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14/04/2016 14:19 CEST | Aktualisiert 15/04/2017 07:12 CEST

Wer hat Schuld? Der „Parkfall"

Robert Bocian via Getty Images

Man parkt am Straßenrand, öffnet die Fahrertür, steigt aus und geht seiner Wege. Ein alltäglicher Vorgang, der erst dann Anlass zum Reflektieren über das eigene Verhalten und die Rechtslage bietet, wenn's kracht. Dann stellt sich die Frage, wie groß der Abstand vorbeifahrender Fahrzeuge zu geparkten sein muss und wie viel Vorsicht vom Aussteigenden gefordert wird.

Die Straßenverkehrsordnung hilft nicht weiter

§ 1 Grundregeln

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Der Blick ins Gesetz macht zunächst nur klar, dass gegenseitige Rücksichtnahme angesagt ist. Die Konkretisierung dieser fast schon als Bitte formulierten Aufforderung erfolgte über die Jahre und Jahrzehnte durch die Gerichte. Daraus entstand eine ziemlich klare Rechtsauffassung: Der Ein- oder Aussteigende muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Da er ein natürliches Interesse daran hat, eine Eigengefährdung auszuschließen, kann erwartet werden, dass er, wenn er sich außerhalb seines Fahrzeugs befindet, den Verkehr beobachtet und sich vorsichtig bewegt.

Wer die Fahrertür von innen öffnen will, hat hingegen Rücksicht auf den fließenden Verkehr zu nehmen. Es gilt also, den Verkehrsraum nach hinten durch die Rückspiegel und, falls möglich und vorhanden, durch die Fenster zu beobachten und erst dann die Tür zu öffnen, wenn sich kein Fahrzeug nähert. Auch dann darf sie zunächst nur langsam spaltbreit geöffnet werden -- was von Verkehrsrichtern mit bis zu 10 Zentimeter definiert wurde -- und weiter erst dann, wenn sicher ist, dass eine Behinderung oder Gefährdung ausgeschlossen ist.

Keine unliebsamen Überraschungen

Grundsätzlich hat der fließende Verkehr Vorrang gegenüber dem ruhenden. Niemand muss beim Vorbeifahren an geparkten Fahrzeugen mit einem plötzlichen weiträumigen Öffnen von Fahrzeugtüren rechnen, sondern lediglich mit einem spaltbreiten Öffnen. Der einzuhaltende Seitenabstand darf demnach deutlich geringer sein als beim Überholen und im Begegnungsverkehr, wo ein Meter als angemessen gilt. Kommt es zu einem Unfall, spricht der Anscheinsbeweis grundsätzlich gegen denjenigen, der sein geparktes Fahrzeug verlassen wollte -- die Schuldfrage ist im Fall des Falles damit relativ einfach zu klären.

Mehr von mir können Sie auf meiner Website und meinem Blog nachlesen.

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