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17/03/2016 11:19 CET | Aktualisiert 18/03/2017 06:12 CET

Lost in translation: Wenn die Übersetzung zum Problem wird

Devonyu via Getty Images

Im Exportweltmeisterland Deutschland ist fast jedes zweite Unternehmen auf das Auslandsgeschäft angewiesen. War die Globalisierung früher vor allem für große Konzerne ein Thema, spielt sie heute selbst in den kleinsten Betrieben eine Rolle - schließlich gehören fast hundert Prozent der exportierenden Unternehmen dem Mittelstand an.

Die gesellschaftliche Relevanz der Globalisierung spiegelt sich auch in der hochemotionalen Freihandelsdebatte um TTIP wieder. Noch sensibler ist aber die Wahl der richtigen Worte in der Kommunikation mit internationalen Geschäftspartnern. Wenn sich ein Unternehmer im englischsprachigen Raum beispielsweise als Undertaker vorstellt, kann er seine Geschäftsabsichten gleich begraben.

Nicht viel besser kommt es, wenn sich der Prokurist als Procurer präsentiert, was so viel wie Zuhälter bedeutet. Abgesehen von immateriellen Imageschäden, können Übersetzungsfehler aber auch materiellen Schaden verursachen, für den in der Regel das Unternehmen haften muss.

Aufgrund falscher Übersetzungen gehen Unternehmen alljährlich Wachstumschancen im Ausland verloren. Doch anders als globalisierte Unternehmen mit langjährigen Übersetzungserfahrungen tun sich weniger routinierte Unternehmen schwer mit korrekten Übersetzungen.

Gleichzeitig drängt der stagnierende Absatz hierzulande die Unternehmen zur Erschließung neuer Märkte. Und nicht nur das: Die zunehmend unbeständige Entwicklung der Weltwirtschaft macht ein globales Absatznetzwerk nötig, das je nach Nachfrage flexibel aktiviert werden kann.

Ein Auto namens Misthaufen

Dass fehlerhafte Übersetzungen allerdings nicht nur mittelständische Unternehmen treffen können, zeigen missglückte Marketingkampagnen großer Unternehmen. So hat beispielsweise ein Premiumautomobilhersteller aus Deutschland ein neues Fahrzeugmodell mit einem Namen betitelt, der im Französischen dem Wort "Misthaufen" entspricht.

Hier stellt sich die Frage, wer für den Imageschaden haftet. Auch wenn ein Unternehmen einen externen Sprachdienstleister beauftragt, hat der Auftraggeber in der Regel die Pflicht, die Übersetzung auf Richtigkeit zu prüfen. Noch gravierender sind zudem Übersetzungsfehler bei Gebrauchsanweisungen, durch die Leib und Leben in Gefahr geraten können.

Übersetzungen sind Unternehmensbotschafter im Ausland

Richtig heikel wird es, wenn Geschäftsberichte börsennotierter Unternehmen falsch übersetzt werden. Im schlimmsten Fall können sogar rechtliche Konsequenzen entstehen, beispielsweise beim Begriff "Sachanlagen". Nach IFRS bedeutet Sachanlagen im Englischen "property, plant and equipment", nach HGB "tangible fixed assets".

Der Übersetzer muss mit den Unterschieden zwischen HGB und IFRS vertraut sein. Die Prinzipien dahinter sind unterschiedlich und die Abschlüsse anders aufgebaut. Geschäftsberichte sind aber auch die Visitenkarten eines Unternehmens.

Um die Firmenkultur in einer fremden Sprache richtig wiederzugeben - insbesondere das, was zwischen den Zeilen steht -, brauchen Übersetzer Branchenkenntnisse, ein Gespür für den richtigen Ton und diplomatisches Geschick.

Fettnäpfchen vermeiden

Internationale Präsenz bringt somit die Notwendigkeit mit sich, Produkte und Dienstleistungen in den verschiedensten Sprachen akkurat anzubieten. Werbeanzeigen und Marketingmaßnahmen sollen potenzielle Neukunden in ihrer jeweiligen Muttersprache erreichen, damit diese den Inhalt richtig verstehen und Vertrauen in die Firma gewinnen.

Um Fettnäpfchen zu vermeiden, ist eine grammatikalisch wie inhaltlich korrekte Übersetzung nicht nur hilfreich, sondern unerlässlich - aber ebenso schwierig.

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