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09/01/2015 06:52 CET | Aktualisiert 11/03/2015 06:12 CET

Mein Freund konnte eigentlich nicht Vater werden - doch dann passierte etwas Wunderbares

Wie bei den meisten in unserem Bekanntenkreis wollten Melli und Ralf eine Familie. Sie ließen sich nach dem Absetzen der Pille ausreichend Zeit. Als aber nach einem Dreivierteljahr immer noch kein Kind auf dem Wege war, kamen bei Ralf und seiner Frau Zweifel auf.

Thinkstock

"Ich bin schwanger. Ich bin tatsächlich schwanger!", stotterte Melanie in erschrocken-freudigem Tonfall.

"Du bist...was?!, fragte ihr Mann Ralf - vergewissernd, dass er sich nicht verhört hatte.

"Ich bin schwanger. Wir werden Eltern!"

Überglücklich fielen sich die beiden in die Arme und konnten ihr Glück kaum fassen.

Nach all den Stunden, die sie in Wartezimmern verbrachten und all den Hiobsbotschaften, kam dann doch das Happy End. Dazu noch vollkommen überraschend. Aus meiner heutigen Sicht war eine Sache aber ganz entscheidend. Doch dazu später mehr.

Wie bei den meisten in unserem Bekanntenkreis, wollten Melli und Ralf eine Familie gründen. Sie waren damals beide Anfang 30 (er ist Architekt, sie arbeitete als Erzieherin), standen mitten im Leben und wünschten sich ein Kind. Besser sogar zwei. Sie ließen sich nach dem Absetzen der Pille ausreichend Zeit und sie warteten - Monat für Monat - auf den ersehnten Erfolg.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt!", sagte nicht nur der Volksmund, sondern auch Ralf, als wir uns über die seine Familienpläne unterhielten.

"Jeder weiß, dass bestimmte Faktoren stimmen müssen, um schwanger zu werden. Und das kann halt auch mal etwas dauern."

Er spielte auf eine Freundin von ihm an, die kurz nach dem Absetzen der Pille schon nervös auf Ovoluationsstreifen pinkelte, nur um endlich den perfekten Moment zum Beischlaf herauszufinden. Nicht sehr entspannend.

Als aber nach über einem Dreivierteljahr immer noch kein Kind auf dem Wege war, kamen bei Ralf und seiner Frau Zweifel auf.

Die ersten Tiefschläge

"Ist einer von uns vielleicht unfruchtbar? Oder vielleicht sogar beide?!", fragte sich Ralf.

Es folge der Gang zu diversen Fachärzten und Heilpraktikern.

Das Ergebnis: ernüchternd.

Zwar waren weder Ralf noch Melanie komplett unfruchtbar, aber durch "träge Spermien" und ein "wenig einladendes Milieu" war eine Schwangerschaft zumindest "nicht sehr wahrscheinlich".

Aber die beiden ließen sich nicht entmutigen. Sie besuchten Foren, probierten es mit Hausmitteln, redeten mit anderen "Betroffenen" und gingen schlussendlich auf Empfehlung in eine Kinderwunschklinik.

Ralf spricht heute noch von dem ersten Besuch dort und wie er sich schon in der Lobby gefühlt hat.

"Alles war so entspannt eingerichtet. Cremefarbene Wände, an denen eine Menge Bilder hingen. Nicht dieser billige Standart-Kunstdruck-Scheiß, den man sonst überall sieht, sondern eher der geschmackvolle und farblich passende Kram (typisch Architekt halt).

Die Dame am Empfang war total freundlich. Sie sagte, wir sollten kurz Platz nehmen und bot uns Kaffee und Tee im Wartebereich an. Wir blickten uns um und entdeckten einen Haufen Dankeskarten an der Wand. Die Korkplatte, auf denen die ganzen Karten gepinnt waren, konnte man schon kaum mehr erkennen. Das war ein gutes Gefühl - so als würde man nach einer Schifffahrt über raue See wieder den ersten Schritt an Land machen. Und an dem Funkeln in Mellis Augen sah ich, dass sie genau so dachte."

