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06/11/2015 04:59 CET | Aktualisiert 06/11/2016 06:12 CET

Wie Firmen mit Bloggern arbeiten sollten - und wie es schief geht

Thinkstock

Viele Blogger fragen sich früher oder später: wie komme ich an bezahlte Kooperationen? Interessierte Unternehmen gäbe es viele. Allerdings kann eine Kooperation auch beiden Seiten schaden.

Blogger müssen ihren Fans treu bleiben und Unternehmen sollten keine Zeit und Energie mit Aktionen verschwenden, die nur dem Marketing-Chef, aber nicht der Fangemeinde gefallen. Ich habe mit zwei Unternehmen gesprochen, die erfolgreich mit Bloggern zusammenarbeiten. Von denen können sich sowohl Blogger als auch Marketer noch etwas abschauen.

Beispiel 1: Sparhandy produziert Videos mit YouTube-Stars

Sebastian Gebert arbeitet bei der Sparhandy GmbH und hat eine Aufgabe, die es in der Form vor einigen Jahren noch nicht gab: Er pflegt regen Kontakt mit YouTubern und Bloggern. Zum Beispiel produziert das Unternehmen mit den YouTubern SwagTab und FuchsPhone zusätzlich zum gleichnamigen Blog den YouTube-Channel „Sparmag".

Wenn es nach Sebastian Gebert geht, müssen viel mehr Unternehmen den Weg der direkten Kooperation mit Bloggern gehen, anstatt auf Netzwerke oder Agenturen zu setzen, die Blogger nur an Unternehmen vermitteln: Im Interview auf medianauten.net sagte mir Sebastian Gebert:

„Bei der Suche nach YouTubern sollte man sich nicht nur auf einen Ansprechpartner in einem Blogger-Netzwerk verlassen, sondern sich selber ein Bild von der Fangemeinde des YouTubers oder Bloggers machen. Und dann entscheiden, wie eine Marke und ein Produkt am besten eingebunden werden können. Meistens haben die YouTuber selber auch wesentlich bessere Ideen, weil sie ihre Fans einfach kennen. Und somit besser entscheiden können, was in einer Kooperation funktioniert und was nicht."

No-Gos in einer Kooperation

YouTuber Franz Feuerer, der unter dem Namen SwagTab seine Videos hoch lädt, ist beim Thema Zusammenarbeit mit Unternehmen mittlerweile rigoros: „Sobald eine Firma mir vorschreiben möchte, wie meine Videos inhaltlich auszusehen haben oder versucht, mir meine eigene Meinung zu verbieten, breche ich den Kontakt sofort ab."

Eigentlich nur verständlich, Blogs und YouTube-Kanäle leben immerhin von ihrer Glaubwürdigkeit. Eine schlechte Kooperation oder sogar die eigenen Meinung zu verkaufen, ist kontraproduktiv, für die Blogger und die Unternehmen.

Sind Blogger Relations-Agenturen ein Muss?

Auf meine Frage, ob Netzwerke und Agenturen hilfreich für eine Zusammenarbeit sind, winkt Sebastian Gebert ab: „Ich denke, dass viele Agenturen und Netzwerke sich gut verkaufen können, aber sich zu wenig in den Kunden reinversetzen können.

Wir als Unternehmen im Mobilfunk-E-Commerce können zum Beispiel wenig mit Werbung auf Channels von LetsPlayern anfangen. Aber genau das wurde uns von einer Agentur bewusst so angeboten. Mit solchen Aktionen züchtet man sich nur unzufriedene Kunden hoch."

YouTuber Franz Feuerer sieht das ähnlich: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Netzwerke oder Agenturen eher stören. Sie fungieren oft als „Zwischenmann" und verhindern die direkte Kommunikation zwischen Unternehmen und YouTuber. Dadurch verzögert sich alles und es kommt leichter zu Missverständnissen."

Beispiel 2: Green Pearls arbeitet mit handverlesenen Reiseblogger zusammen

Vielen Unternehmen ist nur die Reichweite der Blogger wichtig - während die Inhalte egal sind. Christine Maul-Pfeifer von Green Pearls sieht das ganz anders. Sie betreut unter anderem den Blog rund um nachhaltige Hotels und Reisedestinationen von Green Pearls und geht die Zusammenarbeit mit Bloggern anders an:

„Wir achten im Vorfeld unserer Recherche sehr darauf, ob die Reise-Blogger einen gewissen Grad an Umweltbewusstsein mitbringen und sich im besten Fall schon mit dem Thema nachhaltigen Reisen auseinander gesetzt haben. Nur so passen sie auch wirklich zu unserer Nische und zu unserem Blog. Viele Blogger sind dann total positiv überrascht, dass wir uns vorab so intensiv mit ihren Inhalten beschäftigt haben."

Wie die Zusammenarbeit dann im Einzelnen aussieht, handelt die Communication Managerin für Social Media individuell mit jedem Blogger aus. Je nach Wünschen und Themen-Schwerpunkten des Bloggers, werden die nämlich auf unterschiedliche Reisen geschickt.

„Wir haben schon Foodblogger mit dem Chefkoch in einem österreichischen Resort ein saisonales, regionales Menü kochen lassen oder eine Bloggerin in Italien die grüne Seite des Landes entdecken lassen", sagt Christine Maul-Pfeifer. Dabei ist Green Peals Transparenz und Ehrlichkeit in einer Kooperation besonders wichtig, nicht nur die Reichweite und Leserzahl eines Bloggers.

Wie Blogger Relations wirklich funktioniert

Das Erfolgsrezept für gelungene Blogger Relations lautet zusammengefasst: Nichts geht ohne den persönlichen Kontakt zum Blogger. Das kann mitunter sehr aufwändig sein. Aber nur so kommen Blogger und Firmen auf gute und frische Ideen, die dann auch die Fangemeinde der Blogger oder YouTuber interessieren.

Unternehmen sollten Bloggern dabei möglichst viel Freiraum lassen - dann entstehen die besten Ideen und Aktionen. Erfolg merkt man außerdem nicht nur am Zugewinn von Reichweite, sondern auch daran, dass die Kooperation einfach Spaß macht.

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