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18/09/2015 06:51 CEST | Aktualisiert 18/09/2016 07:12 CEST

All That Jazz ...

Nick White via Getty Images

Vor etlichen Jahren war Jazz cool. Buchstäblich! Schließlich gab es in den 1940er Jahren sogar eine Stilrichtung, die das Coole im Namen führte: Cool Jazz. Das ist allerdings schon eine ganze Weile her, Ende der 1940er Jahre war das.

Jazz war also cool, und die Protagonisten wie Miles Davis und Gerry Mulligan waren sogar saucool. Nicht ganz so lässig waren vielleicht die Jazz-Liebhaber: Größtenteils auf intellektuell getrimmte Herren in Rollkragenpullis und Cordhosen, nicht selten Pfeife rauchend.

Dieses Bild vom pfeifenrauchenden Jazzfreund hat in den Köpfen überlebt. Das erklären die Pauschalabfuhren, wenn man jemanden mit dem Begriff, mit der Stilrichtung „Jazz" konfrontiert. „Mag ich nicht", bekommt man da schneller und bestimmter zu hören, als Buddy Rich jemals einen Trommelwirbel auf die Snare brachte.

Die umgreifende Jazz-Feindlichkeit geht so weit, dass öffentlich-rechtliche Pop-Radiosender sogar das Wort „Jazz" auf den Index gesetzt haben - Konzerthinweise mit Veranstaltungen, die das jazzige Wort im Namen tragen, haben Äther-Verbot. Selbst, ja selbst wenn bei der Veranstaltung echte Pop-Stars auftreten.

Was Popstars häufig machen. Nicht erst in letzter Zeit. Schon in den 70er Jahren spielten Deep Purple und Frank Zappa beim Montreux Jazz Festival. In diesem Jahr gastierten in dem noblen Kurort am Genfer See - neben Jazz-Acts reinsten Wassers - Mainstream-Künstler wie Lady Gaga, Toto, Sam Smith und Fritz Kalkbrenner.

Warum auch nicht? Jazz steht mehr für eine tolerante Geisteshaltung als für Swing und vertrackte Kopfmusik. So sehen das auch die Organisatoren der Ingolstädter Jazztage. Seit über 35 Jahren steigt ab Mitte Oktober in der oberbayerischen Donaustadt das mehrwöchige Event, bei dem in früheren Jahren schon sie alle da waren: von James Brown über Herbie Hancock bis hin zu Miles Davis.

Erstaunlicherweise setzt sich das Publikum aber nicht aus Pfeifenrauchern und Intellektuellen zusammen, sondern aus absolut allen Bevölkerungsschichten - mit einem auffallend großen Anteil an Jugendlichen.

Der dürfte in diesem Jahr vielleicht sogar noch größer sein als sonst. Schließlich gehören - neben gestandenen Jazz-Größen wie Marcus Miller und der Steve Gadd Band - auch Pop-Schwergewichte wie Jan Delay und Zaz zum Line-Up. Keine Frage, ein cooles Programm.

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