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27/01/2016 09:56 CET | Aktualisiert 27/01/2017 06:12 CET

Hört endlich auf, mich zu fragen, wie ich mir das Reisen leisten kann

Immer wenn ich gefragt werde, wie ich mir meine Reisen leisten kann, würde ich am liebsten antworten: „Ich verkaufe Nutella löffelweise und zahle meinen Studentenkredit einfach nicht zurück".

Es ist komisch, dass die Leute wirklich denken, es gäbe da diese eine magische Formel.

Diesen einen universellen Weg, der allen die gleiche Chance gibt, die Welt zu sehen. Aber gleiche Chancen bedeuten noch lange nicht, dass auch alle den gleichen Willen oder die gleiche Entschlossenheit besitzen, sich über den bloßen Wunsch hinaus wirklich auf eine Reise zu begeben.

Was, wenn ich euch sagen würde, dass jedes Mal, wenn ihr fragt, wie sich jemand seine Reisen leisten kann, ein kleiner Welpe stirbt? Wie würdet ihr euch bei dem Gedanken an diesen von euch eigenhändig gegrabenen Friedhof für arme Hundeseelen fühlen, nur weil ihr euch für den Geldbeutel eines anderen interessiert?

Wirklich eine Schande! Schämt euch!

Jeder, der gerne reist, insbesondere die Reiseblogger, werden zu 99 Prozent genau wie ich auf diese Frage reagieren. Eins vorweg, sowohl meine besten Freunde als auch komplett Fremde haben mir diese Frage gestellt und ich halte es niemandem vor. Immer wieder beantworte ich sie, gerne sogar.

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Aber ich fasse mal in drei Punkten zusammen, was ihr beim Stellen dieser Frage nicht berücksichtigt:

Problem 1: Es impliziert, dass Reisen automatisch teuer sind.

Ich sage es immer wieder und bleibe dabei: Reisen ist nur teuer, wenn es so bequem wie möglich sein soll. Bucht ihr einen Flug an einem bestimmten Tag, non-stop, erste Klasse und mit Verpflegung, so bezahlt ihr hier nur für Annehmlichkeiten.

Das klingt auch alles richtig toll, aber wenn ihr auch ein Economic-Ticket am billigsten Tag der Woche (Dienstag) buchen könnt, so nehmt doch einfach das!

Allerdings kann ich schon nachvollziehen, dass die zwei Wochen pro Jahr, die erwerbstätigen Angestellten für ihre Reisen bleiben, die Möglichkeiten doch recht einschränken.

Außerdem wiederhole ich ständig, dass ein längerer Auslandsaufenthalt, der Wohnen und Arbeiten einschließt, die beste und günstigste Möglichkeit ist, mehr und weiter zu reisen. Darüber habe ich hier schon geschrieben.

Nehmen wir Europa als Beispiel.

Wenn ihr schon dort sesshaft seid, habt ihr Billig-Airlines, internationale Bahn- und Busanbindungen und noch einige Möglichkeiten mehr, günstig zu reisen. Meine Rundreise von Barcelona über die französische Riviera mit Stops in Montpellier, Marseille, Saint-Tropez, Nizza und Monaco hat mich zum Beispiel nur 100 Dollar gekostet. Kein Scherz! Weniger als 100 Dollar könnten es dank meiner liebsten Reise- und Spar-Apps werden, über die ich hier schon berichtet habe.

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Problem 2: Es zeigt, dass ihr zu faul für eigene Recherchen seid.

Eine einfache Suche auf Google nach „Wie kann ich günstig reisen?" bringt Millionen Ergebnisse. Manchmal fühle ich mich wie ein Suchfeld, denn in meinem Postfach erscheinen regelmäßig Fragen wie „Welche Länder liegen bei Spanien?". Aha... Ist mein Google schneller als eures? Ich verstehe das nicht.

Wirklich, ich liebes es, Leute bei ihren Reisen zu unterstützen, aber wenn ihr vorher die grundlegenden Nachforschungen selber anstellt und danach mit genaueren Fragen zu mir kommt, ist jedem etwas mehr geholfen.

Ich bin nicht dort, wo ich heute bin, weil ich jedem Reiseblogger oder Unternehmer mit ungenauen Fragen à la „Wie kann ich genau dahin kommen, wo du im Leben bist?" per E Mail bombardiert habe. Das ist eine mehr als ungenaue Frage und unser aller Lebensumstände sind so verschieden, dass kein Weg dem anderen gleicht.

Ich weiß, ihr wollt von jemandem, den ihr kennt und folgt, eine persönliche Anekdote hören, aber vorsorgliche Recherche wirkt wahre Wunder. Der Empfänger eurer Fragen wird wahrscheinlich nicht nur schneller antworten, sondern auch eine Antwort geben, die euch in eurer jeweiligen Situation eher weiterhelfen wird.

