemand eine Antwort. Außer einer, der meinte: Vielleicht ist es bloß eine Störung der Kamera. Eine seltsame aber.

Die Leute fingen an, den komischen blauen Klecks "Hanny's Voorwerp" zu nennen. Ein englischer Bürgerwissenschaftler, der wusste, dass ich aus den Niederlanden komme, hat sich den Namen ausgedacht, nachdem er das niederländische Wort für "Objekt" gegoogelt hatte. Es wundert mich immer noch, dass dieser Spitzname geblieben ist.

Ein paar Monate später begannen die Zoowärter, sich mit meinem Voorwerp zu beschäftigen und seit dem ist viel passiert . Der Fleck stellte sich als ziemlich spannend heraus, weil es ein Licht-Echo einer benachbarten Galaxie ist. Als Entdeckerin lud man mich ein, im Forschungsteam mitzumachen.

Ich reise immer noch um die Welt

Das Mädchen von nebenan war plötzlich Ko-Autorin wissenschaftlicher Veröffentlichungen und wir stellten unsere Ergebnisse schließlich auf einer Pressekonferenz in Seattle vor.

Ich reise immer noch um die Welt, um mit Journalisten zu sprechen, in TV-Shows aufzutreten, Vorlesungen zu halten über mein Ding im Weltall und ich wurde sogar Heldin eines Comic-Buchs.

Zusammen mit Patrick Moore veröffentlichten Brian May und Chris Lintott vor kurzem das Buch "Der kosmische Tourist", in dem sie Hanny's Voorwerp auch erwähnen. Schließt das den Kreis nicht auf nette Weise?

Sie können helfen, Krebs zu heilen

Im Zoo geht es immer noch sehr lebendig und rege zu. Die Seite heißt jetzt "The Zooniverse". Sie bietet vielen Projekten für Bürgerwissenschaftlern ein Zuhause. Manche davon haben mit Astronomie zu tun, so wie "Moon Zoo" und "Planet Hunters" aber andere Wissenschaften profitieren auch von dem Format.

Wir untersuchen Öko-Systeme bei "Snapshot Serengeti". Und Sie können Wissenschaftlern am weltweit größten Krebs-Forschungsinstitut dabei helfen, Heilmethoden zu finden: "Cell Slider" heißt das Projekt. Heute werden neue Entdeckungen gemacht - dank der Hilfe von Millionen Bürgerwissenschaftlern. Jeder kann ein Teil davon sein.

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