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27/01/2016 08:18 CET | Aktualisiert 27/01/2017 06:12 CET

Ted Cruz: Im Guidomobil durch den Wilden Westen

Bloomberg via Getty Images

Gerade erst geht der Kampf um die Präsidentschafts-Kandidatur so richtig los. Auch wenn Donald Trump, den, wie Nicolas Richter in der Süddeutschen vom 23./24.1.16 schreibt, "die halbe Welt für einen Clown hält" in der Zirkusarena republikanischen Schaulaufens schon seit längerem die (Clown-)Nase vorn zu haben scheint, geben sich die anderen, die ebenfalls antreten, um den in ihren Augen noch amtierenden Demokratenclown im Weißen Haus abzulösen, längst noch nicht geschlagen.

Sarah Palin: Die Wiederauferstandene an der Seite von Trump

Aber mit Sarah Palin, eigentlich längst untergegangen, jetzt aber wiederauferstanden, hat "The Donald" seine eigene Kampagne mit der für Populismus und mangelnden Sachverstand gleichermaßen bekannten Ex-Frontfrau der Teaparty-Fraktion aufgerüstet.

Schwere Zeiten also vor allem auch für Ted Cruz, der Trump gerne rechts, wenn sein müsste erst am Ortsschild von Washington D.C., überholen würde. Kein Wunder also, dass er jetzt, wo es um die Wurst geht, allen Mut zusammennehmen muss, um nicht in Jeans statt Nadelstreifen im Schlick des angeblich viel zu liberalen, aber dennoch vielbejubelten Trumpismus auf der Ziellinie stecken zu bleiben.

Im Guidomobil durch den Wilden Westen

Courageous Cruzer prangt von dem Bus (bei uns nennt man solche Fahrzeuge bekanntlich Guidomobile, seit Gudio Westerwelle seinerzeit mit einem ähnlichen Gefährt im Wahlkampf getourt ist), mit dem Ted Cruz, Sohn eines aus Kuba stammenden Predigers, in Iowa, einem der bigottischen Stammlande fundamentalistischer Evangelicals, durch die ländlich-weiße Provinz cruist, wo sich sonst wohl kein anderer Jihadist wahrscheinlich je hinverirren wird, die Angst vor dem radikalen Islamismus aber um so größer ist (Wen erinnert das nicht an Sachsen, wo die Angst vor Ausländern so groß ist, dass sich dort schon längst keiner mehr niederlässt.).

Dass Cruz fest an der Seite der Gunfighter-Fraktion der National Rifle Association steht, die Gegner des Waffenwahns in den Staaten, fest verbarrikadiert hinter ihrer Berufung auf die Verfassung, aus allen Scharten beschießt, und dem Schwangerschaftsabbruch, wie eigentlich alle Republikaner, den Kampf angesagt hat, das nur der Vollständigkeit halber.

Heidi, Schutzengelmadonna aus dem Goldman-Sachsenland

Dort zwischen Waukon, Decorah, Cherokee und Hinterpfuideifel findet Cruz, händchenhaltend mit seiner Allzweckwaffe und Ehefrau Heidi (ja, so Alpendeutsch heißt seine Frau, von der ihre Anhänger sagen, sie sei der „Jackpot" der ganzen Cruzcampaign) findet er die Gläubigen, auch mal in einem heruntergekommenen Landpub versammelt, (für einen wie „The Donald" undenkbar!), die jeden seiner missionarischen Ausfälle auf seinem Kreuzzug gegen die „blutsaugenden Parasiten" in Washington, den Schwächling Obama and so on, mit den gleichen ekstatischen „Amen-Amen-Amen"- Rufen bejubeln wie auf einem Massen-Anti-Christ-Prophezeiungsevent von Billy Graham, dem baptistischen Erweckungsprediger. Und an seiner Seite eben Heidi die, obwohl sie mal Vizepräsidentin von Goldman Sachs gewesen ist, die Schutzmantelmadonna aller Nur-Hausfrauen- und -mütter gibt.

In bewusstlosen Sphären

Dass in Anbetung des Gotteskriegers Cruz dann schon mal wie bei einem Stopp an einer Pizza Ranch in Pocahontaseine Frau in Ohnmacht fällt, ist, so gesehen, nicht verwunderlich - das ist im Übrigen schon auf anderen Wallfahrten vorgekommen: nach Rom oder Woodstock beispielsweise oder zu den Beatles, den Göttern der heutigen Sixty+-Generation, zu den Teenie-OlympiernTake that, zum SchnulzengottJulio Iglesisias, zur Sexmachine und Godfather in einem, James Brown, oder, man kann sich's eigentlich nicht anders vorstellen, zum Pandabemaskten Rapper Carlo Waibel alias Cro ... will eigentlich sagen: Es zeigt, in welchen bewusstlosen Sphären sich die cruzifizierten Jünger und Jüngerinnen des Predigersohnes bewegen.

Himmel oder Hölle im Wilden Westen

Wie andere Evangelibans bei uns (ja die gibt es), die für sich reklamieren, „keine Denkverbote für das Reden über den Glauben, über das Leben, über Gott und die Welt" zu haben, himmeln sie drüben Cruz dafür an, dass er mit ihnen Himmel oder Hölle spielt, nur mit dem zugegeben gewaltigen Unterschied zu diesem bekannten Spiel, dass künftig jeder, dann auch zwischen Laramie und Dodge City im Wilden Westen und anderswo, schon bei dessen ersten Worten einer Cruzpredigt weiß, wo der Himmel und wo die Hölle ist: „Ich ersuche Sie zu beten, auch wenn es nur eine Minute am Tag ist", so einer der Kernsätze von Ted Cruz auf der Courageous-Cruzer-Rally, und das Gebet, das er anstimmt, flattert allen Hoffnungen und Wünschen der Zuhörergemeinde voran wie die Fahne im Horst-Wessel-Lied, das heute hierzulande, dem Himmel sei Dank, nur noch jene kennen, die im Nebel der Pegidasierung und populistischen AFDisierung von Angstbürgerinnen und -bürgern irgendwo in Deutschland als rechte Wutbürger Jagd auf so genannte „Kinderschänder" und Flüchtlinge machen.

Gottvater, erwecke den Leib Christi

Gottvater, bitte setze dieses Erwachen fort und führe diese spirituelle Erneuerung fort. Erwecke den Leib Christi, um uns vor dem Abgrund zurückzureißen!" dröhnt das rituelle Wahlkampf-Stoßgebet von Ted Cruz aus den Lautsprechern des Courageous Cruzers und die cruzifizierten Anhänger im Land der Evangelibans beten, angetreten für den Weckruf und zugleich doch auch irgendwie weggetreten, begeistert mit.

Dann allerdings lieber "The Donald", solange er auf die Rolle des Pausenclowns beschränkt bleibt, bei der Wahl zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. - Amen.