BLOG
29/03/2016 06:27 CEST | Aktualisiert 30/03/2017 07:12 CEST

Angst als Wachstumsbremse und drei Waffen dagegen

Adam Berry via Getty Images

2016-03-28-1459171325-1453508-HUFFPOST1.png

Für viele ist es ganz klar: 9/11 ist in Wahrheit durch die CIA verursacht worden, hinter manchem Anschlag steckt in Wirklichkeit die eigene Regierung, überhaupt sind die USA der wahre Übeltäter und das Unheil lauert überall.

Man kann es in vielen Büchern nachlesen und wir wissen ja: Was geschrieben ist, stimmt. Inzwischen hat sich eine ganze Industrie gebildet, die nicht schlecht davon, lebt, uns Angst zu machen.

Manche Verlage versenden nach eigenen Angaben tagtäglich Tausende von Büchern mit Verfolgungsthemen, Verschwörungsthemen, bizarren Angstmachern.

Natürlich ist das in einer Marktwirtschaft nicht strafbar, aber da die Bücher, Videos, Hörbücher, Vorträge, die es zu angstverursachenden Themen gibt und hinter denen vielfach nichts als luftleere steile Thesen stehen, nicht einfach als schlechte Unterhaltung abgetan werden können, so dass wir uns dann lachend wieder den Tatsachen zuwenden, lohnt ein genauerer Blick.

Das Internet ist ein wahrer Segen, aber durch die Möglichkeit, dass jeder irgendetwas ungeprüft als Tatsache ins Netz stellen kann entstehen vermeintliche Autoritäten, vermeintliche Experten, die in Wirklichkeit gar keine Experten sind, sondern einfach nur Falsches oder zumindest Hinterfragungswürdiges behaupten.

Falsches wird aber auch durch Wiederholung oder durch höhere Lautstärke nicht richtiger. Im Netz indes wird schnell derjenige ein Experte, der an möglichst vielen Stellen auftaucht; derjenige, der das größte „Geräusch" erzeugt.

Kritisches Hinterfragen? Keine Zeit. Die Schlagzeile zählt. Wenn diese vermeintlichen Autoritäten nun genügend Follower generieren, werden Meinungen geschaffen, wie sonst ist manche immer wieder mantramäßig vorgetragene Unwahrheit erklärbar?

Angst ist eine Wachstumsbremse und insbesondere in Deutschland täten wir gut daran, diese Bremse ein wenig zu lösen. Unsere amerikanischen Kollegen sprechen mitunter von der „German Angst", von unserer Zögerlichkeit, unserer Offenheit für Negativ-Themen.

Wer aber in Angst erstarrt, lernt nicht, entwickelt sich und andere nicht weiter, wächst nicht.

Angst und Stress sind ebenfalls miteinander verbunden. Stress entsteht, wenn ich nicht weiß, was morgen ist und wenn ich das Gefühl habe, keinen Einfluss auf dieses Morgen zu haben.

Mit dem Stress entsteht Angst, Sorge. Dies wiederum ist ein wahrer Nährboden für Verführer, denn wer Angst hat, ist leichter zu (ver-)führen, wenn jemand da ist, der eine Richtung weist.

Angst kann nur schwerlich entstehen, wenn jemand eigene Ziele, eigene Pläne, eine eigene Richtung, eine eigene Meinung hat. Wer aber Angst hat, ist dankbar für jemanden, der die Richtung weist.

Angst und Sorge sind im täglichen Leben an vielen Stellen beobachtbar: Die Sorge vor der Zukunft der Kinder, die Sorge vor der Veränderung oder dem Verlust des Arbeitsplatzes, die Sorge vor der Absicherung im Alter, die Sorge vor der Gesundheit, man ergänze die Liste beliebig.

Beobachtbar ist auch, dass viele Menschen mit zunehmendem Alter sorgenvoller und weniger risikofreudig werden, schließlich gibt es etwas zu verlieren, zu verteidigen, nämlich das, was man sich über Jahre erarbeitet hat. Wohl dem, der uns dann erklärt, was wir zu tun und zu lassen haben.

„Sehet her und folgt mir, denn ich kenne den (natürlich einzig richtigen) Weg". Wieder ein Welterklärer, vielen Dank.

Auch in der betriebswirtschaftlichen Praxis, in Unternehmen, stellen wir Angst-Muster fest.

Wenn meine Mitarbeiter und ich als Wachstumsexperten Beratungsmandate bei Unternehmen beginnen, die zum Ziel haben, gesundes profitables Wachstum zu schaffen - eigentlich etwas Schönes, Bewegendes, Positives, Zukunftsgestaltendes -, geht dies bei vielen Mitarbeitern mit einer gehörigen Portion Skepsis und sogar mitunter mit reflexartiger Angst einher: Der Angst vor Veränderung.

Dies äußert sich nicht immer unmittelbar, drückt sich aber in subtiler Nicht-Unterstützung des Vorhabens bis hin zu offenem Boykott von Veränderungen aus. Das Resultat: Viele Wachstumsinitiativen in Unternehmen bleiben unter ihren Möglichkeiten.

Wie können wir uns nun gegen Angst, Sorge, Misstrauen wappnen?

Wenn wir wirklich wollen, dass die Angst-Industrie und die Menschen, die (vermutlich oft absichtlich) Angst säen, uns als Individuen und als Gesellschaft nicht erreichen, dann müssen wir drei Waffen schmieden: Neugierde, Urteilsvermögen und Mut.

Wer neugierig ist, schaut sich viele Seiten, viele Informationsquellen und viele Optionen an, ist rundum informiert und kann sich sein eigenes Urteil bilden.

Dieses gesteigerte Urteilsvermögen wiederum sorgt dafür, dass minderwertige Botschaften von sogenannten Experten oder von anderen Menschen, die eine bestimmte Agenda verfolgen, direkt als Unfug ausgefiltert werden.

Wer dann noch den Mut besitzt, unsinnige Angstvermittlung nicht nur als solche zu identifizieren, sondern auch öffentlich zu enttarnen, sich zu artikulieren und einen eigenen Weg zu gehen, setzt ein starkes Signal.

Wollten wir noch eine vierte Komponente, eine vierte Waffe addieren, dann wäre dies die Zuversicht; die Zuversicht, dass durch eigenes Handeln die größtmögliche Sicherheit entsteht und mitnichten durch das Folgen irgendeines Angstmachers.

Wenn wir weiter wachsen, uns weiter entwickeln wollen, persönlich, unternehmerisch, als Gesellschaft, können wir Angst als schlechten Berater nicht gebrauchen. Angst liefert uns keine Antworten und die, die sie verbreiten, verfolgen oft nur ihr eigenes Interesse.

Angst führt uns weg von etwas, aber nicht hin zu etwas. Wer wirklich Wachstum schaffen, wer wirklich Entwicklung erzeugen will, hilft anderen dabei, Ziele zu finden, zu setzen, zu erreichen.

Wer anderen dabei helfen will, sich nicht den vermeintlichen Experten, die vor allem ihr eigenes Interesse verfolgen, fraglos anzuschließen, der muss überdies mutig seine Stimme erheben, auch gegen den Wind des Mainstreams.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Anschläge in Brüssel: Dieser Mann hat die schönste Antwort auf die Terrorangst in Brüssel

Lesenswert: