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13/10/2015 10:46 CEST | Aktualisiert 13/10/2016 07:12 CEST

Wie mein Computer schon vor 17 Jahren den VW-Abgas-Skandal enthüllte

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Es stinkt zum Himmel - und das gleich mehrfach, ein mehrdimensionaler Gestank, den VW in die Welt gesetzt hat und von einem eingebauten Computerprogramm für die Abgasmessung von Dieselmotoren ausgeht. Es liefert mangelhafte, falsche oder manipulierte Werte. Die Empörung über dieses abgasige Qualitäts-Produkt geht rund um die Welt...

Doch warum stinkt es erst 2015 und empört Alle?

Schon im Jahre 1998, also vor 17 Jahren, hatte mein PC mich (und alle anderen, die es hören und lesen wollten) vor den Emissionen des VW-Diesels gewarnt, schwarz auf weiß, am Bildschirm oder auf Papier.

Das ist jedoch kompliziert und nur zu verstehen, wenn man einen Blick unter die Motorhaube und die steuernde Computersoftware wirft.

Computer sind Maschinen, die blitzschnell rechnen und speichern können, mit menschlichen Maßstäben gemessen, sind es Vollidioten schlimmster Sorte mit gefährlich rasanten Spezialfähigkeiten. Und wie idiotisch diese Maschinen heute arbeiten, erleben wir täglich, wenn sie unfreundlich, frustrierend und ärgerlich mit uns umgehen. Denken Sie nur an die Software von Microsoft und Internetprovidern und vielen anderen.

Doch diesen Ärger verursacht nicht der Computer, sondern die Software, die den idiotischen Computer steuern und dazu bringen sollen, für uns etwas Angenehmes, Nützliches oder Ärgerliches oder Katastrophales anzustellen. Und des Pudels Kern: Die Qualität, der Pfusch und die Intelligenz oder Dummheit der Dienstleistungen des Computers hängen ab von der Qualität der Softwareentwickler, der benutzten Softwaretechnologie und von einer funktionierenden Qualitätssicherung für die Softwareentwicklung.

Mängel, Pfusch, Irreführung und Betrug durch Software sind eine Folge fehlender oder unzureichender Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung. Obwohl es in Europa für allen möglichen Fug und Unfug technische Standards und Normen gibt, fehlt er für die Softwareentwicklung immer noch. DIN- und ISO- Gremien schlafen den Schlaf des Ungerechten.

Und sicher werden noch schwere Krisen und Katastrophen in anderen wichtigen Lebensbereichen folgen.

Kraftwerke (auch Atomkraftwerke) werden heute von Computern gesteuert. Irgendwo steckt in der entsprechenden Software 1 Bit, eine Null oder eine Eins, die entscheidet, ob die Brennkammer beheizt oder gekühlt wird. Wenn dieses Bit falsch gesetzt ist (z.B. durch eine äußere Störung, Blitzschlag oder durch einen Softwarefehler), dann wird immer weiter aufgeheizt, bis alles in die Luft fliegt. Ein falsches Bit löst einen SupergGau aus, der Mensch, Tier, Natur und Umwelt ruiniert.

Doch das ist für Insider ein ziemlich alter Hut...

Vor 17 Jahren war ich neugierig und wollte damals die intelligenteste Software ausprobieren, die Entwickler jemals geschaffen hatten: Die automatische Spracherkennung mit ihrer unheimlichen, geradezu menschlichen Fähigkeit: Sie versteht menschliche Sprache.

Sie brauchen Zahlen, Daten, Texte nicht mehr mühsam, im 2-Finger- und/oder Adler-Suchsystem auf einer Tastatur einzutippen, sondern sie reden einfach, wie ihnen gerade der Schnabel gewachsen ist, in ein Mikrofon, das am Computer angeschlossen ist. Sie diktieren einfach mit Ihrer Stimme, und der brave Computer schreibt auf dem Bildschirm, was Sie gerade gesagt haben.

Um das Spannende an diesem Versuch zu verstehen, muss ich die Örtlichkeit erklären, wo mein spracherkennenden Computer vor 17 Jahren stand und ich saß. Mein Büro befand sich damals direkt neben einem Parkplatz. Und dort parkte regelmäßig ein VW-Diesel-Pkw.

Ich schaltete meinen Computer ein, es dauerte eine Ewigkeit, bis er hochgefahren und für mein Diktat bereit war. Dann diktierte ich einen Geschäftsbrief in das System und es schrieb ihn auf dem Bildschirm. Plötzlich wurde ich zu einer Beratung gerufen und verließ den PC. Ich beging in diesem Moment eine kleine Sünde, die meine lieben Mitmenschen auch zuweilen begehen, ich vergaß etwas: Ich vergaß nur, das Mikrofon abzuschalten.

Und jetzt kommt das große Rätsel: Was macht ein intelligenter automatischer Spracherkenner, wenn ihm keine menschliche Sprache zur Analyse angeboten wird? Er nimmt natürlich auch alle anderen Geräusche mit seinem Mikrofon auf und versucht, sie in Sprache umzusetzen. Fliegt eine Wespe umher, so versucht er das Fluggeräusch lautmalerisch in Schriftsprache umzusetzen, vielleicht schreibt er einfach "sssss" oder „ß".

Während meines Experimentes stand das Fenster zum Parkplatz offen. Da keine Wespe im Zimmer umhersurrte, und ich - wegen Abwesenheit - keine Sprechlaute von mir gab, lauschte mein Computer aus lauter Langeweile auch auf die Geräusche draußen vom Parkplatz. Der Fahrer wollte dort den Motor seines VW-Diesels starten und erzeugte dabei die Diesel-Abgase, -Schadstoff- und -Geräusch-Emissionen. Verbissen versuchte mein PC, die Startgeräusche dieses Diesels in deutsche Schriftsprache zu übersetzen. Eine äußerst interessante Aufgabe. Und was kam dabei heraus?

Als ich von der Beratung an den PC zurückkehrte, las ich auf dem Bildschirm einen Text, den ich nicht diktiert hatte und den der Spracherkenner aus den aufgenommenen Diesel-Emissionen vom Parkplatz produziert hatte:

„Ist hui pfui hui pfui Mist"

Mein Spracherkenner hatte damals unabhängig aus der Ferne gemessen und über die damaligen Schadstoff- und Geräuschemissionen geurteilt:

„Ist hui pfui...

Mein Computer hatte etwas gehört, was zum Himmel stinkt und mir geschrieben. Und am Ende stand sogar das Urteil des Dieselbesitzers: „Mist". Dieses deutliche Qualitätsurteil konnte schon vor 17 Jahren jeder hören, der Ohren hatte zum Hören und Augen zum Lesen.

Intelligente Software und Softwarequalität machen's möglich! Und lassen sogar in die Zukunft schauen und die Gegenwart besser verstehen, was höchstbezahlte Manager bei VW und anderswo verschlafen haben...

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