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04/07/2015 09:51 CEST | Aktualisiert 04/07/2016 07:12 CEST

Warum Technologie die Welt (noch) nicht zu einem besseren Ort macht

Guido Mieth via Getty Images

Den Wasserkocher per Smartphone steuern, in der U-Bahn mit einer Fremdsprachen-App ein bisschen Italienisch lernen oder sich dank virtueller Karte nie wieder verirren: die vollkommene Technologisierung unseres Lebens ist weiterhin auf dem Vormarsch. Zweifellos sind technischen Neuerungen im Alltag wirklich hilfreich.

Das hätte Oma gefreut: Der Staubsauger-Roboter, der von selbst lossaugt, oder der Rasenmäher-Roboter. Etwas neuer: der Ofen, der sich auf Knopfdruck selbst reinigt. Oder die Heizung, die man von der Ferne ausschalten kann, per Druck aufs Smartphone oder Tablet. Das selbstfahrende Auto. Für alles uns jeden, der das nötige Kleingeld hat, wird ständig neues Zeug entwickelt, das alles noch einfacher, schneller, besser machen soll. Dabei hat die Technologisierung des Alltags aber nicht nur gute Seiten.

Die Angst, ersetzt zu werden

Die Furcht, dass die Maschine den Menschen überleben könnte - diese düstere Dystopie scheint heute realer denn je. Die Angst vor der Ersetzbarkeit ist ein Teil des normalen Berufslebens geworden und zeigt sich zum Beispiel, wenn die Fastfood-Kette McDonalds statt neuen Arbeitern SB-Terminals in ihren Filialen testet. Die sind schneller - und somit billiger.

Denn die Effizienz der Maschinen übertrifft die eines Menschen um Längen; allein die ständige Verfügbarkeit eines Computers, unabhängig von Tages- oder Nachtzeiten, kann für ein Unternehmen ein jährliches Plus in Millionenhöhe bedeuten. Schon jetzt buchen rund 23 Millionen Deutsche ihre Reisen online - niemand muss sich mehr an die Öffnungszeiten eines Reisebüros halten, sondern hat 24 Stunden am Tag die Möglichkeit, sich der persönlichen Urlaubsplanung zu widmen.

Maschinen statt Mitarbeiter

Der Ökonom Jerry Bowles hat im Jahr 2014 Berechnungen aufgestellt, in welchem Ausmaß die Technologisierung innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre bestehende Arbeitsplätze gefährdet. Er kam zu einem erschreckenden Ergebnis: in Portugal sind rund 59 Prozent der Arbeitsplätze durch den technischen Fortschritt gefährdet, in Deutschland sind es 51,1 Prozent.

In Großbritannien, wo viele Jobs dem Dienstleistungssektor entspringen, ist die Quote mit 47,2 Prozent noch etwas geringer - trotzdem ist die Aussicht auf eine nahezu vollkommen mechanisierte Arbeitswelt nicht besonders rosig. Auch andere Studien bestätigen, dass Technik Arbeitsplätze vernichten könnte.

Die technologische Arbeitslosigkeit

Dennoch ist die Angst vor dem unaufhaltsamen Voranschreiten der Technik kein neues Phänomen. Der Ökonom John Maynard Keynes prognostizierte bereits 1930 eine "neue Krankheit", die er "technologische Arbeitslosigkeit" nannte. "Gemeint ist damit", schrieb Keynes in seinem Essay Ökonomische Chancen für unsere Enkel, "eine Arbeitslosigkeit, die dadurch entsteht, dass unsere Möglichkeiten, Arbeit einzusparen, schneller zunehmen als wir neuen Gebrauch für Arbeit finden."

Schafft sich die Menschheit durch ihre selbst geplante Technologisierung allmählich ab? Natürlich liefere der IT-Fortschritt auch Millionen neuer Jobs, betonte der MIT-Ökonom Andrew McAfee im SPIEGEL. Aber: "Die parallel ausgelösten Verwüstungen in anderen Branchen werden am Ende größer sein." Schon jetzt sinke die Liste der Tätigkeiten rasant, in denen Menschen besser als Maschinen sind.

Von heute auf morgen wird die Technologisierung nicht vonstatten gehen, da sind sich alle Experten einig. Viele Berufsfelder seien außerdem in absehbarer Zeit gar nicht von Maschinen bedroht - Servicekräfte und Lkw-Fahrer zum Beispiel. Aber auch das ist nur eine Frage der Zeit.

Noch undenkbar: In der Sonne liegen, während Maschinen die Arbeit machen

Viel größer scheint bei genauem Hinsehen der Wahnsinn, dass Menschen um ihren Lebensunterhalt bangen müssen, wenn es darum geht, dass Maschinen ihren Platz einnehmen könnten. So richtig profitieren würden heute Menschen von nahezu vollständiger Technologisierung nur, wenn sie genug Geld hätten, um sich den Spaß auch leisten zu können. Da möchte man an Star Trek und Raumschiff Enterprise denken: für mehr oder weniger alles gibt es im Film eine technische Lösung.

Da finden sich die Menschen in einer eher komfortablen Lage wieder, als sich darum zu sorgen, woher das Geld übermorgen kommen soll, wenn morgen ein Apparat die Arbeit erledigt. Kleiner Haken im echten Leben: es geht eben mehr ums Geld verdienen, als darum, die notwendige Arbeit für alle Beteiligten optimal zu organisieren. Kritik an Technologie wirkt schnell kindisch - und die Fiktion des 24. Jahrhunderts hat unserer Gegenwart etwas voraus.


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