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11/11/2015 06:51 CET | Aktualisiert 11/11/2016 06:12 CET

Ein Ausländer hat mich angesprochen. Was er sagte, hat mich schockiert

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Ich war schon völlig fertig, als ich noch gar nicht da war. Mit viel zu schwerem Gepäck hatte ich mich zum Flughafen gequält. Und nun schob und zerrte ich es durch das Terminal. Leise fluchend quälte ich mich durch die Gänge. Ich hatte schon meine halbe Wintergarderobe angezogen, damit der Koffer überhaupt zuging. Und jetzt war ich sogar noch zu spät dran.

Endlich bei meiner Airline angekommen, passierte das Erwartbare. Übergepäck. Drei Kilo zuviel. "50 Euro, oder sie packen nochmal um!" Umpacken?! Ich wäre am Liebsten einfach wieder nach Hause gefahren. Wie sollte das denn noch gehen? Aber gut, ich zerrte den Koffer wieder vom Band und beschloss, es zumindest zu versuchen.

So schleppte ich den Koffer bis zur Aufgabestelle für Sperrgepäck. Dort angekommen kippte ich ihn um und zog resigniert den Reißverschluss des Deckels auf. Und schon quollen mir meine Klamotten entgegen. Wie aus einem überschäumenden Topf mit Nudeln schoben sich T-Shirts und Pullover an die frische Luft.

Der Anblick gab mir dann den Rest. Müde und genervt ließ ich mich wie ein alter Sack neben meinen Koffer plumpsen. Und blieb dort erst einmal sitzen. Doch da kam plötzlich ein Mann auf mich zu.

Er lächelte mich an. Und dann sagte er in gebrochenem Deutsch: "Zu schwer? Soll ich helfen ihnen?"

Helfen? Ich hielt kurz inne und raffte mich schnell zusammen. "Nein, nein, danke. Geht schon, geht schon", versicherte ich und fing an, planlos Dinge aus meinem Koffer zu ziehen und sie mir in die Manteltaschen zu stopfen. Bloß schnell weg, dachte ich noch, als ich merkte, dass der Mann stehengeblieben war und mich beobachtete.

Bitte, bitte keine guten Ratschläge, dachte ich noch, als der Mann auf den Schalter zeigte und sagte: "Ich kann wiegen. Dann sie können schauen, ob leicht genug." Er war wohl für das Sperrgepäck zuständig und schaute mich weiterhin gnadenlos aufmunternd an.

"Äh, das ist nicht ... okay, ja, das wäre toll. Haben Sie vielen Dank!" Und da griff er schon nach meinem Koffer und schob ihn auf die Waage. Und tatsächlich: 23,9 Kilo. Das würde gehen.

Nur leider hatte ich auch noch zwei Pullover und ein paar Schuhe in der Hand. "Warte", sagte der Mann und ging hinüber zu seinem eigenen Rucksack. Dort holte er eine sorgsam zusammengefaltete Plastiktüte hervor, schlug sie auf und hielt sie mir hin: "Da rein", forderte er mich auf.

Dankend nahm ich die Plastiktüte entgegen, steckte meine Kleidung hinein und lief zum Schalter, wo ich endlich einchecken konnte.

Kurze Zeit später saß ich schon wieder auf dem Boden. Aber diesmal vor Erleichterung. Mein Gepäck war ich los, in wenigen Minuten würde das Boarding beginnen. Aber ich musste immer noch an den Mann denken.

An seine Freundlichkeit, seine Hilfsbereitschaft. Sicherlich, er hatte eigentlich nichts Großartiges gemacht. Und eine Plastiktüte ist keine Kostbarkeit. Denkt man so. Ist aber anders. Denn wie oft erlebt man eine solche Hilfsbereitschaft, eine solche selbstverständliche Hilfsbereitschaft? Hilfe, die ganz sacht da ist, in Momenten, in denen man sie dringender braucht als alles andere.

Aber so sehr ich mich über den Mann freute, so sehr war ich von mir selbst irritiert: Warum hatte ich es nicht geschafft, von mir aus um Hilfe zu bitten? Warum war ich so perplex, dass er so selbstverständlich seine Hilfe angeboten hatte?

Und wann hatte ich eigentlich zum letzten Mal selbst jemandem geholfen, der so offensichtlich Hilfe brauchte? Einer Frau, der gerade der Einkauf aus den Taschen gefallen war. Oder einem Mann, der mit einem Kinderwagen Probleme hatte?

Der nette Mann hatte mich so überrascht, weil es bei uns so wenig selbstverständlich geworden ist, um Hilfe zu bitten oder Hilfe anzubieten. In anderen Ländern ist das eine Eigenschaft, die für viele Menschen selbstverständlich ist. Dort haben sie vielleicht auch weniger Hemmungen, aufeinanderzuzugehen. Weniger Angst, als schwach wahrgenommen zu werden. Weil sie gelernt haben, dass Hilfe einfach jedem hilft. Dass Hilfe gut tut.

Und als ich die vielen Reisenden, die an mir vorbeiliefen, betrachtete, fragte ich mich, warum wir diese Erkenntnis nicht mal aus anderen Ländern mitbringen?

Hilfsbereitschaft, auch in den ganz kleinen Dingen. Aber, und das hatte mir der Mann ja auch gezeigt, wir müssen gar nicht weit reisen, um von anderen Menschen zu lernen.

Wie so vieles, liegt auch diese Erkenntnis direkt vor unserer Haustür.

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