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06/09/2014 12:42 CEST | Aktualisiert 06/11/2014 06:12 CET

Was Online-Shopping über Ihre Persönlichkeit verraten könnte

Creatas via Getty Images

Beim Online-Shopping sind wir meistens ganz für uns allein. Zeigen wir beim Einkaufsbummel auf der Couch also unser wahres, unverfälschtes Ich? Aus den folgenden Fakten kann man steile Thesen entwickeln und Rückschlüsse auf unseren Charakter ziehen.

Das kaufen wir am häufigsten im Netz

45 Millionen Deutsche haben laut Umfragen im Jahr 2013 im Internet eingekauft. Die Spitze der Online Shopping-Charts* ist recht unspektakulär. Die meisten Kunden in Deutschland haben 2013 Kleidung und Schuhe im Netz gekauft. Wen wundert's, bei all der Werbung. Dicht gefolgt von den rund 18 Millionen Buchfans, die zu bequem waren, eine der sterbenden Buchhandlungen um die Ecke zu besuchen - man verzeihe mir den kritischen Einschub. Auf dem dritten, vierten und fünften Platz folgen noch Eintrittskarten, CDs und schließlich Reisen.

Zugegeben, diese Statistik sagt noch herzlich wenig über uns aus. Nur eben, dass die Zalandos und Amazons dieser Welt immer beliebter werden und Online-Shopping einfach zu bequem ist, um darauf zu verzichten.

Billig und schnell muss es gehen

Am liebsten vergleichen die Befragten Preise auf Google.** Das lässt zwei Annahmen zu. Erstens: Wir haben es sehr eilig und haben gelernt, dass uns Google schnell die besten Ergebnisse zum Vergleichen ausliefert. Wir haben es sogar so eilig, dass wir das Einkaufen abbrechen, wenn eine Seite nicht schnell genug lädt. Und zwischen schnell und langsam liegen für Online-Shopper Bruchteile von Sekunden. Amazon hat errechnet, dass sein Jahresumsatz um ein ganzes Prozent (über 240 Millionen Dollar) schrumpfen würde, wenn der Shop nur um 100 Millisekunden langsamer wäre. Wo wir schon bei Amazon sind: Der Shopping-Riese ist hierzulande die Nummer zwei aller Online-Shops. Beliebter ist nur noch ebay.de, was meine steile These zulässt, dass wir chronische Sparfüchse sind, immer auf der Suche nach dem nächsten Schnäppchen. Und diesen Drang lassen wir im Internet raus. Am knausrigsten sind wir übrigens bei Elektronik. Hier gaben 75 Prozent der männlichen und 60 Prozent der weiblichen Portalnutzer an, Preise zu vergleichen.

Wir sind Romantiker

Dass wir echte Romantiker sind, zeigen die kürzlich veröffentlichten "Charts der meist verschenkten Unternehmungen" des Online-Shops mydays. Der Anbieter führt in seiner Hitliste der beliebtesten Erlebnisgeschenke das Krimi & Dinner (Platz 1), das Dinner in the Dark (Platz 2) und das Candle Light Dinner für Zwei (Platz 3). Dass wir beim Schenken Romantik dem sportlichen Abenteuer vorziehen, zeigt auch Google Trends.

Wir machen es gerne selbst und wollen mitreden

Wie geschaffen für den Do-It-Yourself-Trend ist das Internet. Über 70 Prozent der Kunden verschenken selbst gemachte Produkte am liebsten zu Geburtstagen, Weihnachten und anderen Feiertagen. Unter dem Stichwort Mass Customization rangieren immer mehr Online-Shops im Netz, die uns zu Produktdesignern machen wollen. Bei selbst gemachten Produkten ist uns Handlichkeit, Nutzen und Kreativität wichtig, besonders aber die Individualität und Einzigartigkeit der Produkte, die dabei rauskommen. Das hat eine Umfrage von Tomorrow Focus Media ergeben (Seite 11).

Nachdem MyMüsli längst in den Alltag (auch offline) eingezogen ist und über 400 000 von uns Pralinen auf www.chocri.de selber gestaltet haben, verwenden wir auch immer mehr Konfiguratoren mit praktischem Nutzen. Bei virtuellen Designern wie www.esstische.de macht man sich zum Beispiel einen Esstisch aus Massivholz selbst, ein ganzes Wohnzimmer kann man sich im Moodboard von fabrooms.de konfigurieren, einen High-End-Gaming-Rechner mit dem PC-Konfigurator von www.alternate.de. Die Liste der Möglichkeiten, unser ganzes Leben in einen Baukasten zu verwandeln, ist lang. Die mehr oder weniger nützliche Welt der personalisierten Produkte können Individualisten auf dem Verzeichnis www.egoo.de erkunden. Aktuell verweist das Portal auf über 500 Shops, bei denen Kunden mitreden dürfen.

Steiles Fazit: Wir könnten schlimmer sein

Unterm Strich sind wir also romantische Schnäppchenjäger. Alles halb so wild. Wir sind zwar ungeduldig, nehmen uns aber auch Zeit, um für Freunde etwas selbst zu basteln. Wenn es nicht gerade um Kleidung und Elektronik geht, schätzen wir Kreativität beim Einkaufen und lieben alles zum selber zusammenklicken. Die meisten von uns fürchten sich außerdem vor Kaufsucht***, aber nicht so schlimm. Denn Sparsamkeit gehört zu unseren Tugenden, was Preisvergleiche boomen lässt. Wenn wir uns beim Shoppen etwas mehr Zeit lassen und auch mal einen Euro mehr hergeben würden, würden sich klassische Geschäfte wie Buchhandlungen außerdem sehr darüber freuen.

* VuMA 2013

** INTERNET WORLD Business 14/14, Seite 16

***Spiegel; Manager Magazin 2007