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05/12/2016 10:42 CET | Aktualisiert 06/12/2017 06:12 CET

Einen EU-Austritt werden wir Italiener nicht wagen

Tony Gentile / Reuters

Europa schaut nach dem Referendum mit großer Sorge nach Italien. Viele fürchten, dass das Land in eine noch schärfere Wirtschaftskrise stürzt und damit die Eurokrise zurückkehrt. Oder, noch schlimmer, dass wir dem Beispiel Großbritanniens folgen und die EU verlassen.

Zuallerst: Italien hat mit dem Referendum eine große Chance verspielt, das Land zu reformieren. Renzis Papier hätte unser höllische Bürokratie gemindert und der Wirtschaft geholfen. Dass sich die Wirtschaftskrise verschlimmert, ist nun wahrscheinlicher geworden. Aber ich vermute, dass die meisten Italiener das Papier nicht durchgelesen haben, über das sie abgestimmt haben.

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Denn - und das ist die wichtigste Botschaft dieses Referendums - sie sind wütend auf die Politik. Ähnlich wie in den USA mit der Trump-Wahl und dem Brexit haben sich die Bürger mit einem lauten Schrei zu Wort gemeldet.

Für Italiener ist die EU ein Zoo voller Bürokraten

Sie haben mit ihrem Nein ihrer Unzufriedenheit über Renzi und der gesamtem politischen Klasse zum Ausdruck gebracht - und zu ihr gehört eben auch die EU. Nach zehn Jahren Wirtschaftskrise blicken sie mit Angst in die Zukunft. Und daran geben auch viele Brüssel die Schuld, was in der Frage über den Italexit eine entscheidende Rolle spielt.

Für Italiener ist die EU ein Zoo mit sehr vielen komischen Tieren, die Bürokraten heißen. Für sie steht der Staatenbund nicht für Hoffnung, sondern für ein Monster aus Regeln und Vorschriften, die ihnen nichts bringen.

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Deutschland muss eine Führungsrolle übernehmen

Das muss sich Brüssel zu Herzen nehmen, nach dem Referendum mehr denn je. Die EU muss lernen, nicht nur über Defizite und Zahlen zu reden, sondern zum Beispiel über die junge Generation, über Arbeiter, über Arme. Diese Menschen brauchen die EU jetzt dringender denn je - gebt ihnen die Hoffnung zurück, damit sie die Zukunft eben nicht fürchten müssen!

Dafür brauchen wir ein starkes Europa.

Deutschland - und das ist die Botschaft des Referendums nach Berlin - muss in der EU eine Führungsrolle übernehmen. Deutschland ist das einzige Land, das sowohl wirtschaftlich als auch politisch stabil und mächtig genug ist, um diese Rolle auszufüllen. Wenn das nicht gelingt, wird Europa auseinanderfallen. Und das dürfen wir nicht zulassen.

Aber ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht. In schwierigen Zeiten sind Italiener immer bereit, ihr Beste zu geben. Sie wissen, dass sie sich eigentlich als Europäer fühlen. Die meisten möchte in der EU bleiben. Wir sind keine Nationalisten, wir sind kein rechtes Land. Wir würden den Austritt nicht wollen - und sicher auch nicht wagen.

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