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13/04/2016 10:42 CEST | Aktualisiert 14/04/2017 07:12 CEST

Gender Studies sind Aberglaube

Blend Images - Hill Street Studios via Getty Images

An der Philipps-Universität Marburg war geplant, dass Prof. Dr. Ulrich Kutschera am 13. April 2016 im Rahmen des studium generale über „Evolutionstheorien und Kreationismus" sprechen sollte. Aufgrund einer Intervention der Frauenbeauftragten der Universität, Dr. Silke Lorch-Göllner, hatte der Uni-Senat für die Ausladung von Kutschera votiert. Der Biologe kam dieser Ausladung durch die Universitätsleitung zuvor und sagte „das erbärmliche Schauspiel" von sich aus ab.

Ulrich Kutschera ist Autor des sehr empfehlenswerten Buches „Das Gender-Paradoxon", Berlin 2016. Hier eine Kurzrezensionund eine ausführliche Rezension.

Es heißt dort (Auszug):

(...) Kutscheras Argumentation beabsichtigt im Wesentlichen die Begründung folgender Thesen:

1. Die Gender Studies beruhen in entscheidenden Hinsichten nicht auf seriöser wissenschaftlicher Methodik, sondern auf ideologischen Glaubenssätzen.

2. Ein wesentlicher Teil dieser Glaubenssätze geht auf die Schriften des amerikanischen Psychologen John Money zurück, die vom Feminismus rezipiert wurden, obwohl ihre wissenschaftliche Unhaltbarkeit bereits in den 60er Jahren nachgewiesen wurde.

3. Die Gender Studies können aufgrund ihrer Verweigerung der Kenntnisnahme biowissenschaftlicher Erkenntnisse legitimerweise dem religiösen Kreationismus analogisiert werden.

4. Der Grad der Realitätsverweigerung von Vertreterinnen und Vertretern der Gender Studies trägt analog zum Kreationismus sektenhafte Züge und führt zu im Namen des Feminismus ausgeübten politischen Repressionsversuchen gegen Kritiker.

Für Kutscheras Argumentation grundlegend ist dabei eine Kritik der von den Gender Studies verwendeten Semantik. Während wir den Gebrauch des Begriffspaars »Sex« und »Gender« vornehmlich aus den Kulturwissenschaften kennen (üblicherweise als Unterscheidung von biologischem und sozialem Geschlecht), weist er darauf hin, dass es eine davon unabhängige biologische Bedeutung der Begriffe gibt.

»Sex« im biologischen Sinne ist an die Funktion der Fortpflanzung gebunden und bezeichnet die Verschmelzung zweier haploider Gameten (Keimzellen) zu einer diploiden Zygote. Im Falle des Menschen handelt es sich um die Verschmelzung eines Spermiums mit einer Eizelle. Die Funktion der Sexualität besteht darin, durch Rekombination von Chromosomensätzen genetische Variation zu erzeugen.

Dieser biologische Mechanismus existiert seit dem Präkambrium, also seit dem Erdzeitalter, in das auch die Entstehung des Lebens selbst fällt. »Die sexuelle Reproduktion ist somit eine frühe ›Erfindung‹ in der Stammesgeschichte der Organismen«. (Kutschera 2015, S. 231) »Gender« im biologischen Sinne bezeichnet dagegen die »Ausbildung von Männchen und Weibchen, d.h. anatomisch/funktionell verschiedene(n) Geschlechtstiere(n) bzw. Pflanzen«, also den Sexualdimorphismus (Kutscher 2016, S. 33).

Die kulturwissenschaftliche Begriffsverwendung bezeichnet demgegenüber mit »Sex« das »biologische Geschlecht«, also den Sexualdimorphismus, und mit »Gender« eine angeblich sozial konstruierte Geschlechtsidentität. Hier setzt nun ein erster Widerspruch Kutscheras ein.

Geschlechtsidentität ist aus biologischer Sicht niemals »konstruiert«

Ulrich Kutschera stellt - ebenso wie Axel Meyer in „Adam´s Apfel und Evas Erbe", München 2015 - in seinem Buch den heutigen, nicht hintergehbaren Erkenntnisstand der Evolutionsbiologie dar, und er kritisiert auf dieser Grundlage zugleich den nicht nur, aber besonders in den USA verbreiteten religiös-fundamentalistischen Kreationismus.

Zwischen diesem und der kulturalistischen „Geschlechterforschung" (Gender Studies) bestehen Analogien, die eine Kritik der „Gender Studies" unausweichlich notwendig machen.

An der Universität Marburg aber waren Frauenbeauftragte und Präsidentin nicht bereit, wissenschaftliche Kritik an der angeblichen „Disziplin" der „Gender Studies" zuzulassen. Die Gender Studies sind jedoch keine wissenschaftliche Disziplin, sondern ein Aberglaube, wie Ulrich Kutschera nachweist.

Ulrich Kutschera selbst kommentierte den Vorgang wie folgt:

Freiwillige Absage - gegenstandslose Ausladung

"Am 18. März hatte mir der einladende Kollege und Organisator der Marburger Evo-Vortragsreihe, Herr Prof. Rensing, mitgeteilt, dass es Proteste aus der Gender- Zunft und von gewissen ASTA-Vertretern geben wird- man plane Protestaktionen gegen den Bio-Bösewicht aus Kassel.

Als Grund wurde u.a. mein verhasstes Fachbuch "Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen, 2016" angeführt. Da ich mich, als international ausgewiesener Life Scientist und Lehrbuchautor, nicht von politisierenden Sozial-Konstruktivisten, die keine Ahnung von den Prinzipien physiologisch-evolutionsbiologischer Forschung haben, öffentlich beleidigen lasse, habe ich am 19. März meinen Marburger Einführungsvortrag abgesagt - die nachgeschobene "Ausladung" ist eine Farce."

"Diskussionen mit moneyistisch indoktrinierten Gender-Religioten sind genauso sinnlos wie Gespräche mit Junge-Erde-Kreationisten. Für beide Sektierer-Gruppen gibt es keine objektiven Fakten, alles sei nur sozial konstruiert, die Evolution sei auch nur ein Mythos usw. Biologen u.a. Naturforscher werden als irregeleitete Ideologen abqualifiziert."

"Gender-Kreationisten vertreten somit ein irrationales, vor-Darwin'sches, konservativ-reaktionäres Weltbild, d.h. das Dogma vom "erschaffenen Grundtypen-Unisexmenschen"- Urvater John Money, der als pädophiler Kinderschänder in die Geschichte eingegangen ist, laesst gruessen."

"Ich stehe hinter jeder Zeile , die ich im Gender-Paradoxon geschrieben habe und betrachte die Marburger "Ausladung" als weiteren Beweis für meine These, dass der Moneyismus eine dogmatisch-pseudowissenschaftliche Sekten-Ideologie ist, die von jedem vernunftbegabten Menschen zurückgewiesen werden sollte."

Prof. Ulrich Kutschera, Visiting Scientist, Stanford, California 94305, USA.

Weitere Informationen zum Themenbereich finden Sie auf der Website Gender-Diskurs:

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