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13/08/2015 04:07 CEST | Aktualisiert 13/08/2016 07:12 CEST

48 Stunden, die deine Beziehung verändern werden

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Ein Freund von mir spricht ständig darüber, dass er seine Frau verlassen will. Die beiden sind ein tolles Paar, wenn alles gut ist. Wenn aber nicht alles gut ist, sind sie unerträglich, weil sie die Schuld immer beim anderen suchen.

Vor Kurzem habe ich einen Artikel über die fünf Phasen einer Beziehung geschrieben. Darin erkläre ich unter anderem die fünfte Phase, wenn "Zusammensein eher auf gemeinsamen Zielen als auf Bedürfnissen basiert".

Mein Freund steckt seit einer ganzen Weile in Phase drei, in der es um Verlust und Freiheit geht. Im Lauf der Jahre wurden nervige Kleinigkeiten zu großen Problemen, die ans Tageslicht kamen. Jetzt ist er nachtragend und steckt häufig in Machtkämpfen mit seiner Frau. Er weiß genau, was sie "nicht ertragen" kann und hat daher einen gut gefüllten Sack mit Gemeinheiten parat, die er jeder Zeit auf sie abfeuern kann.

Stattdessen könnte er seine Frau als Spiegelbild seiner selbst wahrnehmen. Was würde das bedeuten? Jedes Mal, wenn er ihre beste Seiten sieht -- sie ist lieb, klug, kreativ, witzig, eine gute Mutter und hingebungsvolle Ehefrau -- könnte er feststellen, dass diese Qualitäten auch in ihm aktiv sind und er somit das beste in ihr zum Vorschein gebracht hat.

Und jedes Mal, wenn er ihre schlechtesten Seiten sieht, könnte er zugeben, dass die auch in ihm aktiv sind und sie ihn eigentlich nur spiegelt. Aber anstatt sich daran zu erinnern, dass seine Probleme mit ihm selbst und nicht mit anderen zu tun haben, wünscht er sich, sie wäre anders.

Sich zu wünschen, dass sie sich ändern würde, führt zu keiner positiven Veränderung. Stattdessen füttert er damit nur seinen Ärger und er wird immer stärker. Würde er sich darauf konzentrieren, was funktioniert -- wie toll sie zusammenpassen, wenn alles in Ordnung ist -- könnte die Situation retten.

Wir tendieren zu dem Glauben, eine Beziehung bedeute, einander gut zu kennen. Vor allem, über eine lange Zeit. Wenn wir uns aber nicht anstrengen, eine Beziehung frisch zu halten, rutscht sie schnell mal in die vierte Phase: Automatismus und Resignation. In dieser Phase herrscht ein Gefühl des Verlustes und eine Tendenz, aufzugeben und sich von einander zu entfernen.

Auch etwas Gutes überlebt nicht, wenn es nicht genährt wird. Die Qualität eurer Beziehung als gegeben hinzunehmen, nur weil ihr einander und eure Angewohnheiten kennt, ist keine Garantie. Wie kommen wir also zu Phase fünf und wie können wir sie aufrecht erhalten?

Ein Weg sind Marathon-Gespräche. Zwei Menschen wechseln sich ab - für 48 Stunden. Einer spricht 24 Stunden lang, während der andere zuhört. Dann wird gewechselt.

Das klingt extrem. Es ist extrem. Und es funktioniert.

Der/die Sprechende kann erzählen, worüber er oder sie will. Anekdoten, Erinnerungen, Wendepunkte, Ängste, Hoffnungen, Ziele. Das Thema ist unwichtig, denn nach ungefähr vier oder fünf Stunden, wenn scheinbar alles gesagt ist, passiert die Magie. Die Magie, wenn beide Partner keine Schwierigkeiten mehr haben, akzeptiert und verstanden zu werden.

An diesem Punkt erfährt der/die Sprechende eine neue Freiheit, alles sagen zu können - ohne Angst vor einem Urteil oder Ablehnung. Dadurch hört er/sie auf, seine Gedanken und Worte zu zensieren. Der/die Zuhörende erfährt eine neue Art der Aufnahme. Er/sie denkt nicht mehr "es geht nur um mich. Stattdessen beginnt er/sie die Gefühle und Gedanken des/der Sprechenden zu kennen.

Damit das passiert, muss der zuhörende Partner zuhören, ohne zu reagieren - keine Kommentare oder Gesten, die eine Interpretation oder ein Urteil zum Ausdruck bringen - und ohne Rückschlüsse auf die eigenen Ideen und Vorstellungen zu ziehen. Dadurch, dass er/sie die Gründe begreift, warum der /die Sprechende sagt, was er/sie sagt, kann er/sie wirklich verstehen, worum es geht. Es bedeutet, der sprechenden Person wirklich zuzuhören, ohne durch ihre Worte abgelenkt zu werden.

Die zuhörende Person kann offene und neutrale Fragen stellen -- nur, um den Redefluss der anderen Person aufrecht zu halten. Nicht um ihn/sie in eine bestimmt Richtung zu lotsen. Wie hat sich das angefühlt? Woran hast du gedacht? Was hast du dann gemacht?

Damit die 48 Stunden erfolgreich sind, müssen sie fernab der alltäglichen Umgebung stattfinden. Weit weg von Routinen, Ablenkungen wie anderen Menschen, Haustieren, Jobs, dem Fernseher, Telefonen, Computern, Zeitungen, Aufgaben, Verantwortungen und Verpflichtungen. Das bedeutet, Essen muss geliefert oder zumindest vereinfacht werden, damit die Zubereitung von Mahlzeiten nicht den Prozess unterbricht. Isolierte Spaziergänge sind möglich, ebenso wie kurze Nickerchen, wenn nötig.

Das klingt nach viel Arbeit und vielleicht sogar unmöglich. Tatsächlich ist es ein Geschenk -- 24 Stunden lang einem geliebten Menschen zuzuhören -- und anschließend ungefiltert und liebevoll selbst 24 Stunden lang zu erzählen.

48 Stunden reiner, positiver Aufmerksamkeit ist etwas ganz besonderes, ein seltener Luxus, den man sich in der pausenlosen Rund-um-die-Uhr-erreichbar-Welt nehmen darf. Eine neue Art der Kommunikation findet statt, in der Menschen anfangen, sich durch ihre Herzen verbunden zu fühlen anstatt mit ihren Köpfen. Das ist eine seltene Gelegenheit für beide Seiten, um zu begreifen, wer die andere Person wirklich ist.

Ich habe diese Technik von Paul Solomon gelernt, dessen gesamtes Werk "The Wisdom of Solomon" ist. Dieser Beitrag erschien bei The Good Men Project.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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