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18/09/2015 12:27 CEST | Aktualisiert 18/09/2016 07:12 CEST

Eines Tages hielt ich inne und fragte mich: Wann habe ich meiner Tochter zuletzt die Haare gewaschen?

Thinkstock

Ich glaubte, es wäre eine Nacht wie jede andere. Ich legte auf meinem Bett die Wäsche zusammen, während sich meine Tochter unter der Dusche die Seele aus dem Leib sang. Plötzlich spürte ich, wie mein Hals sich zuschnürte. Wann hatte ich ihr zum letzten Mal die Haare gewaschen?

Ich rannte zur Badezimmertür, riss sie auf und rief hinein: "Katie, brauchst du meine Hilfe beim Haare waschen?"

Ihre Antwort ließ mir Tränen in die Augen steigen: "Nein, Mama. Ich brauche keine Hilfe."

Ich habe mir immer Mühe gegeben, jeden Tag mit meinen sieben Kindern zu genießen. Es gibt ein Motto, nach dem ich lebe, seit ich Mutter bin: Achte darauf, dich an die Freude von gestern zu erinnern, heute Freude zu erleben und dich auf die Freude morgen zu freuen.

Ich hatte nur keine Ahnung, dass morgen so schnell kommen würde.

Ich bin davon überzeugt, dass Kinder ausgelassen spielen und auch mal dreckig werden sollten. Meine beiden ältesten Töchter haben das auf jeden Fall gemacht. Jeden Tag haben sie draußen in der Sonne Arizonas gespielt, geklettert, gegraben, geschaukelt und sich dabei sehr sehr dreckig gemacht. Kinder müssen sich dreckig machen. Das ist ein universelles Gesetz. Und ich habe nicht vor, mich diesem universellen Gesetz zu widersetzen.

Aber mit dem Dreck kommen die Bäder. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine beiden ältesten Töchter, Kelsey und Katie zusammen in der Badewanne saßen. Ich wusch ihnen die Haare und ließ sie eine Weile in der Badewanne spielen. Das war eine Routine. Dann wurden sie größer. Aus Bädern wurden Duschen, aber ich half ihnen noch immer beim Haare waschen.

Mit der Zeit wurde aus dem Haare waschen nur noch ein beim-Shampoo-Ausspülen-helfen. Daraus wurde dann ein sporadisches "lass uns nur eben diesen Rest Shampoo nochmal gründlich ausspülen."

Dann kam "Nein, Mama. Ich brauche keine Hilfe."

Die Sache mit dem Muttersein ist die: Es ist dein Job, selbstständige Menschen aus deinen Kindern zu machen. Aber niemand sagt dir, wie du damit umgehen sollst, wenn es wirklich passiert.

An diesem Abend passierte es.

Ich dachte daran zurück, wann ich ihr zum letzten Mal die Haare gewaschen hatte. Wann hatte ich ihr zum letzten Mal beim Ausspülen geholfen? Warum hatte ich nicht gewusst, dass es das letzte Mal war? Hätte ich es gewusst, hätte ich es besser gemacht. Oder sorgfältiger. Langsamer. Ich hätte ihren Kopf geküsst oder so etwas. Ich hätte irgendetwas getan!

Ich konnte die Wäsche, die ich faltete, nicht mehr sehen, weil mir meine Tränen die Sicht verschleierten. Aber ich faltete weiter. Ich faltete und ich betete. "Gott, hilf mir, mich daran zu erinnern, wie schnell das alles vorbeigeht. Hilf mir, jeden einzelnen Tag zu genießen - auch die Schwierigen."

Ich dachte an David, der zu Gott betete. "Lehre uns, unsere Tage durchzuzählen, sodass sich unser Herz mit Weisheit füllt" (Psalm 90:12). Er hatte wahrscheinlich selbst gerade eines von diesen letzten Malen erlebt. Einer dieser Momente, die wie ein Pfeilschuss an uns vorbeiziehen und du merkst, dass du ihn nicht bremsen kannst. Er wollte genug Weisheit, um zu bremsen und jeden Tag als Geschenk Gottes zu genießen, denn er hatte eines begriffen: Wenn etwas weg ist, ist es weg.