Eine allgemeine Vorstellung von Gelegenheiten und Wegen, die Menschen für ihre Reisen nutzen, kann dann zu den wirklich wichtigen Fragen führen. Fragen wie „Kannst du ein besonderes Trainingsprogramm empfehlen?", „Bei welchen Ausgaben sparst du am meisten?" oder sogar „Was war dein erster Schritt, als du angefangen hast zu reisen?".

Das ist doch viel einfacher zu beantworten und es macht auch ehrlich gesagt mehr Spaß.

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Obwohl ich mich selbst noch als Neuling unter den Reisebloggern bezeichnen würde, spiele ich es dennoch manchmal herunter, wie einfach und günstig das Reisen sein kann.

Und ich muss mich immer noch selber daran erinnern, dass nicht jeder sich dessen bewusst ist, dass ich nächste Woche für 30 Dollar von Barcelona in die Schweiz fliegen könnte, wenn ich wollte. Nicht jeder kennt die europäischen Billig-Airlines.

Und nicht jeder bedenkt, dass, wenn man Nordamerika und Europa größenmäßig vergleicht, die Länderreisen in Europa nichts anderes als unsere Reisen zwischen den Bundesstaaten sind.

Alles eine Sache der Perspektive.

EasyJet bietet euch zum Beispiel die fantastische Möglichkeit, ein Preislimit anzugeben und innerhalb dieser Vorgabe nach verfügbaren Flügen zu suchen. Für 25 Pfund, 34 Euro oder 38 Dollar kann ich in über 15 verschiedene Städte in Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich fliegen.

Das ist wirklich Kleingeld. Das entspricht einem Abendessen im Restaurant. Oder einer Woche Starbucks. Oder einer halben Tankfüllung. Perspektive, Leute!

Problem 3: Es unterstellt, dass ihr nicht in der Lage seid, eure Finanzen zu verwalten, ein Sparkonto anzulegen und Geld entsprechend zu auszugeben.

Denkt an Dinge, die ihr liebt und an Dinge, für die ihr feste Summen Geld in die Hand nehmt. Wenn ich feste Summe sage, orientiere ich mich am Flugpreis von Barcelona aus während der Urlaubssaison, also zwischen 35 und 75 Dollar.

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Wenn ich das jetzt mal umkehren und die Leute genauso über die Dinge ausfragen würde, die sie lieben oder für die sie ihr Geld ausgeben, sähe das so aus:

- „Wow, Christin! Wie kannst du dir jede Woche deine neuen Nägel leisten? Ich wünschte, ich könnte das auch!"

- „Hey, Ben! Wie kannst du dir bloß die Saisonkarten für's Stadion leisten? Du hast ein Leben, Junge!"

- „Hi, Julia! „Du kannst dir echt die neue Uhr von Michael Kors leisten? Bitte, sag mir wie du das machst! Du hast ja soooooo ein Glück! Ich wünschte, ich hätte dein Leben!"

- „Oh Mann, Paul! Du kannst jeden Tag in einem anderen Restaurant essen gehen? Wie lange hast du denn dafür gespart?"

- „Hey, Kathy! Wie bezahlst du bloß die ganzen Starbucks-Kaffees jeden Tag? Bekommst du was von deinen Eltern?"

Das sind alles regelmäßige Ausgaben, die niemand in Frage stellt. Das sind einfach die Dinge, für die ihr Geld ausgebt. Also warum ist das Reisen da so viel anders?

Das ist keine Zauberei. Es gibt keine magische Formel. Nur Recherche, Willen und Entschlossenheit.

Mit diesem Text will ich euch klarmachen, dass es so viele Wege und Möglichkeiten für günstiges Reisen gibt, wenn man nur wirklich will. Schon klar, dass unsere Generation die sofortige Befriedigung vorzieht und dass es schön wäre, einfach in zwei Minuten eine E-Mail an einen Blogger zu schreiben, um gleich nächste Woche losziehen zu können. So einfach ist es aber nicht.

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Auf meinem Blog "TheBlogAbroad.com" habe ich bereits einige Tipps und Tricks zur Reisefinanzierung gegeben. Benutzt einfach die Suchfunktion auf meiner Seite, besucht andere Seiten und forscht selber ein wenig nach.

So habe ich meinen ganz persönlichen Weg gefunden. Und dann beantworte ich gerne eure Fragen. Ich möchte euch wirklich helfen. Aber etwas entgegenkommen müsst ihr mir schon. Ich betanke euren Wagen, aber letztendlich müsst ihr Gas geben und selber durchstarten.

Gloria Atanmo auf Twitter: www.twitter.com/GL0

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Thomas Brennecke aus dem Englischen übersetzt.

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