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26/10/2015 12:17 CET | Aktualisiert 26/10/2016 07:12 CEST

Du bist ein bisschen durchgeknallt, aber das ist deine größte Stärke

Du stehst manchmal ein bisschen neben dir. Nicht, weil du vergesslich bist oder schusselig, aber manchmal sieht das Leben einfach so seltsam aus. Dann musst du kurz innehalten und es dir in Ruhe anschauen.

Dann stehst Du da, mitten auf dem Gehweg. Andere Passanten sind genervt, sie rempeln dich an. Aber du kannst gerade nicht anders. Dir ist gerade etwas eingefallen, ein Gedanke, dem du schon seit Wochen hinterherjagst, ohne dass du es wusstest und wenn du ihn jetzt nicht festhältst, wird er weg sein. Du musst also erstmal stehenbleiben.

Kurze Zeit später sitzt du in der U-Bahn. Du musst an der nächsten Station aussteigen, aber du kannst gerade nicht aussteigen, denn du überlegst noch immer, wie man die Sitze so anordnen könnte, dass die meisten Menschen hineinpassen.

Als du es geschafft hast und auf dem Weg nach Hause bist, stellst du dir vor, wie man dir für deine Idee von vorhin den Nobelpreis verleiht. Du bist nicht sicher, in welcher Kategorie. Aber irgendwie wirst du schon die Anerkennung bekommen, die dir gebührt. Vielleicht schreibt auch einfach nur die Lokalpresse darüber. Das wär auch ok.

Deine Freunde lachen manchmal über dich. Sie lachen dich nicht aus, aber sie lachen über dich.

Weil du deine verrückten Ideen manchmal eben auch laut in die Welt hineinposaunst. Weil eine Diskussion für dich nie zuende ist. Weil du oft Entscheidungen triffst, die erstmal keiner nachvollziehen kann.

Als du zum Beispiel dein Studium geschmissen hast. Obwohl du kurz vor dem Abschluss standest. Aber du wolltest unbedingt mit einem Freund zusammen diese Catering-Firma aufziehen. Oder als du deinen Job gekündigt hast. Und dann für ein halbes Jahr nach Nepal gegangen bist, um streunende Hunde zu versorgen.

Das hat niemand so richtig verstanden, aber du musstest es einfach tun.

Manchmal wünschst du dir, dein Leben wäre etwas einfacher. Dass du nicht immer so getrieben wärst. Dass du nicht so schnell die Dinge radikal in Frage stellst. Dass du dich weniger einmischst. Dass dir dein Leben einfach öfter genug ist, so wie es ist.

Das du nicht so leichtfertig alles hinschmeißt und einfach nach Indien gehst. Um über Buddhismus zu lernen. Doch du traust dich trotzdem. Wie dieser junge Mann, der sein Studium abgebrochen hat, um genau das zu tun. Und als er zurückkam, verkauft er auch noch sein Auto, um einem Freund dabei zu helfen, seine Geschäftsidee zu verwirklichen.

Er hatte kein Auto mehr, keinen Job, keinen Abschluss. Aber eine fixe Idee. Er wollte den Computer der Zukunft erschaffen und das ist ihm gelungen. Denn dieser Mann war Steve Jobs.

Du hast deinen eigenen Kopf. Wenn dich etwas fasziniert, musst du sofort mehr darüber erfahren. Wie der ältere Herr, der beim Autofahren immer anhielt, wenn er etwas Interessantes am Straßenrand gesehen hatte. Einen Grasshüpfer zum Beispiel. Den musste er sich dann einfach näher anschauen. Seine Mitmenschen waren genervt, aber er konnte halt nicht anders. So war Albert Einstein.

Mit deiner Art eckst Du vielleicht oft an. Das macht dein Leben anstrengend. Aber es macht es auch einzigartig. Denn was dich so verrückt macht, was dich so komisch erscheinen lässt: Es ist deine größte Stärke.

Denn du siehst die Welt mit anderen Augen. Du siehst sie nicht so, wie sie ist oder wie wir glauben, dass sie ist. Du siehst sie immer auch so, wie sie sein könnte. Das ist ein Geschenk.

Denn wer nicht sieht, was sein könnte, der hat auch keine Fantasie für die Zukunft. Und der wird sie daher auch nicht mitgestalten.

Deswegen bist du auch oft deiner Zeit einen Schritt voraus. Deine Freunde verstehen oft nicht, wie schnell du über Misserfolge oder Rückschläge hinwegkommst. Aber für dich ist der Spruch: "Das Leben ist zu kurz" eben mehr als ein Spruch. Du fühlst es. Und deswegen legst Du los. Besser heute als morgen, denkst Du dir. Wenn das Abenteuer ruft, schließt du nicht noch die zehnte Versicherung ab. Du ziehst los.

Ohne Leute wie dich, würde niemals Neuland entdeckt. Ohne Leute wie dich, würde es kein verrückter Gedanke je in die Welt schaffen.

Ohne Leute wie dich, gäbe es jetzt weder Microsoft noch Google, weder das Frauenwahlrecht noch eine atomfreie Energiewirtschaft. Denn das waren alles Ideen, die erst für ziemlich verrückt gehalten wurden. Und es waren komische Leute, die sich zuerst dafür eingesetzt haben.

Die Welt wäre nicht das, was sie ist, ohne durchgeknallte Leute. Ohne Leute, die sie anders sehen und anders sehen wollen. Bitte bleib komisch, wir brauchen Dich!