Bremsen ist keine Lösung. Denn es ist unmöglich. Die Lösung ist ein Herz voller Weisheit. Die Weisheit, die dich wissen lässt, dass zerbrochene Teller, fleckige Klamotten und überall verteilte Essensreste nie ein Grund sind, die Nerven zu verlieren.

Zu wissen, dass Hausaufgaben immer noch später gemacht werden können. Wenn die Sonne untergeht und die Matschpfützen ausgetrocknet sind. Zu wissen, dass jeder Moment ein heiliger Moment ist: Windeln wechseln, auf dem Sofa kuscheln, Schaukeln im Park, sogar Haare waschen. Sie sind alle heilig, wenn du dir nur die Zeit nimmst, es zu sehen.

Jahre vergingen. Dann kam der schicksalhafte Tag. Ein Ball flog in Richtung Tor und Katie war fest entschlossen, ihn aufzuhalten. Sie sprang darauf zu und wir hörten alle ein lautes "Knack"! In der Notaufnahme erfuhren wir, dass Katie sich das Handgelenk gebrochen hatte. Das bedeutete sechs Wochen Gips.

Du kannst dir mit einem Gips nicht selbst die Haare waschen.

Als mir das klar wurde, machte mein Herz einen Freudensprung. Nicht wegen des gebrochenen Handgelenks (was für eine kranke Mutter würde das schon tun?), sondern weil ich eine zweite Chance bekommen würde!

Ich bekam eine zweite Chance, ihre Haare zu waschen und den Moment zu genießen. Ich durfte bremsen! Ich ließ Katie ein neues Shampoo aussuchen - ein süßlich riechendes Shampoo, speziell für braune Haare.

Wir holten ein paar Handtücher. Sie legte sich auf die Arbeitsfläche in der Küche mit ihrem Kopf im Waschbecken und ich durfte ihre Haare waschen. Jedes Mal, wenn wir das in den sechs Wochen machten, scherzten wir und alberten herum und ich genoss jeden. einzelnen. Moment.

Auch heute noch bringt mich der Geruch dieses Shampoos direkt zurück zu diesen Momenten in der Küche.

Aber wir bekommen nicht immer eine zweite Chance. Es wird eine letzte Höhle aus Stühlen und Decken geben. Es wird eine letzte Gute-Nacht-Geschichte geben. Es wird ein letztes Outfit für Barbie geben. Es wird ein letztes Mal schaukeln im Park geben.

Wir müssen nicht wissen, wann das letzte Mal sein wird. Wir brauchen nur ein weises Herz, um jedes einzelne Mal zu genießen.

Am Ende dieses Textes, danke ich Gott für seine Gnade. Meine Finger sind über die Tastatur geflogen und meine jüngste Tochter hat nach mir gerufen. "Mama, flechtest du mir einen Zopf, bevor ich ins Bett gehe?"

Oh ja.

Ich habe ihre Haare heute Abend etwas länger gebürstet. Und ich habe mir beim Flechten viel Zeit gelassen. Als ich ihr einen Gute-Nacht-Kuss gab, dauerte er ein paar Sekunden länger als sonst.

Denn nach sieben Kindern und jahrelangem Glauben, dass ich alle Zeit der Welt hätte, habe ich etwas begriffen. Das Leben rennt dir davon, wenn du es lässt. Manchmal musst du einfach anhalten und alles in dich aufsaugen.

Danke, Gott, für Zöpfe vor dem Schlafengehen. Danke, für unordentliche Küchen und Legosteine auf dem Boden. Danke für Krach beim Abendessen, nächtliche Unterhaltungen, Puppen, Fingerfarben und für Gute-Nacht-Geschichten.

Danke für gebrochene Handgelenke und Shampoo für Brünette. Danke, dass du mir beigebracht hast, meine Tage durchzuzählen. Und Gott, falls ich es je vergesse: Bitte gib mir einen Schubs und zähl du sie für mich durch.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Foreverymom.com und wurde aus dem Englischen von Franca Lavinia Meyerhöfer übersetzt.

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