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10/10/2015 10:14 CEST | Aktualisiert 10/10/2016 07:12 CEST

Wenn du kein Rassist sein willst, solltest du DAS beachten

shironosov via Getty Images

Am 31.10. ist wieder Halloween. Für viele von uns bedeutet das, für eine Nacht jemand komplett anderes zu sein, ob nun aufreizend-lasziv im Playboy-Häschen Kostüm oder als maskierter Mörder von Scream. Dann gibt es aber auch diejenigen, die sich um jeden Preis von der Masse abheben wollen.

Beispielsweise mit schwarz angemaltem Gesicht als Somalischer Pirat (weil der gute alte Pirat im Popeye Style mit Augenklappe sooo 2000 ist) oder mit Perücke und Bauchtanzkostüm aus dem letzten Urlaub in Hurghada.

Die wenigsten interessiert, welche Vorurteile diese Kostüme reproduzieren und was die Kostümwahl dadurch so über ihren Träger aussagt. „Was ist an einem Kostüm verwerflich?", werden sich einige jetzt fragen. Ganz einfach: Halloween ist keine Entschuldigung für Rassismus.

Reduziert auf eine negative Eigenschaft

Die orientalische Bauchtänzerin, die sexy little Geisha und auch der muslimische Selbstmordattentäter und auch diese Gruppe hier haben einen gemeinsamen Nenner: Sie sind rassistische Stereotype, die ganze Menschengruppen auf eine häufig negative Eigenschaft reduzieren.

Diese Eigenschaft steht meist in Verbindung mit unserer Vorstellung von Primitivität, Dummheit oder Gewalttätigkeit, die wir auf eine bestimmte Menschengruppe projizieren. Die weiblichen Kostüme sind vor allem exotisierend und hyper-sexualisierend, was mit der Anziehung und Erotisierung des unbekannten „Anderen" zusammen hängt.

Wer mit seiner Verkleidung auf der richtigen Seite stehen will, sollte folgende Tipps beachten:

1. Frag dich, ob du ein Kostüm wählst, das rassistische Vorurteile als Grundlage hat. Mach dir bewusst, dass DU dieses Kostüm für einen Abend trägst. Die Vorurteile, die du dadurch verkörperst, stigmatisieren die Gruppe, die du durch dein Kostüm zu repräsentieren meinst, ein Leben lang.

Falls du nicht die Finger von Sombrero und Poncho lassen kannst, stell dir doch einfach mal die Frage: Was ist es, das mich zum Spott über diese Gruppe von Menschen anspornt? In unserer Gesellschaft wird Weißsein als die Norm betrachtet. Daher ist jeder außerhalb dieser Kategorie potenziell fremdartig, sonderbar, oder belustigend - also perfekt für ein Kostüm, richtig? Falsch!

2. Black-, Brown- und Yellowface sowie Orientalismus sind rassistische Praktiken und nicht damit zu entschuldigen, dass du ein "originelles" Kostüm tragen wolltest oder Sympathien für die jeweilige Gruppe empfindest.

Eine weiße Frau, die meint, sich über Bauchtanz mit mir zu identifizieren, hat etwas Wesentliches nicht verstanden. Sie sucht sich die Bruchstücke aus meiner vermeintlichen Kultur heraus, die sie exotisch und aufregend findet und die für sie konsumierbar sind. Mit den Nachteilen wie anti-muslimischem Rassismus und Vorurteilen wird sie niemals konfrontiert sein.

3. Indem du dein Kostüm mit kulturellen Ausdrucksformen wie indigenem Kopfschmuck, Bindis und Co. oder auch äußerlichen Eigenschaften wie Afros oder Dreadlocks unterstreichst, ignorierst du ihre Bedeutung für die jeweilige Gruppe von Menschen.

Während du zum Beispiel deine glatten Haare für einen Abend unter einer Afroperücke versteckst, werden Menschen mit naturkrausen Haaren angestarrt und ihnen wird tagtäglich in die Frisur gegrabscht. Das Tragen eines Afros als lustiges Accessoire sendet die vollkommen falschen Signale und verstärkt nur die bereits bestehenden Kategorien, in denen glattes Haar als die Norm und krauses Haar als von der Norm abweichend gesehen wird.

4. Frag dich, ob du dein Kostüm auch vor der Gruppe von Menschen tragen würdest, über die du dich lustig machst? Sagen wir, du gehst als „Terrorist" und trägst Galabeya, Kufiya und Sprengstoffgürtel. Immer noch lustig vor jemandem, der dieses Stigma sein Leben lang nicht los

wird?

5. Niemand ist perfekt und alle machen Fehler. Wenn dich eine Person, zum Beispiel aus einer Gruppe, die du mit deinem Kostüm repräsentierst, darauf anspricht, dass dein Kostüm rassistisch ist, geh nicht gleich in den Kontermodus über.

Versuch doch einfach mal, Personen of Color und Schwarzen Menschen nicht über den Mund zu fahren, wenn sie Rassismus thematisieren, denn sie erfahren ihn im Gegensatz zu weißen Menschen am eigenen Leib. Es reicht nicht, zu sagen, du seist ja kein Rassist, wenn deine Taten etwas ganz anderes spiegeln.

Mit dieser Checkliste sollten alle rassismusfrei durch den Abend kommen. Ich bin sicher, ihr findet auch originelle und witzige Kostüme, die nicht herablassend sind. Wer jetzt vollkommen verzweifelt ist, kann sich hier oder hier inspirieren lassen. Ich muss gestehen, mir fehlen die guten alten Monster, Vampire und Zombies. Vielleicht gehen wir dieses Jahr mal wieder back-to-basics? Und ein letztes Wort an alle Witzbolde, die vorhaben, sich als Flüchtling zu verkleiden: bitte...nicht...

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