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03/12/2015 04:54 CET | Aktualisiert 03/12/2016 06:12 CET

Introvertierte Menschen sind nicht schüchtern. Sie sind nur komplexer als du

Gettystock

Es gibt zwei Arten von Menschen, heißt es: Introvertierte und Extrovertierte.

Müssten sie sich für ein Team entscheiden, würden die meisten lieber zu den Extrovertierten gehören. Sie sind diejenigen, die erst in der Schule und später im Job den Ton angegeben haben. Sie hatten immer den größeren Freundeskreis. Sie wirken selbstbewusster und offener.

Obwohl vermutlich die Hälfte der Menschen introvertiert ist, will es kaum jemand sein.

Introvertierte gelten als schüchtern, zurückhaltend menschenscheu. Deshalb sind Introvertierte auch ziemlich gut darin, sich als Extrovertierte auszugeben.

Denn anders als viele glauben, können Introvertierte sehr wohl laut und selbstbewusst wirken. Sie können problemlos auf eine Party mit lauter Fremden gehen und sich mit jedem unterhalten. Sie können Smalltalk machen und Reden halten.

Sie tun es nur einfach nicht so gerne.

Denn es ist ihnen einfach nicht so wichtig, jeden ihrer Gedanken mit einem Publikum zu teilen. Sie können sich ganz allein daran erfreuen. Sie müssen nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Und sie sehen nicht ein, warum sie sich einen Abend lang mit Menschen unterhalten sollen, die ihnen nicht wichtig sind.

Das sind keine schlechten Eigenschaften. Warum verbinden also so viele etwas Negatives mit Introvertiertheit?

Ein Blick in den Duden könnte ein Anhaltspunkt sein. Zu dem Begriff "introvertiert" sind da folgende Adjektive aufgelistet: verschlossen, zurückhaltend, distanziert, zugeknöpft.

Ganz anders sieht es bei dem Begriff "extrovertiert" aus: aufgeschlossen, gesellig, kontaktfreudig, weltoffen, kommunikationsfähig.

Ganz offensichtlich gibt es da ein paar große Missverständnisse. Introvertierte sind nicht schüchtern und verschlossen. Sie sind einfach komplexer als andere Menschen.

Wenn sie still sind, liegt es nicht daran, dass sie nichts zu sagen haben. Sie hören zu oder denken darüber nach, was gerade gesagt wurde.

Wenn sie alleine sind, sind sie nicht einsam - sie sind unabhängig von der Bestätigung anderer.

Wenn sie zurückhaltend wirken, sind sie nicht schüchtern - sie haben eine bewusste Entscheidung getroffen, lieber nichts zu sagen. Schüchterne hingegen handeln aus einer Angst heraus, von ihrem Gegenüber nicht akzeptiert zu werden.

Introvertierte werden häufig falsch verstanden, weil ihre Persönlichkeit sehr vielschichtig ist.

Alethia Luna, Autorin des Buches "Quiet Strength: Embracing, Empowering and Honoring Yourself as an Introvert" bringt es sehr gut auf den Punkt:

"Wenn du ein introvertierter Mensch bist, bist du mit einem Naturell geboren, das sich danach sehnt, allein zu sein, das sich an bedeutsamen Beziehungen erfreut, das denkt, bevor es spricht und beobachtet, bevor es sich annähert.

Wenn du introvertiert bist, wächst du an dem inneren Zufluchtsort deines Verstandes, Herzes und Geistes, aber flüchtest vor der äußeren Welt voller Lärm, Drama und Chaos. Als Introvertierter bist du sensibel, einfühlsam, sanft und reflexiv. Du agierst lieber hinter den Kulissen, bewahrst deine wertvolle Energie und beeinflusst die Welt auf stille, aber kraftvolle Weise."

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