Ein Funken Hoffnung

Nur wenige Minuten später steckte die Ärztin freundlich lächelnd ihren Kopf in den Warteraum und bat die beiden mitzukommen. Sie trug keinen weißen Kittel, wie man es vielleicht erwarten würde. Nur ein kleines Namensschild an ihrer legeren Bluse wies sie als Dr. Christina Rausch und somit als Mitarbeiterin der Klinik aus.

Ralf erzählte mir mal, dass es in ihrem Arztzimmer nicht so aussah, wie er es sich vorstellte. Kein riesengroßer Schreibtisch, hinter dem die Halbgöttin in weiß thronte, sondern es wartete eine gemütliche Sitzecke auf die Beiden.

Ralf betrachtete die Einrichtung und entdeckte an der Wand ein Bild. Darauf posierten Dr. Rausch, ein Mann und zwei kleine Kindern vor dem Eingang eines Freizeitparks.

"Die scheint zu wissen, wie das mit den Kindern geht. Beruhigend.", dachte er sich.

Die Doktorin blickte auf die Berichte der Fachärzte, die Melanie und Ralf im Vorfeld besuchten und runzelte die Stirn.

"Es wird nicht leicht, aber es ist möglich!", sagte sie mit zuversichtlichem Tonfall.

"Der erste Schritt als Basistherapie ist üblicherweise eine erste Hormonbehandlung, um den weiblichen Körper auf seinen neuen Job vorzubereiten. Diese Behandlung ist nicht ganz ohne, weil Symptome wie Schwindel oder Bauchschmerzen auftreten können, aber das werden Sie ganz bestimmt wegstecken können. Parallel schauen wir mal, wie wir Ihre Stresslevel etwas runter bekommen, denn der Kopf spielt da auch eine große Rolle."

"Das mit dem Stress werden wir jetzt angehen, denn wir fliegen übermorgen in den Urlaub und wollen dort etwas Sonne tanken.", warf Melanie ein.

"Guter Plan.", erwiderte Dr. Rausch, "Dann lassen Sie uns einfach einen ersten Termin für die Zeit danach festlegen."

Ein gutes Team mit freiem Kopf kommt ans Ziel

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, wo die Beiden hingeflogen sind. Ich weiß nur, dass sie überglücklich wirkten, als wir sie am Flughafen abholten. Was für eine Story!

Ein paar Tage später traf ich mich mit Ralf auf ein Bier und er erzählte mir von diesem besonderen Tag!

"Melanie wunderte sich eines Morgens, dass ihr übel war. Normalerweise hat sie einen unverwüstlichen Magen und muss nie kotzen. Selbst nach einer langen Partynacht musste sie es nie. Wir warteten also diesen Tag ab, aber es besserte sich nichts. Wir saßen uns also in unserem Hotelzimmer gegenüber und Melanie entschied sich zum Arzt zu gehen. Als sie wiederkam, war sie bleich. Nicht vor Übelkeit, sondern vor Überraschung, Unglaube und grenzenloser Freude!"

Nach mehr als anderthalb Jahren kam endlich das ersehnte Happy-End!

Was ist die Message!?

Diese Geschichte soll nicht zeigen, dass es NUR auf einen freien Kopf und etwas Tapetenwechsel ankommt. Das wäre vermessen und es gibt viele weitere Gründe, warum ein Paar keine Kinder bekommen kann.

Was mich bei Melanie und Ralf beeindruckte, war ihre Entschlossenheit und die Tatsache, dass sie nicht aufgegeben haben.

Sie haben gemeinsam gehandelt und sich gegenseitig unterstützt. Niemand machte dem anderen Vorwürfe oder ließ den Partner am Boden liegen, wenn dieser sich selber die Schuld an der Situation gab.

"Es gab immer mal wieder diese Momente, wo ich davon überzeugt war, niemals Vater zu werden. Melli hatte diese Phasen auch.", resümierte Ralf einmal. "Aber wir waren einfach füreinander da. Wir sprachen mit unseren Eltern, mit Leidensgenossen und mit unseren Freunden. Ich glaube, dieser bedingungslose Rückhalt war das Wichtigste. Das und dass wir uns in diesem Urlaub keinerlei Gedanken und Sorgen über unseren Kinderwunsch gemacht haben."

Und heute?!

Lena - ihre Tochter - ist jetzt fast drei Jahre alt und freut sich auf ihre Schwester, denn Melli ist wieder schwanger.

Und wieder ganz ohne Hormonbehandlung.


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