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02/06/2015 14:44 CEST | Aktualisiert 02/06/2016 07:12 CEST

AIF - aber richtig!

Thinkstock

Alternative Investmentfonds (AIF) sind zu Recht die Hoffnungsträger der Beteiligungsbranche. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, doch Emittenten und Anleger müssen das Konzept auch leben.

Das Kapitalanlagegesetz (KAGB) von 2013 entfaltet nach und nach Wirkung: Vor allem bei geschlossenen Produkten hat sich vieles getan. Die neuen alternativen Investmentfonds sind rechtlich mit offenen Publikumsfonds gleichgestellt und bieten Anlegern inzwischen einen gleichermaßen hohen Grad an Sicherheit.

Insbesondere Immobilienfonds sind während der vergangenen Monate als AIF an den Markt gegangen. Auch Primus Valor hat mit dem geschlossenen Publikums-AIF ImmoChance Deutschland 7 Renovation Plus einen ersten Fonds nach neuer Prägung lanciert. Doch obwohl nach und nach immer mehr Produkte auf den Markt kommen, ist die jüngste Entwicklung eher als Prozess, denn als Ergebnis zu sehen - im Detail gibt es für die Branche noch einiges zu tun.

Der Teufel steckt oft im Detail

Das KAGB regelt neben einer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) begleiteten Prospektierung auch die stete Kontrolle der geschlossenen Publikums-AIF. Kapitalverwaltungsgesellschaft und Verwahrstelle sollen dem Emissionshaus dabei helfen, die Vorgaben des KAGB umzusetzen und Anlegern größtmögliche Sicherheiten zu bieten.

Die neuen Regelungen sehen zudem eine monatliche Meldung an die Bundesbank vor. Diese Form der Regulierung ist im Sinne der Anleger und bietet auch Emissionshäusern stabile rechtliche Rahmenbedingungen.

In der Praxis gibt es hier jedoch auch Unterschiede: Zuletzt gründeten einige Emissionshäuser eigene Kapitalverwaltungsgesellschaften bzw. nutzen statt auf Depotbanken als Verwahrstelle zurückzugreifen sogenannte alternative Verwahrstellen, also z.B. Steuer- und Anwaltskanzleien.

Dies deckt sich zwar mit den gesetzlichen Vorgaben, dürfte jedoch hinsichtlich des Themas „Kontrolle" nicht in vollem Maße den ursprünglichen Absichten des Gesetzgebers entsprechen. Ursprüngliche Absicht des KAGB ist es, zwischen den Organen des Investment-Dreiecks klar zu trennen.

Besser ist es aus diesen Gründen mit unabhängigen Verwahrstellen zusammenzuarbeiten und zudem auf erfahrene Kapitalverwaltungsgesellschaften zu setzen.

Anleger haben die Wahl

Unabhängig vom Erfolg der AIF, bleibt die Beteiligungslandschaft unübersichtlich. Auch heute gehen noch Produkte an den Markt, die nicht den Regeln des KAGB unterworfen sind. In der Praxis handelt es sich dabei oftmals um Nachrangdarlehen oder andere Konstrukte. Investoren müssen sich bei diesen Produkten darüber im Klaren sein, dass sämtliche Innovationen des KAGB in Bezug auf Sicherheit und Kontrolle nicht gelten.

Anleger sollten daher unbedingt darauf achten, echte AIF zu kaufen. Ein Blick in den Emissionsprospekt gibt darüber schnell Aufschluss. Doch auch wenn ein Produkt als AIF firmiert, kann es sich lohnen, genauer hinzuschauen: Nur wenn das Investment-Dreieck aus Emittent, Verwahrstelle und Kapitalverwaltungsgesellschaft unabhängig aufgestellt ist, wird der Geist des KAGB auch tatsächlich gelebt.

Anleger können mit der Wahl ihrer Investments darüber bestimmen, ob AIF auch in Zukunft das erfolgreiche Konzept bleiben, als das sie gestartet sind.


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